Betriebsversammlung bei Mercedes in Sindelfingen

7. Dezember 2009, 11:36
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Die Mercedes C-Klasse wird künftig nicht mehr in Sindelfingen gefertigt werden

Sindelfingen - Im Mercedes-Werk im deutschen Sindelfingen findet am  Montag eine Betriebsversammlung statt. Daimler-Chef Zetsche will dabei den Beschäftigten den umstrittenen Plan für die Verlagerung der Produktion der C-Klasse ab dem Jahr 2014 nach Bremen und in die USA erläutern. Auch Personalvorstand Wilfried Porth und Mercedes-Produktionschef Rainer Schmückle werden auf der Versammlung erwartet.

Der Daimler-Betriebsrat sieht rund 3.000 Jobs in dem Werk bedroht. "Wir fordern konkrete Zusagen und zusätzliche Aufgaben", hatte Betriebsratschef Erich Klemm dem Nachrichtenmagazin "Focus" am Wochenende gesagt. Klemm will dem Blatt zufolge in den am Montag beginnenden Verhandlungen einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2020 durchsetzen.

Angst geht um

Im Sindelfingen wird befürchtet, dass ab 2016 auch Fertigungskapazitäten der E-Klasse abwandern könnten. Zetsche bestritt in "Focus" entsprechende Pläne: "C- und E-Klasse sind aus wirtschaftlicher Sicht nicht vergleichbar", sagte Zetsche. "Deshalb gibt es keinen Grund, Sindelfingen als E-Klasse-Standort infrage zu stellen."

Die Daimler-Unternehmensführung schockierte vor einigen Tagen die Belegschaft im Stammwerk mit der Nachricht, dass die wichtige C-Klasse ab 2014 in Deutschland nur noch in Bremen gebaut werden soll sowie erstmals im Werk in Tuscaloosa im US-Staat Alabama. Aus Protest gegen die Pläne ruhte am Mittwoch in Sindelfingen die komplette Produktion.

Bisher wird die C-Klasse in Sindelfingen, Bremen, Südafrika und China gefertigt. In der gesamten Produktion in Sindelfingen arbeiten laut Daimler zurzeit 20.000 Beschäftigte, davon weniger als 4.000 für die C-Klasse.

Beschäftigungsgarantie

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat den Mitarbeitern im Werk Sindelfingen eine Beschäftigungsgarantie gegeben. Trotz der Verlagerung der Mercedes-C-Klasse "geht hier kein einziger Job verloren", sagte Zetsche am Montag bei einer Betriebsversammlung. Generell wolle er den Standort Sindelfingen verlässlich sichern. "Auch dazu mache ich hier eine verbindliche Zusage: Die nächste Generation der E- und S-Klasse wird definitiv hier in Sindelfingen gebaut", sagte Zetsche.

Insgesamt entstünden 200 Jobs mehr als von 2014 an durch die Verlagerung der C-Klasse nach Bremen und ins US-Werk Tuscaloosa verloren gingen. Sindelfingen bleibe auch in Zukunft "unser wichtigstes Werk: Das Herz von Mercedes, das Zentrum der E- und S-Klasse, der Treiber unserer technologischen Innovationen", versprach Zetsche. "Seien Sie versichert: Der Dreh- und Angelpunkt für die "zweite Erfindung des Automobils" ist und bleibt Sindelfingen."

Zetsche verteidigte die Entscheidung bei der C-Klasse. "Jede fünfte C-Klasse weltweit verkaufen wir bereits heute in den USA - und es hat unabweisbare Vorteile, wenn wir ab 2014 auch jede fünfte C-Klasse dort produzieren." Neben der Montage des Sportwagens SL werde Daimler aber weitere Aufgaben nach Sindelfingen ziehen. Dabei gehe es unter anderem um die Montage der Hybridantriebe und die Sitzfertigung. Zudem sollten Arbeitskräfte aus der Produktion für eine Tätigkeit "im Planungs- und Entwicklungsumfeld" qualifiziert werden. (APA)

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    Nach dem angekündigten Abzug der C-Klasse aus Sindelfingen sieht der Daimler-Betriebsrat 3.000 Jobs in dem Mercedes-Stammwerk in Gefahr.

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