Cloud Computing: IT verschwindet in der Wolke

Markus Drenckhan, 6. Dezember 2009, 17:34
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    foto: ap photo/boris grdanoski

    Liegt die Zukunft des IT-Outsourcings in der Wolke?

Cloud Computing ist das Modewort, wenn es um die Outsourcing-Zukunft von IT-Leistungen geht

Cloud Computing ist derzeit das Modewort, wenn es um die Outsourcing-Zukunft von IT-Leistungen geht. Wie jedem neuen Technologietrend begegnen viele auch dem IT-Service aus der Wolke derzeit eher noch vorsichtig und skeptisch. Ergebnisse von Studien, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und unklare Begriffe schaffen zusätzliche Verwirrung.

Virtualisierte Server sind nicht mehr zu greifen

Cloud Computing wird oft mit Software-as-a-Service (SaaS) gleichgesetzt. Es beinhaltet aber auch die beiden anderen Bereiche, die sich as-a-Service - also als Dienstleistung - outsourcen lassen: Infrastructure-as-a-Service (IaaS) und Platform-as-a-Service (PaaS). Damit können alle IT-Dienstleistungen eines Unternehmens extern betrieben werden: die Server-Hardware, die Verbindungen ebenso wie die Anwendungen und das Datenmanagement. Cloud Computing heißt es deswegen, weil die Hard- und Softwareressourcen nicht mehr dezidiert einem Kunden zugeordnet werden können, sondern in einem Netzwerk von virtualisierten Servern wie in einer riesigen Wolke verschwinden. Das kann entweder eine Private Cloud sein, die nur dem Unternehmen zur Verfügung steht, oder eine Public Cloud, die sich mehrere Unternehmen teilen. Private und Public Clouds waren auch ein Thema der Gartner Data Center Conference vergangene Woche in Las Vegas. Die Analysten sehen die Trennung der beiden Wolken nur in der Einstiegsphase. In einigen Jahren würden die Dienste in einer Hybrid Cloud verschmelzen.

Von der Vielfalt der Studien und Statistiken

Die unklare Abgrenzung der Begriffe führt auch zu Umfrageergebnissen, die stark voneinander abweichen. Das Analyse- und Beratungsunternehmen IDC stellte in einer Umfrage fest, dass sich drei Viertel aller IT-Verantwortlichen in Deutschland noch nicht mit diesem Thema beschäftigt hätten. Das Thema sei weder ein aktueller Hype noch eine kommender Umbruch der bestehenden Systeme.

Ganz anders bewertet Dr. Mathias Weber, Bereichsleiter IT-Services beim deutschen Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), die Situation: „Cloud Computing stellt aus technologischer Sicht das Resultat einer Evolution dar, aber für das Business besitzt diese neue Sourcing-Option die Sprengkraft einer Revolution." Derzeit würden bereits Umsätze im zweistelligen Milliardenbereich mit Cloud Computing erzielt. In den nächsten Jahren sei mit Wachstumsraten über 30 Prozent zu rechnen. Ähnlich euphorische Ergebnisse liefert eine Studie von F5 Networks. Über die Hälfte der befragten Unternehmen in den USA würden demnach Cloud Computing bereits einsetzen. Insgesamt beschäftigten sich mehr als 80 Prozent aktiv mit dem Thema. Die befragten Unternehmen hatten allerdings über 2.500 Mitarbeiter. Firmen dieser Größe - das zeigte auch die IDC-Studie - weisen eine signifikant größere Verbreitung von Cloud Computing auf als KMU.

Als roter Faden zieht sich durch die verschiedenen Studien, dass die meisten IT-Verantwortlichen dem Cloud Computing zwar ein großes Potenzial als zukünftige Lösung einräumen, derzeit überwiegt allerdings die Skepsis. In der Diskussion um Cloud Computing geht es vor allem um mangelnde Praxistauglichkeit, die Schnittstellen zu bestehenden Systemen und die Erfüllung von Compliance-Richtlinien sowie Datenschutzanforderungen.

