Angepeiltes CO2-Konzentrationslimit reicht nicht

6. Dezember 2009, 19:06
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Forscher blickten ins warme Pliozän zurück und weisen auf langfristig wirkende Prozesse hin

Paris - Kurz vor der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen haben britische Wissenschafter gewarnt, dass CO2-Emissionen den Treibhauseffekt weitaus stärker befördern als bisher angenommen, wenn man langfristig wirkende Faktoren wie etwa etwa das Abschmelzen von großen Eisflächen miteinbezieht: Prozesse, die durch den CO2-bedingten Treibhauseffekt befördert werden. 

Die Gruppe um den Klimaforscher Dan Lunt von der Universität Bristol geht davon aus, dass der Beitrag der CO2-Emissionen zum Treibhauseffekt um 30 bis 50 Prozent höher anzusetzen wäre als bislang. In gängigen Klima-Modellen werde ein CO2-Konzentrationslimit von 450 Teilen pro Million (ppm) empfohlen, um die Erderwärmung langfristig auf etwa zwei Grad zu begrenzen; derzeit liege die Konzentration bei rund 387 ppm. Das Ziel, die Erderwärmung auf etwa zwei Grad Celsius zu begrenzen, sei jedoch nur mit einem Wert von etwa 380 ppm zu erreichen, sagte Lunt mit Blick auf die Langzeitwirkungen des CO2-Anstiegs - wie eben die Gletscherschmelze und infolge dessen verstärkte Absorption von Sonnenlicht, was über hunderte von Jahren hinweg Wirkung zeigen werde.

Die am Sonntag in der Zeitschrift "Nature Geoscience" veröffentlichte Studie beruht auf der Übertragung aktueller Klima-Modelle auf das Pliozän, ein relativ warmes Zeitalter vor etwa 5,3 bis 2,6 Millionen Jahren.  Anhand von Bodenablagerungen, die durch Bohrungen im Ozean gewonnen wurden, konnten sich die Wissenschafter einen Eindruck von der CO2-Konzentration in diesem Zeitraumverschaffen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass eine CO2-Konzentration von 400 ppm nicht der damaligen Erwärmung entsprach (damals war es rund durchschnittlich drei bis fünf Grad Celsius wärmer als heute): Deshalb, weil die indirekten Folgen des CO2-Anstiegs für eine länger anhaltende Warmphase gesorgt hatten. Woraus sie den Umkehrschluss ableiten, dass die bisherigen Ziele für eine CO2-Konzentrationslimit nicht ausreichen, um die Erwärmung in den erhofften Grenzen zu halten: Genau genommen sei dafür die aktuelle CO2-Konzentration bereits zu hoch. (APA/red)

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