Fidler bleibt zum Klimagipfel freudig fleischlos - aber nur ganz kurz: Erbsigste Erbsensuppe von den Osteriaführern aus der Burggasse und, alle Wetter!, Panna Cotta
Warum ist in diesem dilettantischen Esstagebuch eigentlich noch nie etwas über Luca und Silvia gestanden und ihre Osteria Numero Uno? Womöglich, weil man ohnehin meist schwer Platz bekommt in der kleinen italienischen Skihütte hinter der Bushaltestelle? Womöglich, weil die beiden ohnehin oft anderswo gelobt werden? Womöglich, weil Silvia manchmal etwas ruppig werden kann? Nicht zu mir. Wobei, ich hab weder den versprochenen Reis noch den Wein mitgebracht, ich sag's lieber gleich aus der Entfernung.
Käse im Pelz
Egal: Die versteckte Osteria in der Burggasse eignet sich gut zum Aufwärmen für den nächsten Italientrip. Gern auch zwei Abende hintereinander, mit einer Sonderprüfung für Silvia. Dachte ich jedenfalls, als ich fragte, ob sie auf Vegetarierinnen eingerichtet ist, die weder Fisch noch Fleisch essen. Klar! Als wäre das das Natürlichste von der Welt. (Ist natürlich auf eine Art eh natürlicher, aber darüber wollen wir jetzt nicht streiten.)
Was weder ich noch Silvia noch die Vegetarierin an meiner Seite bedacht hatten: Nach den schon gewohnt erfreulichen Antipasti, unter anderem ein Tomino im Spinatpelz, aber hallo, und das nicht nur knofelbedingt, serviert sie eine Erbsensuppe, wie ich sie noch nicht gesehen und vor allem nicht geschmeckt habe. Nicht, dass ich da ein Kriterium wäre. Aber die auch in Sachen Suppe weltgewandte Vegetarierin war hingerissen.
Der Oktopus hat Pause
Die beste, weil purste, erbsigste Erbsensuppe ihres Lebens, sagt sie. Das lass ich mir nicht zweimal sagen, koste, und, pardon, höre nicht mehr auf zu essen. Ich weiß, das gehört sich nicht, aber meine Tagliatelle mit Pancetta (scharf, wenn auch nicht ganz so forsch wie die mit Salsiccia am Vortag) waren schon aus und die Suppe, nun, erbsiger gehts wirklich nicht. Ein Rezept aus der Toskana, erklärt uns Silvia noch, das dort eigentlich mit kross gebratenen Scheibchen Oktopus serviert werde, die sie halt durch ein paar Kirschtomaten ersetzt habe. Kenn ich aus der Toskana nicht, aber ich war erst dreimal da, und mir Dilettant entgeht leicht was.
Mit Oktopus hätte mich das Süppchen natürlich auch interessiert, aber vielleicht bring ich die Osteriaführer in der Burggasse ja noch dazu. Und weil am Vortag der Fleischgang schon aus war, hab ich mir eine vor allem mit Käse gefüllte Gänsebrust reservieren lassen. Dass Silvia sie da gerade ausprobiert hat, sagt sie mir erst nachher, gemerkt hätt ich's nicht. Schon ziemlich gut.
Gams, gams fies
Wie man nicht unaufgewärmt gen Süden ziehen soll, so gilt es bei der Rückkehr, auch geordnet abzukühlen: Das ist praktisch wie beim Sport, oder wie ich mir Sport halt vorstelle. Also, schon optisch ein gewaltiger Kontrast zum holzverkleideten Stübchen: Wetter am Yppenplatz, ja, der frühere Muskel des Expedit. Das passende, überwiegend schwarz und designig gekleidete Publikum und Personal ist da. Und die Erwartung hält.
Der ordentliche Fleischgang ist auch hier schon aus, und das trifft mich fast noch härter als auf Numero Uno: Spezzatino von der Gams, wenn ich Camoscio richtig lese, hätte mich wirklich interessiert. Gams, gams fies, wenn der Vorrat schon um 2010 verputzt ist. Da beginnen Mailands Bobos gerade erst, sich den Wirten fürs Abendessen zu überlegen, vermute ich ungeprüft.
Ständig scharf
Was bleibt auch in der Payergasse 13? Geflügel, an sich außer zu Martini selten meine erste Wahl, vielleicht weil ich schon zuviele trockene Hendln und Puten runtergewürgt hab. Das kann man Reto Wetters Limonenhuhn aber nun wirklich nicht nachsagen. Bin mit dem Federvieh wieder ein bisschen versöhnter. Übrigens mit einer ähnlichen chiligen Grundschärfe wie praktisch alles Gekostete.
Mein erprobter Mitesser wählt bei Wetter vorweg den schon anderswo gelobten Ricotta al forno mit Kichererbsen und wirkt recht zufrieden. Ich halte mein mehr als astreines Sardinenfilet auf roten Rüben mit vielen, vielen Kapern für die klar bessere Wahl. Auf Rigatoni all'amatriciana einigen wir uns, die Nudeln gelingen hier bissfester als meist in der Burggasse. Er legt noch ein - definitiv chilifreies - Panna Cotta nach, das er, Alle Wetter! zu den besten seiner Geschichte zählt. Da verlass ich mich auf ihn. Mir ist Erbsensuppe lieber.
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und
Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute,
die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen
Vergnügen. Was nicht immer gelingt.