Ein Start für Neues

6. Dezember 2009, 18:16
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Ein Abrüstungsabkommen würde die russisch-amerikanischen Beziehungen reparieren

Wer braucht noch einen großen Abrüstungsvertrag? Der Kalte Krieg ist Geschichte, es ist wahr, die Sowjetgeneräle sind längst im Ruhestand und Interkontinentalraketen mit dem zynischen Namen "Minuteman" veralten in ihren Silos. Doch dass Moskau und Washington ihre Atomraketen nicht mehr rigoros aufeinander richten, heißt nicht, ein Abkommen zur Abrüstung strategischer Waffen hätte keine Bedeutung mehr. Ein neuer Start-Vertrag ist wichtig für die internationale Gemeinschaft. Es geht um mehr als um Sprengköpfe-Zählen und U-Boote-Sortieren.

Wladimir Putins Russland, das nach Geltung und Anerkennung lechzt, und Dmitri Medwedews Russland, das sich gleichzeitig seiner Rückständigkeit bewusst ist, sind ein schwieriger Partner für die USA. Ein neuer Raketenvertrag regelt nicht das Problem der schwindenden Freiheit in Russland, aber er kann der Beginn einer neuen Verständigung zwischen Moskau und Washington sein.

Ein Abrüstungsabkommen würde die russisch-amerikanischen Beziehungen reparieren. Der "Reset"-Knopf, auf den Barack Obama nach seinem Einzug ins Weiße Haus drückte, braucht ein greifbares Ergebnis. Mit der Annullierung der Raketenschildpläne seines Vorgängers räumte der US-Präsident ein großes Hindernis für einen Neubeginn dieser Beziehungen aus dem Weg. Ein Abkommen über tiefgehende Einschnitte in das Atomwaffenarsenal beider Staaten wäre eine Basis, von der aus sich weitere gemeinsame Initiativen entwickeln ließen - dem Iran und Nordkorea gegenüber und für die dringende Reform des Atomwaffensperrvertrags. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 7.12.2009)

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