Wunsch ans Christkind

6. Dezember 2009, 19:00
24 Postings

Das Weihnachtsgeschäft verliert für den Handel seit Jahren an Bedeutung - Von Verena Kainrath

Optimismus ist im Weihnachtsgeschäft Pflicht. Wehe dem, der nicht ab dem ersten Einkaufssamstag im Advent von Käuferansturm und klingelnden Kassen berichtet. Lässt sich der flaue Andrang nicht verhehlen, wird der Trend zum immer späteren Einkauf heraufbeschworen.

Der Handel hat die Krise heuer erstaunlich gut gemeistert. Solide Gehaltsabschlüsse und Steuerentlastungen stärkten den Konsum. Die Österreicher werden sich auch Weihnachten nicht vermiesen lassen. Dass sie an den punschgetränkten Adventmärkten in Kaufrausch verfallen, bleibt aber ein unerfüllter Wunsch der Wirtschaft ans Christkind.

Das Weihnachtsgeschäft verliert für den Handel seit Jahren an Bedeutung. Mit steigendem Wohlstand werden alle Bedürfnisse sofort erfüllt. Präsente sind eine schöne Geste, tatsächlich brauchen tun sie die wenigsten, und die Zahl der Verweigerer des erzwungenen Weihnachtsrummels steigt. Die verfrühten Rabattschlachten machen den Druck, unter dem viele Betriebe stehen, deutlich. Doch die Droge des Abverkaufs wirkt nur, wenn die Dosis laufend erhöht wird.

Wie alle Jahre wieder wird das Weihnachtsgeschäft auch heuer passabel ausfallen. Das verschafft dem Handel ein wenig Luft. Die Bewährungsprobe steht jedoch erst bevor: Die wachsende Arbeitslosigkeit wird dem Konsum zeitverzögert einen harten Dämpfer verpassen, neue Pleiten zeichnen sich ab. Der weihnachtliche Jubelchor täuscht daher nicht darüber hinweg, dass der Kassasturz bald ernüchternd ausfallen wird. Die Katerstimmung nach dem Fest ist programmiert. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.12.2009)

Share if you care.