Krebserregende Stoffe in Kinderspielzeug

7. Dezember 2009, 17:50
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Gesundheitsschädliche Chemikalien werden als Weichmacher in Spielzeug eingesetzt

Berlin  - Mitten in der Haupteinkaufszeit für Weihnachtsgeschenke gibt es erneut eine Warnung vor krebserregenden Weichmachern in Kinderspielzeug. Die derzeit in der EU gültigen Regelungen schützten die Gesundheit der Kinder nicht ausreichend, erklärte das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Es bestehe dringender Handlungsbedarf.

Krebserregend und erbgutverändernd

Das BfR mahnte: "Vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Krebserkrankungen bei Kindern ist es dringend geboten, die Exposition gegenüber CMR-Stoffen soweit wie möglich zu minimieren." CMR bedeutet, dass der Stoff krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend ist. Dazu gehören die sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), die als Weichmacher in Spielzeug eingesetzt werden.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass die technisch machbaren Werte deutlich unter den zulässigen Höchstwerten der EU-Spielzeugrichtlinie lägen, erklärte das BfR. "Hohe PAK-Expositionen der Kinder über Spielzeug sind also technisch vermeidbar und deshalb nicht akzeptabel."

Schädlich wie 40 Zigaretten am Tag

Die EU-Richtlinie erlaube einen Wert von bis zu 100 Milligramm pro Kilo der PAK-Leitverbindung BaP. Bei dieser Konzentration könnten Kinder binnen einer Stunde über die Haut "ein Vielfaches dessen an krebserzeugendem BaP (...) aufnehmen, was im Rauch von 40 Zigaretten am Tag enthalten ist", kritisiert das Bundesinstitut.

Die Fachleute forderten, die Regelung der von Lebensmittelkontaktmaterialien anzugleichen. Dort muss die freigesetzte Menge von CMR-Stoffen unter der Nachweisgrenze liegen. Das gilt den Angaben zufolge derzeit nur für Spielzeug für Kinder bis drei Jahren.

Kinder empfindlicher

Kinder könnten auf Chemikalien wesentlich empfindlicher reagieren als Erwachsene, warnte das Bundesinstitut in seinem Bericht für das deutsche Verbraucherministerium. Kinder bis sechs Jahre hätten durchschnittlich 15.000 Stunden gespielt. Diese Zahl verdeutliche das Ausmaß des Problems.

Das BfR untersuchte nach eigenen Angaben den PAK-Gehalt in Spielzeugen, die von einem Handelsunternehmen zur Verfügung gestellt wurden. Dabei wurden in etwa 70 Prozent der 104 untersuchten Spielzeugproben keine PAK nachgewiesen oder der PAK-Gehalt war kleiner als ein Milligramm pro Kilo. In 19 Prozent ermittelte das Bundesinstitut einen Wert zwischen einem und zehn Milligramm, bei sieben Prozent lag die Belastung zwischen zehn und 100 Milligramm. "Zudem wurden in drei Prozent der Proben Spitzenwerte zwischen 100 und 1.000 mg/kg PAK gefunden", erklärte das Institut. (APA)

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    Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) werden unter anderem als Weichmacher in Spielzeug eingesetzt. (Symbolbild)

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