Software als Dienstleistung

Software nicht mehr lokal auf jedem Rechner im Unternehmen installieren zu müssen, hat auf den ersten Blick einige Vorteile: Mit einem Thin Client kann der Mitarbeiter sowohl vom Büro als auch von zu Hause oder unterwegs auf die Anwendungen zugreifen. Einer BITKOM-Umfrage zufolge, ist die weitreichende Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten und breitbandigen drahtlosen Netzverbindungen ein erheblicher Motor für die Einführung von Cloud Computing: Mobilität, für die bisher überwiegend stationär genutzten Anwendungen.
Gleichzeitig ist ein Unternehmen in der Lage, den Pool von Software-Lizenzen flexibel zu gestalten. Lizenzen werden nicht mehr gekauft, sondern gemietet oder geleast und können je nach Bedarf angepasst werden. Dienste sind nur noch dann zu bezahlen, wenn Sie abgerufen werden.

Dreifache Sicherheitsanforderungen

Zwar verlassen auch beim Hardware-Outsourcing die Daten den direkten Einflussbereich der internen IT-Abteilung. Dennoch bedeutet Cloud Computing für viele Unternehmen einen zusätzlichen Schritt in die Unsicherheit. Die Ausfälle der letzten Zeit bei Amazon, Google oder dem Microsoft/Danger Sidekick-Service zeigen, dass die Entwicklung noch am Anfang steht und einiges noch reifen muss.

Für alle drei Ebenen des Cloud Computing gibt es unterschiedliche Sicherheitsanforderungen. Für das Hardware-Outsourcing spielt der Speicherort, also das Land, in dem die Daten gespeichert werden, eine Rolle, um gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Auf Plattform-Ebene muss der administrative Zugriffsschutz gewährleistet sein; die Mitarbeiter des Dienstleisters dürfen nur klar reglementierten Zugriff haben und die verschiedenen Kundenbereiche - besonders in Public Clouds - müssen klar voneinander getrennt sein. Die Verwaltung der Anwenderzugriffe und die Datenverarbeitung ist für den Softwarebereich eine der größten Sicherheitsfragen.

Eine generelle Gefahr ist die Verfügbarkeit und die Datensicherheit im Katastrophenfall. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Zerstörung eines Rechenzentrums. Der Ernstfall kann schon dann eintreten, wenn der Outsourcing-Partner Insolvenz anmeldet oder ein Anbieterwechsel ansteht. Dann ist es vorteilhaft, wenn sich die verwendeten Programme und Dateiformate am Standard orientieren, damit die Datenmigration zu einem neuen Anbieter zumindest technisch keine Probleme verursacht.

Aufbruch ins Cloud Computing

Tom Bittman, Analyst bei Gartner, rät zu einem dreistufigen Einstieg. Zunächst sollten die IT-Verantwortlichen die Möglichkeiten des Cloud Computings ausprobieren. In einem zweiten Schritt sollte eine Strategieplanung für Dienstleistungen stattfinden, die auch zusätzliche Möglichkeiten für das Unternehmen durch die neuen Technologien beinhaltet. An dritter Stelle steht dann der Aufbau einer dynamischen Cloud Computing-Organisation. Den Aufwand dafür schätzt Bitmann allerdings als so groß ein, dass ihn kleinere Firmen sich nicht effizient leisten können.

Unternehmen, die in Richtung Cloud Computing unterwegs sind, reisen in guter Gesellschaft: Die US-Regierung unter Barrack Obama hat ein langfristiges Projekt für die IT-Infrastruktur der Behörden und Ministerien des Landes ins Leben gerufen. Vom nächsten Jahr an beginnt die Umstellung vieler Bereiche auf Cloud Computing. (Markus Drenckhan, derStandard.at, 6.12. 2009)

Kommentar posten
20 Postings
Nikopol
00
7.12.2009, 16:41
selten so einen unsinn gelesen...

Marketing is ja nett, aber muss es denn so aussehen ?
Real gibts ein paar grosse Konzerne die das auf eigener Infrastruktur schon lange so machen, warum auch nicht da ist ja auch alles (sic) unter Kontrolle.

Problem ist nur dass es sich fuer den Mittelstaendler so schlicht nicht rechnet und das Auslagern ein zu hohes Risiko (Sicherheit/Verfuegbarkeit) darstellt.
Die verfallen schon beim Vorschlag eines neuen Servers in dumpfes Brueten.

