Klosprüche

Untersuchung: Sprache auf der Toilette

7. Dezember 2009, 16:15

Eine Sprachwissenschafterin untersuchte "Schmiererein" am stillen Örtchen - Toilettengraffiti

Salzburg - Das stille Örtchen ist eine Fundgrube für die sprachwissenschaftliche Forschung: Die Schweizer Linguistin Christina Cuonz hat jene schriftlichen Botschaften untersucht, die Menschen auf öffentlichen Toiletten hinterlassen, und nach Genderkriterien untersucht. Und sie hat festgestellt: Frauen schreiben in ihren Graffitis über Beziehungen, Sexualität und Alltagsphilosophie. Bei Männern dominieren Sex, Politik und Sport, sagte Cuonz im Gespräch.

Geschlechterdifferenzen

Die Linguistin hat im Rahmen ihrer Magisterarbeit die Graffitis von öffentlichen Toiletten an Universitäten in Norwegen und Großbritannien untersucht. Dazu hat sie - sowohl in Frauen- als auch in Männerklos - die schriftlichen Botschaften fotografiert oder abgeschrieben, Toilettenbenutzer mit Fragebögen zu ihrem Lese- und Schreibverhalten befragt und Facility Manager der Gebäude als Auskunftspersonen miteinbezogen. Insgesamt hat die Schweizerin, die ihre Arbeit heute, Montag, im Rahmen des Workshops "Sex & Language" an der Universität Salzburg präsentierte, 249 WC-Inschriften sowie 180 Fragebögen ausgewertet.

Die Toiletten seien die einzigen Orte, wo Frauen und Männer wirklich streng getrennt seien. Deshalb eigneten sich die Graffitis sehr gut für eine genderspezifische Untersuchung, sagte Cuonz. Bei den Themen, der Sprache und bei der Gestaltung der Graffitis gibt es durchaus Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer beschäftigen sich in den kurzen schriftlichen Botschaften, die sie auf Toilettenwänden hinterlassen, hauptsächlich mit Sex, Politik und Sport. Frauen schreiben ebenso oft über Beziehungen wie über Sex. Dahinter folgen alltagsphilosophische Sprüche oder persönliche Statements.

Überraschungen

Überrascht hat die Wissenschafterin, dass gerade die als emanzipiert geltenden norwegischen Frauen auf den Toiletten Themen behandeln wie die Frage, wie man eine gute Hausfrau wird. Rassistische Statements waren auf Frauentoiletten zum Teil härter formuliert als jene von Männern, hat die Schweizer Linguistin festgestellt. Auch die für die Gebäude verantwortlichen Mitarbeiter, die für die Studie befragt wurden, bestätigten, dass Frauen sich auf den Klos kein Blatt vor den Mund nehmen und zum Teil provozierender formulieren als Männer. Die Erhebung zeigt, dass Frauen in ihren Botschaften die gesamte Bandbreite von sozial weniger bis sozial akzeptierten Begriffen ausschöpfen, Männer hingegen meist die sozial weniger akzeptierte Form verwenden.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es auch bei der Gestaltung der WC-Wände mit Graffitis. Frauen treten eher in Kommunikation mit früheren Graffitischreiberinnen. "Es bildet sich oft eine richtige Wolke an Botschaften, die aufeinander reagieren und ein Thema diskutieren", berichtete Cuonz. In einer Langzeituntersuchung hat die Schweizerin festgestellt, dass so ein Diskussionszyklus nur wenige Tage oder Wochen dauert. Dann wird ein neues Thema auf die Agenda der Toilettenwand gesetzt. Zu den alten Graffitis kommen dann keine neuen Reaktionen mehr dazu. Männer hingegen kommunizieren weniger untereinander und schreiben ihre Botschaften eher als Listen. (APA)

Kommentar posten
24 Postings
PuBär
00
11.12.2009, 10:35

Hat die Sprachwissenschaft heutzutage keine anderen Aufgaben mehr?

Joseph Yossarian
00
11.12.2009, 02:39
Zur Kritik der Wissenschaften:

"People who write on sh*thouse walls
Roll their sh*t in little balls
And people who read those words of wit
Eat that little balls of sh*t"

monkey makes the world go round
00
10.12.2009, 00:16
....Toilettenbenutzer mit Fragebögen zu ihrem Lese- und Schreibverhalten befragt

gibt es denn gar kein Örtchen mehr, an dem man sich nicht dokumentieren, präsentieren, analysieren lassen muss?
Selbst den Klosprüchen wird noch das Anarchische genommen.

