Rumänen wollen stilvoll baden gehen

6. Dezember 2009, 18:18
11 Postings

In Temeschwar soll Rumäniens erste Therme entstehen

Viele Rumänen fahren aus Mangel an eigenen Thermen bis nach Österreich, um in warmem Wasser zu plantschen. Das könnte sich ändern. In Temeschwar soll Rumäniens erste Therme entstehen.

Wien/Temeschwar – Die Rumänen wollen machen, was in Ungarn, Tschechien und der Slowakei eine lange Tradition und in Österreich erst zuletzt wieder eine Renaissance erlebt hat: Ein Thermalbad bauen und mit warmem Wasser Geschäfte machen. Geht alles nach Plan, wird in Temeschwar in spätestens zwei Jahren die erste Therme Rumäniens aufsperren.

"Dahinter steht die Familie Olariu, die in Temeschwar ein Grundstück hat, wo schon vor 40 Jahren bei Bohrungen 47 Grad warmes, eisenhaltiges Wasser gefunden wurde" , sagte der Geschäftsführer der Consultingfirma M27, Emil Weber, dem STANDARD. "Als Betreiber der Therme wurde die Falkensteiner-Gruppe bestimmt; nun müssen noch Investoren gefunden werden."

Die Gesamtkosten für das Projekt, das durch ein 150-Betten Hotel der Vier-Stern-Kategorie abgerundet werden soll, belaufen sich nach derzeitigen Berechnungen auf 40 bis 60 Millionen Euro.

Geldquelle gesucht

Die Investorensuche, mit der M27 betraut ist, erstreckt sich auf Österreich, Deutschland, Schweiz. "In Großbritannien oder Spanien ist es derzeit nahezu aussichtslos, Geld für neue Projekte aufzutreiben; der Immobilienmarkt liegt am Boden," sagte Weber. Auch Italien böte sich als Geldquelle an, zumal das Land historisch und sprachlich ein Naheverhältnis zu Rumänien habe. Da helfe es, Falkensteiner mit an Bord zu haben, die aus Südtirol kommen und nach wie vor mit italienischen Finanzkreisen gut vernetzt seien.

Olearu, auf dessen Grundstück die Therme mit Saunalandschaft, Gastronomie und angeschlossenem Hotel entstehen soll, hat selbst eine Baufirma, beschäftigt rund 600 Mitarbeiter und hat unter anderem beim Bau des Ennshafens mitgearbeitet. Vor 20 Jahren, als der Aufstand gegen das Regime von Nicolae Ceaucescu in Temeschwar seinen Ausgang nahm, stand er an vorderster Front der Aufständischen.

Großes Einzugsgebiet

Das 43.000 m2 große Gelände, auf dem sich derzeit eine Sportanlage mit einem Sommerbad und Fußballplätzen befinden, liegt zwei Kilometer vom Stadtzentrum Temeschwars entfernt. Das Potenzial an Thermenbesuchern sei groß. Temeschwar selbst ist mit 500.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Rumäniens. Im Umkreis von 100 km leben rund zwei Millionen Menschen – soviel wie im Großraum Wien. Nach Wien sind es 450 km. Belgrad, die Hauptstadt Serbiens, liegt nur 150 km von Temeschwar entfernt und kommt allein auf zwei Millionen Einwohner.

Weil es im Land selbst derzeit keine Therme gibt, würden viele Rumänen nach Ungarn ausweichen und teils sogar in die Steiermark oder ins Burgenland fahren, um einen Relaxurlaub zu verbringen. Die Genehmigungen für den Bau und Betrieb von "Aqualand Timisoara" liegen laut Weber am Tisch. Sobald die Finanzierung stehe, könne das Projekt rasch umgesetzt werden. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.12.2009)

  • Temeschwar im Winter. Bis auf Eistanzen und Langlaufen ist das Freizeitangebot überschaubar. Nun gibt es aber Pläne, zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt Rumäniens erste Therme zu bauen.
    foto: standard/urban

    Temeschwar im Winter. Bis auf Eistanzen und Langlaufen ist das Freizeitangebot überschaubar. Nun gibt es aber Pläne, zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt Rumäniens erste Therme zu bauen.

Share if you care.