Ein spaetes Sommerloch ?
jst my 2cnts...

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
01
7.12.2009, 15:47
cloud computing ist das neue modewort

für terminal server.
jetzt ist es halt ein verteilter terminal server.

hat sich schon 2* nicht durchgesetzt.
(als teletype-terminal und als rdp)
also wird sich could computing auch nicht durchsetzen.

es wird genau an den gleichen problemen scheitern, wie damals terminals und rdp...

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
01
7.12.2009, 15:39
nachteile

industrie spionage leicht gemacht.
man muss nur dem im rechenzentrum sitzenden notfall-operator genug geld geben und schin weiss man über beliebige firmen beliebig viel...

ausfall:
was wenn mal das internet einer firma ausfällt?
keine arbeit bis es wieder geht?
naja... wird wohl eher was für KMUs werden.
die großen werden ihr geld weiter in ihre eigenen firmeninternen server investieren...

Edgar Holleis
01
7.12.2009, 13:49
Die Nachteile: Serviceausfall von schule.at

Die Nachteile von "Cloudsourcing" erleben die Österreichischen Schul-Portale schule.at und eduhi.at gerade am eingenen Leib. Das neue, seit Oktober in Zusammenarbeit mit Microsoft betriebene Email-Service ist derzeit den 8 Tag in Folge nicht verfügbar. Trotz "Rund-um-die-Uhr-Einsatz", "ständigen Kontakt mit hochkarätigen Experten von Microsoft", etc. Nachzulesen unter http://schule.at/index.php?url=news

Blick Winkel
03
7.12.2009, 13:26
Aus sicherheitstechnischer Sicht wird

das schnell zum Super GAU. Man braucht nur Abwarten bis der erste Big Player mit Cloud Computing ganz fest auf die Nase fällt. Das wird ein fester Kracher werden, der alles bisherige in den Schatten stellt.

Cloud im Sinne einer undurchsichtigen Wolke ist ein Irrsinn in Bezug auf Datensichherheit. Das ist ein Blindflug durchs Gebirge.

sverkersson
20
7.12.2009, 12:15
Cloud Computing

ist ja nur eine wiederholung der "industrial revolution" der 18. und 19. jahrhunderten! nur dass jetzt anstatt die maschine den menschen zu ersetzen, werden maschinen selber von anderen maschinen ersetzt!
jetzt die frage ist; wird das mehr oder weniger arbeitsplätze für system ingeneuren schaffen?

KTHXBYE
07
7.12.2009, 11:29
"IT verschwindet in der Wolke"

Genauer: In einer Wolke aus Marketingblabla.

Meklon von Andromeda
 
03
7.12.2009, 11:05

Schon schön, wenn man ohne Anbindung ans Netz rein garnichts mit dem heimischen Rechner anfangen kann.

Ausfälle, Datenverluste oder Informationsmissbrauch treffen dann wesentlich effizienter als derzeit. Herzlichen Glückwunsch!

Zeit, um zu Papier und Bleistift zurück zu kehren und das eigene Hirn besser zu nützen.

(Sag ich mal als Informatiker.)

X0 Phia
10
7.12.2009, 07:18
Daten aus dem Web - neueste Software dazu - fertig ist die Wolke?

Wir haben eine Software am Prüfstand, die dieses Cloudcomputing akzeptabel macht, weil Sicherheit und Transfertempo vervielfacht wird.

Für Cloudcomputing braucht es, wichtigst, eine undecodierbare Verschlüsselung.

Danach wird höchste Transfergeschwindigkeit benötigt, die immer verfügbar ist ohne viel zu kosten.

Eine geniale Idee macht es möglich, Entropie aus der Lehre der Informatik zu werfen und beliebige Datenvolumina in einen Counter zu stecken.

Info kostet zumindest ein Bit - ist nicht wahr!

Einseifer
10
7.12.2009, 10:28
Das gibt Hoffnung auf Briefgeheimnis und Privatsphäre!

Verstehe daß ein neues Verfahren nicht publiziert wird bevor es marktreif und geschützt ist.

Wie jedoch Volumeneinsparung erzielt wird, wenn das totale Chaos keine Ordnung mehr erkennen läßt macht mich neugierig.

