Politische Kraft, menschliche Sensibilität

6. Dezember 2009, 19:28
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Politiker zum Tod Alfred Hrdlickas

Wien - Mit Alfred Hrdlicka verliere Österreich "nicht nur eine herausragende Persönlichkeit der Kunst, sondern auch einen Streiter, eine laute Stimme für eine bessere Welt", so Bundeskanzler Werner Faymann.

Als "Titan der internationalen Kunst" würdigt Bildungs- und Kulturministerin Claudia Schmied den am Samstag verstorbenen Bildhauer: "Sein Werk war immer mehr als Erinnerung und Mahnung gegenüber historischem Unrecht. Er verstand seine Kunst auch als politischen Auftrag, den er selbst immer auch lebte".

"Seine stets kraftvolle, unkonventionelle und mahnende Stimme" werde fehlen, zeigt sich der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny betroffen. Wien verliere einen großen Künstler, der "mit dem Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Albertinaplatz einen der zentralen Orte des Gedenkens in Wien geschaffen" habe.

"In ihrem unbändig-expressiven Ringen mit dem Material verkörperte Hrdlickas unzeitgemäße Persönlichkeit das Urgewaltig-Bildhauerische", sagt Mak-Direktor Peter Noever, und die Direktorin des Belvedere, Agnes Husslein, verweist auf die Konsequenz und Stringenz, mit der Hrdlicka, "der mit Leib, Seele und Kopf Bildhauer war, ein großartiges Werk" geschaffen habe.

Der Galerist Ernst Hilger postuliert, Hrdlickas Tod läute das Ende einer Ära der Freundschaft und des Handschlags ein, "einer Ära, wo die Kunst und der Standpunkt, das Rückgrat, wichtiger waren als Kunstmarkt, Strategie und anderes."

Nie, so der grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl, habe sich Hrdlicka "am ästhetischen Schein oder am Geschmack des Publikums orientiert. Vielmehr hat er die Zusammenhänge von Geld, Macht und Leid deutlich gemacht. In vielen agitatorischen Auseinandersetzungen hat er dem modischen Kunstgetue eine Abfuhr erteilt." (APA, red / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.12.2009)

 

 

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