Zweifel an Bonität Griechen­lands werden lauter

9. Dezember 2009, 11:47
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Kreditwürdigkeit sinkt von "A-" auf "BBB+"

Athen - Griechenland gerät wegen seines hohen Staatsdefizits immer mehr unter Druck. Erstmals seit zehn Jahren hat eine Rating-Agentur das Euro-Land aus der obersten Klasse der sicheren Schuldner verbannt und die Anleihen des Landes nur noch in die zweitbeste Kategorie eingestuft. Dies verteuert nicht nur den Schuldendienst für Griechenland. Die Nachrichten schickten griechischen Bankaktien auf Talfahrt und belasteten den Euro. Griechenlands Neuverschuldung liegt 2009 bei 12,7 Prozent des BIP. Dennoch bedarf Griechenland nach Einschätzung des schwedischen Finanzministers Anders Borg noch keiner Hilfen des Internationalen Währungsfonds. IWF-Programme seien erst dann erforderlich, wenn das betroffene Land seine Staatsanleihen nicht mehr an den Märkten platzieren könne, sagte Borg, der auch Vorsitzender des EU-Finanzministerrats ist, dem "Handelsblatt."

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Athen - Wegen seiner hohen Neuverschuldung gerät Griechenland immer mehr unter Druck. Die Ratingagentur Fitch hat am Dienstag die Kreditwürdigkeit von Griechenland auf "BBB+" von "A-" herabgestuft. Der mittelfristige Ausblick für die Entwicklung der Staatsfinanzen mache Sorgen, teilte Fitch am Dienstag mit. Erstmals seit zehn Jahren wird der Euro-Staat damit nicht mehr als sogenanntes A-Land eingestuft. Top-Schuldner wie die Bundesrepublik Deutschland haben mit "AAA" das beste Rating.

Der Ausblick für das Land sei negativ, hieß es weiter. Auch eine weitere Herabstufung sei möglich.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte bereits am Montag angekündigt, die Einstufung Griechenlands überprüfen zu wollen. Die Nachrichten schickten am Dienstag Bankaktien in Griechenland weiter auf Talfahrt. Der Euro baute seine Verluste ebenfalls aus.

Griechenland wird im kommenden Jahr mit einem Schuldenstand von fast 125 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Italien überholen und den höchsten Fehlbetrag aller Euroländer aufweisen.

Wegen seiner verschlechterten Kreditwürdigkeit muss der griechische Staat für Anleihen an den Finanzmärkten höhere Zinsen zahlen, was die Schulden weiter nach oben treiben würde. Am Dienstag stieg der Risikoaufschlag auf 193 Basispunkte.

Nach dem Regierungswechsel in Griechenland hatte sich im September herausgestellt, dass die Neuverschuldung mit 12,7 Prozent des BIP in diesem Jahr doppelt so hoch ausfallen wird, als die konservative Vorgängerregierung prognostiziert hatte. Die erneuten Schummeleien mit den Schuldenstatistiken hatten in der Euro-Zone für Empörung gesorgt.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hatte sich erst am Montag besorgt über die drastische Verschuldung Griechenlands geäußert. Die Haushaltslage in dem südeuropäischen Land sei "sehr schwierig" , sagte der EZB-Chef. Er sei aber zuversichtlich, dass die Regierung in Athen angemessene Maßnahmen ergreifen werde, sagte Trichet.

Zweifel an Politik Athens

Fitch zeigte sich in seiner neuesten Beurteilung dagegen nicht überzeugt, dass die Maßnahmen Athens ausreichen, um die Schulden mittelfristig zu reduzieren. Die Verringerung des Haushaltsdefizits 2010 auf rund neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei zwar "machbar" , wegen des Mangels an substanziellen Maßnahmen sei aber eine Senkung der Schulden in den kommenden drei bis fünf Jahren zu bezweifeln, hieß es. Die Staatsschulden dürften Fitch zufolge auf 130 Prozent des BIP anschwellen. (red, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.12.2009)

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