Konradin
01
8.12.2009, 10:38
" .. dass Frauen in ihren Botschaften die gesamte Bandbreite von sozial weniger bis sozial akzeptierten Begriffen ausschöpfen, Männer hingegen meist die sozial weniger akzeptierte Form verwenden ..."

... beschreibt perfekt auf das Standard-Forum ...


;-)

Owi l8
00
8.12.2009, 17:01

Also ich hab noch keine wirklich erfolgversprechende Methode gefunden, im Standardforum Frauen und Männer auseinander zu halten. Ist die *alte Frau* tatsächlich eine Frau wie sie uns weismachen will? Ist *Konradin* die weibliche Form von Konrad? Und wenn ja, versteckt sich nicht vielleicht doch ein ausgefuchster Mann dahinter?

alte frau
01
8.12.2009, 12:15

das standardforum als toilette. gefällt mir.

AltFreak
14
8.12.2009, 02:30

Also mein all time favourite (Ende der 80er in Graz gelesen..) ist:

Wie Adolf Hitler sitz`ich hier, die braune Masse unter mir...

Robert Waloch
03
8.12.2009, 02:09
JAJA - das Häusel

ist wohl heutzutage bald der einzige Ort, wo man von der PC noch verschont wird......

THE MGT.
10
8.12.2009, 10:33

Also ich lebe sehr gut damit, dass ich im Alltag ansonsten von den Häuslsprüchen derjenigen verschont bleibe, die so gerne über "P.C." klagen weil halt außer ihresgleichen keiner neugierig ist auf ihre rassistischen und sexistischen Ergüsse.

kdalaryd
00
8.12.2009, 00:07
Herzerzog Johann
08
7.12.2009, 20:24
Kann dazu nichts sagen, verkehre nicht auf Damenklos, aber ...

.... was soll die Feststellung, daß "Frauen sich auf den Klos kein Blatt vor den Mund nehmen"? Die aufliegenden Blätter sind eh nicht dafür gedacht ...

BeachBuddy
00
7.12.2009, 19:20

Facebook und Twitter am Klo!

Sensus communis MCMLXXI
01
7.12.2009, 19:09
Ich werde niemals den ersten Klo Spruch vergessen

anno 1979, im zarten Alter von 8, im Laaerbergbad, kurz Latschi:

F.. ist gut wenn stinken tut, F.. ist besser wenn is gresser.

brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr

dr mike
01
8.12.2009, 00:03

Ich kenne F ... nix gut wenn stinken tut

Julia9813
03
7.12.2009, 18:56
alter hut!

Norbert Siegl: Geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich Häufigkeit und thematischer Inhalte bei Toilettengraffiti. Wien 1992. ISBN 3923548788

4th wall commentary
10
8.12.2009, 00:37

Das mag ja sein, aber bei der Zeitspanne lohnt sich eine neue Untersuchung meiner Meinung nach schon. Zeiten ändern sich, Menschen auch. Jedenfalls sicher ein interessanteres Thema als so manch andere Forschungen, von denen man in letzter Zeit lesen musste.

Jürgen Rembremerding
01
8.12.2009, 09:43
"Zeiten ändern sich, Menschen auch"

Da es sich um eine Schweizer Untersuchung handelt, ist das schon fraglich :-)


Duck und weg!

Jürgen Rembremerding
01
7.12.2009, 19:40
Christoph Daxelmüller hat in den Mitt. zur Volkskunde in Bayern

auch dazu publiziert!

Und in der vergessenen Zeitschrift Anthropophyteia, die Friedrich S. Krauss in Wien vor über 100 Jahren heruasgegeben hat, wurde das Thema bereits wiss. beleuchtet!

Julia9813
00
7.12.2009, 20:01

na bitte. wenn schon innovativ, dann also "nachüberlegungen zu einer analyse der diachronischen betrachtung geschlechtsspezifischer ausdrucksweisen an öffentlichen bedürfnisanstalten".

Meuterei auf der Boeing
00
7.12.2009, 18:01
Kottan ermittelt

Die Kunst einer Nation erkennt man an den Wänden ihrer S*****häuser!

Fonoti
00
7.12.2009, 17:05
Interessante Idee

rompitasche
03
7.12.2009, 16:46
Graffitis?

Pfui, doppelte Mehrzahl

palmer_eldritch
02
8.12.2009, 01:22
Die sogenannten Mehrzähle

Owi l8
00
8.12.2009, 17:15

Die richtige Mehrzahl ist Grafite.
Und spielt in der deutschen Bundesliga.

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