Schnee von gestern

7. Dezember 2009, 14:40
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Breitere Skier stehen als vermeintliche Hauptschuldige an den vielen Stürzen und Verletzungen im Rampenlicht

Aus Sicherheitsgründen wurden größere Ski-Breiten vor zwei Jahren im FIS Reglement vorgeschrieben. Nun stehen diese breiteren Skier als vermeintliche Hauptschuldige an den vielen Stürzen und Verletzungen im Rampenlicht. Und wieder einmal ist es gelungen, die Gefährlichkeit von Carving-Skis zu Saisonbeginn in die Schlagzeilen zu bringen.

Das FIS-Reglement definiert nur wenige Parameter der Ski-Geometrie - die Länge, die Mindest-Breite und den Konstruktionsradius - die zur Verwendung bei Skirennen erfüllt werden müssen. Nun ist es hinlänglich bekannt, dass die Form zwar für die Skieigenschaften sehr charakteristisch ist, aber nur in einem sehr komplexen Zusammenspiel mit vielen anderen Merkmalen zum Gesamtergebnis und den Fahreigenschaften führt. Ein feiner Ski war immer schon und ist mehr denn je, das Ergebnis von guter Abstimmung aller Konstruktionsparameter.

Die äußerst grobe Reglementierung des Materials, nur über die Geometrie, lässt für Konstrukteure nun jede Menge Türen offen, um eine bestimmte Fahrweise zu unterstützen oder gar erst möglich zu machen. Zum Beispiel über die Elastizitätseigenschaften. Damit lässt sich unter anderem ein relativ großer, vorgeschriebener Konstruktionsradius sehr einfach auf einen viel kleineren "Flex-Radius", den der Ski in der gefahrenen Kurve aufweist, reduzieren. Dass diese und andere Teilabstimmungen problematisch werden können, wissen die meisten Entwickler, die deshalb auch nur ungern durch neue Vorschriften vom Weg funktionierender Gesamtkonzepte abgebracht werden wollen.

Wie bei jedem Reglement liegt auch bei den Materialvorgaben der FIS, der Knackpunkt in ihrer Umgehbarkeit. Da sich, wie man sieht, nur ganz grobe Vorgaben zur Skikonstruktion machen lassen, stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob Material-Reglemente nicht genau das Gegenteil von der bezweckten Sicherheit fördern. Offensichtlich wird das im Freizeitsport, wo die Entwicklung in puncto Fahrsicherheit in durchaus sehr positiven Kurven verläuft; wo nicht die Regeln der FIS sondern jene der Naturgesetze als Entwicklungsgrundlage herangezogen werden können. Und wo deshalb mehr Ski-Breite als Garant für größeren Komfort bei zunehmender Dynamik mehr und mehr als State-of-the-Art gehandelt wird, weil sie ungehindert reifen durfte.

Im Zusammenhang mit der reglementierten Ski-Breite stimmt vor allem eines bedenklich: zu Beginn des Carving-Ski-Zeitalters schrieb der zwanghafte FIS-Regulierungswahn eine Höchst-Breite für Skis vor, jetzt eine Mindest-Breite! Wir stehen nun am entgegengesetzten Ende und den vermeintlich daraus resultierenden Problemen. Was kommt jetzt? Man darf gespannt sein ob am bald geplanten Sicherheits-Krisengipfel endlich einmal etwas frischer Powder herein schneien könnte und nicht wieder, wie Jahr für Jahr erneut, Bruchharsch auf alten Steilhängen verteilt wird an dem sich alle Akteure die Zähne ausbeissen können. (Nicola Werdenigg)

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