Hoffnungen auf Durchbruch in Kopenhagen

6. Dezember 2009, 19:06
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Am Montag beginnt 12-tägiger Gipfel - China und Indien nennen erstmals konkrete Ziele zur Reduktion ihrer Treibhausgase

Kopenhagen/Wien - Das Eingreifen von US-Präsident Barack Obama in der entscheidenden Phase des heute beginnenden Weltklimagipfels in Kopenhagen hat Hoffnungen auf einen Durchbruch genährt. "Das ist ein eindeutiges Signal, dass Obama den Erfolg will", sagte der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen. Zur Schlussphase der Konferenz ab 17. Dezember werden mehr als 100 Regierungschefs erwartet. Erich Sixt vom Mietwagenkonzern Sixt, appelliert im STANDARD-Interview, das Auto nicht zu verteufeln. Das Problem beim CO2 seien die Entwicklungsländer.

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Washington/Kopenhagen/Berlin - Die Welt blickt auf Kopenhagen. Dort beginnt heute ein zwölftägiger Klimagipfel, bei dem ein weitreichendes Abkommen im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe vereinbart werden soll. US-Präsident Barack Obama kündigte an, doch noch zur entscheidenden Schlussphase der Konferenz am 18. Dezember in die dänische Hauptstadt zu reisen - und weckte damit neue Hoffnungen auf einen Durchbruch. Das Ringen um eine Begrenzung der globalen Erderwärmung gilt als Jahrhundertaufgabe. Hunderte Millionen Menschen wären betroffen, und Städte wie Venedig oder ganze Inselstaaten wie die Malediven drohen in den Fluten zu versinken.

Es gebe Fortschritte hin zu einem Abkommen, "das alle Themen, die derzeit verhandelt werden, umfasst", teilte das Weiße Haus nun zur Begründung für die geänderten Reisepläne mit. Obama habe wegen der Klimakonferenz in den vergangenen Tagen mit mehreren europäischen Spitzenpolitikern telefoniert, darunter die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy.

China und Indien nennen konkrete Ziele

Obama gründe seine Zuversicht unter anderem auf China und Indien, die kürzlich erstmals konkrete Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgase genannt hatten. Außerdem gebe es Anzeichen für einen Konsens, vom Jahr 2012 an rund zehn Milliarden Dollar (6,64 Mrd. Euro) jährlich aufzubringen, um Entwicklungsländern bei der Reduzierung der Treibhausgase zu helfen.

Der dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen sagte, er sei "aufrichtig erfreut". Dass Obama zu den Abschlussverhandlungen komme, zeige "den zunehmenden politischen Willen für ein ehrgeiziges Abkommen in Kopenhagen".

"Historisches Weltklimaabkommen"

"Damit sind alle Voraussetzungen für ein historisches Weltklimaabkommen gegeben", sagte Klimaexperte Martin Kaiser von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in der dänischen Hauptstadt. Ausdrücklich lobte Greenpeace auch Merkel: "Das persönliche Engagement der Bundeskanzlerin gegenüber Obama hat sich ausgezahlt." Nun seien die Chefs der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß alle an Bord. Die USA und China haben weltweit die höchsten CO2- Emissionen, sind im Vergleich zu EU-Staaten aber nur zu wesentlich geringeren Verminderungen bereit.

"Kopenhagen kann ohne China kein Erfolg sein", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle am Sonntag zu Beginn eines zweitägigen Besuchs in Peking. Die chinesische Regierung will rechtlich bindende Klimaschutzziele in Kopenhagen nicht unterschreiben. Peking kündigte aber kürzlich an, dass das bevölkerungsreichste Land der Erde seinen hohen Energieverbrauch gemessen an der Wirtschaftsleistung reduzieren will.

Abkommen kann Erwärmung nicht stoppen

Ob ein Klimaabkommen die globale Erwärmung wirklich stoppen kann, ist allerdings fraglich. Auch mit den aktuellen Klimaschutzzielen der einzelnen Länder steuert die Welt nach Angaben von Experten auf eine katastrophale Erwärmung um 3,5 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts zu.

Aus Brüssel fuhr ein "Klimaexpress" mit mehr als 400 Aktivisten, Politikern und Experten wie dem Vizepräsidenten des UN-Klimarats IPCC, Jean-Pascal Van Yperzele, an Bord in die dänische Hauptstadt. Der Hochgeschwindigkeitszug war Samstagfrüh in Brüssel gestartet und hatte Stopps in Köln und Hamburg eingelegt.

Die britische Regierung verurteilte indessen Störfeuer gegen die Kopenhagener Konferenz. Vor Beginn des Gipfels waren Hunderte E-Mails eines renommierten britischen Forschungszentrums an die Öffentlichkeit gelangt. Die Klimaforscher der Universität East Anglia sollen darin Datenmanipulation zugegeben haben. Ihre Zahlen bilden eine Grundlage für die Beratungen in Kopenhagen. (APA)

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    Verschiedene Globen sind Teile einer Installation im Zentrum Kopenhagens.

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    Windkraftwerke in Taiwan.

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