Markige Sechszylinder-Witze wieder im Kommen

7. Dezember 2009, 16:48
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BMW präsentiert auf der EICMA in Milano die Concept 6. Ein Nakedbike mit einem Sechszylinder-Motor, der demnächst für Vortrieb sorgen soll

In den Neunzehnsiebzigern war die Hölle los. Auf einem Militär-Flugfeld wird eine handvoll Techniker aufgegriffen, die mit Mikrofonen bestückt, die Geräusche von Düsenflugzeugen aufnehmen. Ja, damals haben Wal-Klänge-CDs noch furchtbar geflopt. Die Techniker waren, wie sich später herausstellte, von Honda und haben das Liebeswerben der Jets nicht aufgenommen, um damit daheim die Liebste ins Bett zu kriegen, sondern weil sie im Klang das Vorbild für ihren neuen Sechszylinder-Motor sahen, den sie gerade daheim in der Werkstatt zusammenbastelten. Da waren die Militärs gar nicht gleich davon überzeugt, dass das eine gute Idee ist, mit dem Mikrofon am Militärflughafen herumrennen; ließen die Techniker dann aber mitsamt der Tonbänder ziehen. Das Motorengeräusch des ersten Prototypen war dann angeblich ziemlich nah an den Jets - was den Verkaufsmanagern aber zu aggressiv war.

Ein Jahr bevor die inzwischen legendäre Honda CBX mit ihrem 105 PS starken Sechszylinder auf den Markt kam, präsentierte Kawasaki 1978 auf der IFMA in Köln die Z 1300. Einen Sechszylinder-Brummer, der 120 PS leistete und vollgetankt 330 Kilogramm schwer war. Die Kawa war damit noch ein ganzes Eck schwerer als die Honda mit ihren 274 Kilogramm. Zum Dafahren waren beide nicht. Die Fahrwerke hielten das Gewicht nicht aus, und während sich die Hersteller auf die Reifen ausredeten, begann man hierzulande wegen der Sechszylinder über eine Leistungsbeschränkung von maximal 75 PS pro Zweirad nachzudenken. Die Industrie beschränkte die Eisen dann selbst ein paar Jahre lang auf 100 PS.

Benelli vor den Japanern
Vor Kawasaki und Honda hatte schon Benelli einen Sechszylinder am Markt und kaufte damit den Japanern die Schneid ab. Benelli orientierte sich damals am Verkaufsschlager Honda CB 500 und baute einfach noch zwei Häferl dazu, verzierte das Motorrad mit sechs Endrohren und nannte es 750 Sei. Also nicht Siemaholba Sei, sondern Settecentocinquanta Sei, was der Italiener gleich ausspricht wie 756. Aber wurscht.

So wurscht, wie mir in der Regel die Verbrauchsdiskussionen von Motorrädern sind, im Besonderen von race-fertigen Hard-Enduros. Aber bei dem, was die Sechszylinder damals auf der normalen Straße gesoffen haben, kriegt sogar ein Ölscheich einen trockenen Mund. Zehn Liter in eine 100 Kilometer weit bewegte Kawasaki Z 1300 zu schütten, ist ja nicht normal, zudem man bei solchen Verbrauchswerten sicher gefragt wurde, ob man bei der nächsten Ausfahrt auch einmal Gas geben wird, oder ob Dahinzuckeln jetzt neue Mode ist?

Mehr Drehmoment, mehr Spritverbrauch
Und jetzt kommt BMW und präsentiert auf der EICMA in Milano ihr Sechzylinder-Konzept. Revolutionär ist der Motor, der kaum breiter baut als ein herkömmlicher Reihenvierer, wie BMW ihn bereits in den K-Modellen verwendet. In die Reise-K soll die Sechserbank auch eingebaut werden und dort die Palette zum 1,3 Liter Reihenvierer mit 173 PS erweitern. Mit etwa gleich viel Leistung, dafür mehr Hubraum, mehr Drehmoment, mehr Gewicht und sicherlich mehr Spritverbrauch. Dafür gibt es mehr Laufruhe.

Das Konzeptbike auf der EICMA hat mit dem Reise-Schiff, in das der Motor demnächst eingebaut werden soll, wenig gemein. Die Concept 6 ist ein martialisches Nakedbike, das um den mächtigen Motor gebaut ist. Der lange Radstand, der unter anderem wohl deswegen zu Stande kommt, weil man die elektrischen Nebenaggregate nun hinter den Motor bauen muss, spricht für sehr gute Geradeausfahreigenschaften - und einen Muskelkater nach der kurvigen Bergstraße. Den kann der Reise-K-Fahrer dann ja beim Anhören von markigen Sechs-Zylinder-Witzen und Harald Juhnke-Vergleichen beim Stammtisch auskurieren. (Guido Gluschitsch)

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