Viel Glück und gerne würde ich mitarbeiten.

Charlie Brown
01
7.12.2009, 13:21

"Wie jedoch Volumeneinsparung erzielt wird, wenn das totale Chaos keine Ordnung mehr erkennen läßt macht mich neugierig."

Mich eher nicht - das klingt für mich mehr nach "Ich habe ein Perpetuum Mobile entworfen, das funktioniert.".

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
00
7.12.2009, 15:43
die informatik ist ein perpetuum mobile!

1) ignoriere effizienz diener software, es gibt genug rechenkraft/ram.
2) rüste den rechner nach, der die rechenpower ist zu schwach/zu wenig ram.

wiederhole endlos.

Charlie Brown
00
7.12.2009, 09:40

"Eine geniale Idee macht es möglich, Entropie aus der Lehre der Informatik zu werfen und beliebige Datenvolumina in einen Counter zu stecken.

Info kostet zumindest ein Bit - ist nicht wahr!"

Das klingt nach dem uralten ultimativen Pack-Algorithmus, oder anders: was genau willst du sagen?

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
00
7.12.2009, 15:45
dass man verschlüsselte informationen beliebig klein machen kann.

wenn von einigen MBs nur mehr einige bit übrig sind, ist die verschlüsselung perfekt: NIEMAND auf der welt wird sie je knacken können. ;)

Der Unbekannte
00
7.12.2009, 04:51
Das hat wieder

wer ein pervertiertes Modewort erfunden. Externe Storageprovider kann es nur geben, wenn die Anbindung auch dementsprechend gut ist. Und da kann man das Iphone etc. wohl nicht verwenden. RDP etc. sind wohl so schnell nicht elegant am Handheld (kein Ahndstaubsauger) laufen.

so go
10
7.12.2009, 00:07
cloud computing is the future and VMware will arise!

dabei handelt es sich nicht um eine idee die vielleicht realisiert wird; sondern um eine entwicklung die ganz sicher statt finden wird!
selbst einige der treuesten MS partner "mussten" bereits der "VMware global alliance" beitreten.
siehe: http://www.vmware.com/de/partne... ances/oem/
was den ausfall von amazon angeht, so ist vermutlich deren cloud system ec2 gemeint; dass sich ebensowenig mit vSphere messen kann wie cisco's bzw. microsofts wolkenlösung.
microsoft und google steigen- ebenso wie die IT-verantwortlichen- ganz bewusst auf die bremse und prangern die technologie deshalb als unausgereift an; damit sie noch wettbewerbsfähige produkte entwickeln können und das tun sowohl google als auch ms mit volldampf!
kauft vmware aktien!

Cepheus
02
7.12.2009, 08:42

VMWare wird zwischen MS und Google zerdrückt werden. Zumindest im Cloud Computing Markt. Die haben ja nicht mal Serverfarmen.

Maggot Brain
00
10.12.2009, 14:53

na gott sei dank haben die keine Serverfarmen. Die Margen auf Lizenzen, Wartung und Consulting sind viel höher.

Johann Schmidt
00
6.12.2009, 21:38
WoW

...die meisten IT-Verantwortlichen dem Cloud Computing zwar ein großes Potenzial als zukünftige Lösung einräumen, derzeit überwiegt allerdings die Skepsis...

...IDC stellte in einer Umfrage fest, dass sich drei Viertel aller IT-Verantwortlichen in Deutschland noch nicht mit diesem Thema beschäftigt hätten...

Da kann ich durchaus skeptisch Potential einräumen.

Woodpecker
00
7.12.2009, 08:27
WoW als Beispiel für Datenauslagerung

World of Warcraft .... da liegen die Benutzerdaten ja schon auf den Servern, nur das Frontend (das ist aber eher thick) läuft auf dem Client-Computer :)
Wenn nicht alle Client-Rechner im Unternehmen (jedenfalls ein Core) mit dem Virenscanner beschäftigt wären, hätten all diese vernetzten Thick-Clients ziemliches Potenzial für verteilte Datenverarbeitung und -speicherung, auch ohne daß Daten das Unternehmen verlassen müßten. Ich denk da an In-House-Wuala und boinc-Cluster.

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