Servus Markus Babbel

6. Dezember 2009, 13:50
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Der VfB Stuttgart hat sich von Trainer Markus Babel getrennt - Nachfolger ist der Schweizer Christian Gross

Stuttgart - Markus Babbel muss gehen, Christian Gross kommt: Der VfB Stuttgart hat am Sonntag die Konsequenz aus dem bitteren 1:1 gegen den VfL Bochum und der wochenlangen Talfahrt in der deutschen Fußball-Bundesliga gezogen und seinen Trainer gewechselt. "Ich freue mich, hier zu sein und will mit der Mannschaft auf die Siegerstraße zurück", sagte Gross bei seiner Vorstellung. Der Schweizer unterschrieb bis Juni 2011 und leitete am Abend bereits das Training.

Mit Blick auf das anstehende Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni und nach den verheerenden Eindrücken rund um das Bochum-Spiel sah sich der Vorstand zum Handeln gezwungen. Vor und nach der Partie war es um das Stadion zu tumultartigen Szenen gekommen. Aufgebrachte Fans hatten Mannschaft, Trainer und Vorstand beschimpft. Der VfB ist mittlerweile seit acht Ligaspielen ohne Sieg. "Der Samstag hat uns den Rest gegeben", begründete Manager Horst Heldt den Wechsel. "Wir haben schon wieder mit ansehen müssen, dass die Mannschaft ihr Potenzial nicht abruft."

Der 55-jährige Gross soll das nun ändern. "Meine Hauptaufgabe bis Weihnachten wird sein, alles aus ihnen herauszuholen und die Fans happy zu machen. Ich bin überzeugt, dass wir aus dieser schlechten Situation herauskommen", meinte der ehemalige Profi des VfL Bochum, der bis Juni beim FC Basel gearbeitet hatte.

Vorgänger Babbel zeigte Verständnis für seine Freistellung. "Ich weiß, dass ein Schlussstrich gezogen wird, wenn die Ergebnisse ausbleiben", sagte der 37-Jährige. Babbel hatte die Schwaben am 23. November 2008 als Nachfolger von Armin Veh übernommen. In der vergangenen Saison führte er sie noch von Rang elf in die Champions League. In den letzten Monaten konnte er den Absturz auf den 16. Platz jedoch nicht stoppen.

Nach seiner Ablösung übte Babbel aber scharfe Kritik an den VfB-Fans und dem Profigeschäft. "So etwas wie am Samstag habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt", sagte er. Vier Wochen nach der Tragödie um Robert Enke verrate das, "dass die Fans und die gesamte Fußballszene daraus nichts gelernt haben". Nach dem Selbstmord des Nationaltorwarts hätten sich "viele zu Wort gemeldet. Doch die Ereignisse vom Samstag zeigen mir: Das ist alles Heuchelei. Jeder versucht nur seine Plattform zu nutzen, um sich darzustellen".

Anhänger des VfB hatten vor dem Spiel gegen den VfL Bochum (1:1) versucht, den Mannschaftsbus an der Einfahrt ins Stadion zu hindern. Nach dem Abpfiff kam es zu Tumulten, als rund 3.000 Fans das Verwaltungsgebäude des Vereins belagerten. "Selbst sogenannte Fußball-Millionäre haben es nicht verdient, dass man ihnen Mord-Gesten und Hass entgegenbringt", sagte Babbel. Er warf den Fans vor, die Mannschaft verunsichert zu haben und so "mit Schuld" zu sein an dem aus Stuttgarter Sicht enttäuschenden Ausgang des Spiels.  (APA/dpa)

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    Markus Babbel sagt in Stuttgart leise Servus.

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    Samstag-Abend nach dem 1:1 gegen Bochum belagerten aufgebrachte Fans das Vereinsheim des VfB Stuttgart. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein um der Lage Herr zu werden, es gab mehrere Verletzte.

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