Homo Oeconomicus: Der Mensch als rationaler Egoist?

10. Dezember 2009, 11:30
2 Postings

Internationale Tagung im Rahmen des Charles Darwin Jahres 2009

Wien - Heute findet an der Universität Wien die Tagung "Der Mensch - rationaler Egoist?" statt. Internationale WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Disziplinen stellen sich die Frage, ob das Bild des rationalen Nutzenmaximierers überhaupt noch stimmt. Und wenn nicht, was den Menschen sonst antreibt.

Die wirtschaftsmathematische Verhaltensanalyse, die auf den Nobelpreisträger für Ökonomie, Gary S. Becker, zurückgeht, charakterisiert den Menschen als "rationalen Egoisten". Und das nicht nur in der Wirtschaft, wo es um Geldwerte geht, sondern auch im sozialen Bereich, wo es um immaterielle Werte geht (Suchtverhalten, Kriminalität, Heirat, Kinderkriegen u.ä.). Das Konzept des rationalen Nutzenmaximierers ist formal und mathematisch detailliert ausgearbeitet und dient als Leitkonstrukt in der Betriebswirtschaftslehre (Institutionenökonomik). Es prägt aber auch das Denken in den Natur- und Sozialwissenschaften.

Nutzen, Intuition und Fairness

Bei dem Versuch, verhaltensbezogene Kalküle zu messen, stößt die Wissenschaft an ihre Grenzen. Wie kann ideeller, also nicht-monetärer Nutzen bewertet werden? Wie differenziert man Gegenwarts- und Zukunftswerte, beispielsweise bei Investitionen oder bei Sparvorhaben? Gleichzeitig zeigen Experimente, dass sogar Spitzenkräfte der Wirtschaft intuitiv entscheiden. Und im Falle, dass Menschen in Anwesenheit anderer zu unerwartetem Gewinn kommen, wird der Gewinn meistens fair von der Person geteilt. Diese Beispiele zeigen, dass der einfache "Homo Oeconomicus" weder den wissenschaftlichen Befunden noch der Verhaltensrealität entspricht. Ein Umdenken scheint unausweichlich.

Podiumsdiskussion

Die Tagung ist kostenfrei und richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an ein breites öffentliches Publikum. Internationale WissenschafterInnen diskutieren die Frage des Konzepts des Nutzenkalküls aus der Perspektive ihres jeweiligen Fachgebiets. Dabei treffen die Mathematik auf die Biologie, die Wirtschaftswissenschaften auf die Psychologie und die Anthropologie auf die Philosophie.

Im Anschluss an die Kurzvorträge findet um 17 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema "Begriffskritik zur Ökonomik" statt. Die Moderation übernehmen John Dittami, Leiter des Departements für Verhaltensbiologie der Universität Wien, und Eckehart Köhler, ehemaliger Mitarbeiter vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien. (red)


Tagung

Der Mensch - rationaler Egoist?
Vom Nutzenkalkül in den Wirtschafts-, Verhaltens- und Lebenswissenschaften.
Ökonomik, Verhaltensbiologie, Sozialwissenschaften, Anthropologie und Philosophie im Dialog.

Zeit: Donnerstag, 10. Dezember 2009, 9 bis 17 Uhr. Kurzvorträge, 17 Uhr Podiumsdiskussion.
Ort: Juridicum der Universität Wien, Schottenbastei 10-16, 1010 Wien.

Link
Programm und Anmeldung

Share if you care.