Backlash bei Frauenrechten

7. Dezember 2009, 12:21
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Neuer Bericht von Human Rights Watch präsentiert Ergebnisse einer Gewalt-Studie: Regierung und Behörden nehmen Beschwerden von Frauen nicht ernst

New York - Auch acht Jahre nach dem Sturz der radikal-islamischen Taliban sind Frauen in Afghanistan weiterhin Opfer von Gewalt und Diskriminierung. Das geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hervor, der am Montag veröffentlicht wird. Der 96-seitige Bericht "We Have the Promises of the World: Women's Rights in Afghanistan" beschreibt beispielhaft Fälle von anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in fünf Bereichen: Angriffe auf Frauen in der Öffentlichkeit, Gewalt gegen Frauen, Kinder- und Zwangsheirat, angemessener Zugang zum Justizwesen und die Möglichkeit zu höherer Schulbildung für Mädchen.

Angriffe auf Frauen alltäglich

Angriffe auf Frauen in der Öffentlichkeit, Gewalt in der Familie sowie Kinder- und Zwangsheirat gehören demnach zur Lebenswirklichkeit vieler afghanischen Frauen. "Frauenrechte haben keine Priorität bei unserer Regierung oder der internationalen Gemeinschaft. Wir sind vergessen worden", sagt die afghanische Parlamentarierin Shinkai Karokhail. Sie setzt sich seit 2005 für Frauenrechte ein.

Backlash bei Frauenrechten

Die Menschenrechtsorganisation bemängelt, dass die Not von Frauen und Kindern während der Herrschaft der Taliban zwar dafür benutzt wurde, um die militärische Invasion in Afghanistan im Jahr 2001 zu rechtfertigen, Frauenrechten aber keine dauerhafte Priorität in der Politik der Regierung oder bei internationalen Gebern eingeräumt werde. "Es besteht die Gefahr, dass die seit 2001 erzielten Fortschritte für afghanische Frauen und Mädchen in den Bereichen Bildung, Arbeit und Bewegungsfreiheit zunehmend wieder eingeschränkt werden", warnt Rachel Reid, Afghanistan-Expertin von Human Rights Watch. Die Gründe hierfür seien die Stärkung fundamentalistischer Fraktionen in der Regierung, die zunehmende Gefahr durch Aufständische und eine sich abzeichnende Aussöhnung mit einzelnen Gruppen der Taliban.

Mangelnder Schutz für bedrohte Frauen

In der Öffentlichkeit aktive Frauen würden außerdem immer wieder Opfer von Drohungen und Einschüchterungen. Trotz mehrerer Morde an einigen prominenten Frauen würden die Täter nicht vor Gericht gestellt. Prominente Frauen berichteten in Interviews, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen, wenn sie Drohungen melden. Zuletzt fiel im April die Menschenrechtsaktivistin und Politikerin Sitara Achakzai einem Anschlag zum Opfer.

Eine landesweite Umfrage zu Gewalt gegen afghanische Frauen hat demnach ergeben, dass 52 Prozent der Befragten schon einmal Opfer von körperlicher und 17 Prozent von sexueller Gewalt geworden sind. Trotzdem meldeten die wenigsten Frauen und Mädchen diese Gewalttaten den Behörden. 

Forderungen

In dem Bericht fordert Human Rights Watch u.a., dass die afghanische Regierung und die Geberländer der Förderung und dem Schutz von Frauenrechten beim Wiederaufbau des Landes eine zentrale Stellung einräumen. Es brauche eine landesweite Kampagne, die klarstellt, dass Vergewaltigung eine Straftat ist und als solche von den Exekutivorganen, Richtern, Beamten, dem Parlament und der afghanischen Öffentlichkeit verurteilt wird. Darüber hinaus fordert die Organisation, dass die staatliche Registrierung von Ehen leichter zugänglich und obligatorisch gemacht wird. (APA/red)

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    Eine afghanische Frau geht auf dem Sakhi-Friedhof in Kabul.

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