Wohnort und Befinden wirken auf die Gene

8. Dezember 2009, 16:28
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Studie belegt: Expression der Erbinformation je nach Umgebung und Lebensumstände unterschiedlich

Atlanta - Wohnort und Lebensstil üben einen entscheidenden Einfluss darauf aus, wie sich die genetische Information einer Zelle ausprägt. Einen Nachweis für diese These erbrachten nun australische und US-amerikanische Forscher in der Zeitschrift Nature Genetics. "Welche Gene des Menschen exprimiert werden und in welchem Ausmaß dies geschieht, hängt vor allem davon ab, wo man wohnt und welchen Lebensstil man führt", berichtet Studienautor Peter Visscher vom Queensland Institute of Medical Research.

Aufschluss darüber gab die Untersuchung von 200 Marokkanern, die aus zwei verschiedenen ethnischen Gruppen entstammten - von den Arabern und Berbern. "Die Berber gelten als Nachfahren der ersten modernen Menschen, die Nordafrika vor 35.000 Jahren besiedelten. Araber kamen hingegen erst zwischen dem siebten und elften Jahrhundert unserer Zeitrechnung nach Südmarokko", so Studienleiter Greg Gibson von der Georgia Tech. Beide Gruppen teilen denselben Lebensstil und wohnen teils in Dörfern, teils sind sie in die Städte abgewandert.

Ernährung, Stressniveau und Aufenthaltsort

Die Forscher suchten Probanden aus Vierteln mit hoher Bevölkerungsdichte einer Stadt sowie auch Bewohner von zwei Dörfern. Man nahm ihnen Blutproben ab und verglichen diese in ihrer Genexpression. So sollte anhand des Vergleiches beider ethnischen Gruppen gezeigt werden, welche Wirkung Natur, Erfahrung und Verhalten sowie die Kultur auf die menschliche Physiologie hatten. "Komplexe Faktoren spielen dabei eine Rolle, wahrscheinlich aber eine Mischung aus Ernährung, Stressniveau und Aufenthaltsort", so die Wissenschafter.

Unterschiede zwischen Stadt und Land wurden dabei deutlich sichtbar, besonders in zwei Genen, die man bisher mit Virusinfektionen und Nierenkrankheiten in Verbindung gebracht hat. Bis zu einem Drittel der Gentranskriptionen war hier bei Städtern anders als bei Landbewohnern. Das könnte laut der Hypothese der Forscher darauf zurückgehen, dass Städter bestimmten Infektionskrankheiten in höherem Ausmaß ausgesetzt sind, da die Ansteckung in der Stadt durch die räumliche Nähe zueinander viel leichter geschieht. Frühere Erhebungen konnten ähnliche Effekte bei Genen der Atemregulierung feststellen.

Mehrere hundert Genvarianten

Darüber hinaus suchten die Forscher auch Assoziationen auf Genomebene. Vergleicht man eine Gruppe von Menschen mit ähnlichem Lebensstil oder Wohnort, kann man davon ausgehen, dass Variationen der Genexpression genetisch bedingt sind, da die Untersuchten gleiche Umweltvoraussetzungen teilen. Die Forscher identifizierten auf diese Art mehrere hundert Genvarianten, die das Ausmaß der Genexpression mitbestimmen. "Bei der Bestimmung der Anfälligkeit von Menschen für bestimmte Krankheiten reicht der Blick alleine auf den Genotyp nicht. Auch die Umgebung muss beachtet werden", resümiert Gibson. (red/pte)

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