Ein Steirer und der Lauf der Schweizer

6. Dezember 2009, 21:11
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Der Steirer Sepp Brunner hat großen Anteil daran, dass die Alpinen aus der Schweiz binnen fünf Jahren aus dem Jammertal in lichte Höhen aufstiegen. In Carlo Janka coacht er einen kommenden Weltcupgesamtsieger.

Beaver Creek / Wien - "Mehr Geld, kleinere Gruppen, einige Talente sowie viel Zeit und Ruhe für den Aufbau." Sepp Brunner kennt die Zutaten für den Erfolg der Schweizer Alpinen genau. Seit 2004, als Martin Rufener die marode Herrenmannschaft von Karl Frehsner übernommen hatte, wirkt der Steirer als Trainer der Techniker beim Schweizer Verband. Zunächst führte der mittlerweile 49-jährige Oberwölzer die Junioren-Weltmeister Daniel Albrecht und Marc Berthod an die Spitze heran. Auch, indem er den beiden, von der erfolgsentwöhnten Schweizer Öffentlichkeit früh zu Superstars Hochgejubelten, die Flausen austrieb. Brunner forderte und bekam Professionalität.

2007 brachte es Albrecht in Aare zum Kombinationsweltmeister. Für Trainer Brunner war's der zweite einschlägige Titel. Den ersten hatte ihm Sonja Nef beschert, die er als Privattrainer mehr oder weniger aus der Ski-Invalidität zum Triumph im Riesentorlauf von St. Anton 2001 führte.

Gold Nummer drei steuerte Carlo Janka im Februar im Riesentorlauf von Val d'Isere bei. Auch der 23-Jährige aus Obersaxen, Kanton Graubünden, der am vergangenen Freitag die Super-Kombination in Beaver Creek für sich entschieden hatte, um tags darauf auch die Abfahrt zu gewinnen, zählt zu Brunners WC2, in der auch Slalomnist Marc Gini und Allrounder Sandro Viletta reifen.

Der Erfolg dieser Gruppe stachelt auch die arrivierten Schweizer wie Didier Cuche und Didier Défago an. Dass Brunner mit seinen Leuten eigene Wege beschreitet, etwa den vorsaisonalen Vergleich mit den anderen Trainingsgruppen scheut, führt zuweilen zu Auseinandersetzungen. Schon 2007 hätte Brunner nach Wickel mit Chefcoach Rufener fast das Handtuch geworfen. Im Vorjahr wehrten sich er und Janka erfolgreich gegen dessen Transferierung in die Speed-Gruppe.

Geschenk von Gott

Janka, dessen Stern in der Vorsaison aufgegangen war, konnte auch eine durch schlechte Blutwerte gestörte Sommervorbereitung nicht stoppen: "Er hat den Kopf und den Instinkt eines Rennfahrers", lobt Brunner. Zumindest in diesem Punkt ist Cuche mit dem Österreicher einig. "Er ist die Ruhe selbst. Er hat mit seinem Instinkt für Linien ein Geschenk von Gott bekommen. Das liegt ihm einfach im Blut", lobte der 35-Jährige seinen deutlich jüngeren Teamkollegen, obwohl ihm dieser die vielleicht letzte Abfahrtssiegchance in Beaver Creek genommen hatte.

Anton Giger, Cheftrainer der Österreicher, zählt Janka längst zu den heißesten Anwärtern auf den Gesamtweltcup: "Er ist in einer absoluten Traumform und jetzt kommen erst seine Rennen. Das imponiert uns, es wird schwer, ihn zu schlagen." (lü, DER STANDARD Printausgabe, 7.12.2009)

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    In Beaver Creek feierte der Graubündener Carlo Janka einen Tag nach dem Triumph in der Super-Kombi seinen ersten Abfahrtssieg. "Er ist die Ruhe selbst", lobte Landsmann Didier Cuche.

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