Ein Hut ist schöner als ein Helm

Guido Gluschitsch, 6. Dezember 2009, 16:42
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    Modell Tokyo, Pin Stripe.

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    Modell Tokyo, Pink Jazz.

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    Modell Tokyo, Leaves.

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    Modell Paris, Harringbone.

Fahrradhelme sind nicht schön. Hüte hingegen haben etwas Besonderes. Ein dänischer Hersteller kombiniert nun Flair und Sicherheit

Fahrradhelme sind ja nicht deswegen so viel diskutiert, weil sie so immens praktisch sind, Sekundenbruchteile bevor man sich mit Kieselsteinen einen Scheitel zieht. Die Fahrradhelme sind so umstritten, weil sie einfach popsch aussehen. Psychedelische Farben verzieren eine Form, die aussieht, als hätte man ein überdimensionales Huhn zwischen den Mundwinkeln zersägt und sich das Ding dann verkehrt aufgesetzt.

So ein sportlicher Fahrradhelm passt so super zu einem Designer-Anzug wie ein Kuhfänger zu einem Aston Martin. So ein hübscher bunter Fahrradhelm passt zu einer lässigen Jeans und einem T-Shirt wie ein Schwimmreifen zur Badehose am 10-Meter-Turm. Auch die Business-Dame von Welt hat keine rechte Freud mit so einem Plastik-Deckel und zieht sich lieber zum Schönell-Fetzerl ein Diskonter-Sackerl über die Dauerwelle.

Hutmode aus Dänemark
Der dänische Hersteller Yakkay hat das Problem erkannt. Die meiste Zeit hat man seinen Fahrradhelm zum Glück ja nur auf, um entstellt zu werden. Nur Menschen mit einer unbändigen Naturlocke nutzen den Helm, um am Weg ins Büro damit die Kopfborsten zu bändigen. Darum: Ein Helm, der ein bisserl weniger nach Fahrradhelm aussieht und trotzdem genauso gut schützt, müsste ein Knüller sein.

Hüte sind eh grad ziemlich modern. Brad Pitt hat oft einen auf, die Themsen-Liesl sowieso, Humphrey Bogart würde noch einen tragen, Udo Lindenberg hat einen Hut auf, Indiana Jones, Lucky Luke und Crocodile Dundee tragen Hut, Roger Cicero, Marianne Rosenberg, Pete Doherty, Rihanna und Peter Fox kennt man mit Hut, außerdem die Blues Brothers, Al Capone, Victoria Beckham und Sherlock Holmes. Terence Hill und Bud Spencer ab und an - ach ja, und Niki Lauda allerweil.

Drei Größen, viele Covers
Grund genug für Yakkay, einen Fahrradhelm im Hut-Design zu bauen. Basis des Konzepts ist ein einfacher Fahrradhelm, den es in den drei Größen Small (53 - 55 cm), Medium (55 - 57 cm) und Large (57 - 59 cm) gibt und den man mit einzelnen selbstklebenden Schaumstoffpolstern genau anpasst. Der Helm entspricht dem CE-Standard. Damit der Helm zum Hut wird, spannt man eines der Covers über: Luzern ist eine Art Fellmütze, Cambridge eine Schirmkappe, Paris ist Cambridge ähnlich, aber ganz anders, und Tokyo schaut aus wie einer der Hüte, die man im Baumarkt geschenkt bekommt und die dann die Freunde meines Schwiegervaters beim Fischen in der Sonne abschießen lassen.

Die Covers gibt es in verschiedenen Farben, und sie können einfach gewechselt werden, je nachdem, in welchen Zwirn man sich gerade geworfen hat. Für kalte Wintertage gibt es auch Ohrschützer, die zwischen den Kinngurten befestigt werden.

Damit ist der Helm weniger Helm als viel mehr schmucke Kopfbedeckung, wenn auch in XXL. Aber früher trugen wir auch Kleidungsstücke, die mindestens zwei Nummern zu groß waren und fühlten uns total lässig. Bei einem Sturz schützten die uns aber nicht. Im Gegenteil, manche sind sogar über die weiten Fetzen gestolpert. Spannend wird es, wenn es für den Yakkay ein Fahrrad-Helm-Cover gibt, das aussieht wie ein verkehrter Hühnerschädel, der in grauslichen Farben gestrichen ist. Den Grundhelm gibt es um 65 Euro bei Ciclopia in der Stiegengasse in Wien 6, die Covers kosten zwischen 35 und 65 Euro. (Guido Gluschitsch)

Informationen: Yakkay

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17 Postings
HomerJ
00
11.12.2009, 14:52

Chapeau für die ersten beiden Absätze- wahre Zeitungspoesie.

heute ist fast morgen
10
9.12.2009, 03:12
Viele behelmte Radlfahrer in Wien

benehmen sich sowieso schon wie Hutfahrer.

Wenigstens zerkratzen die weichen Helme nicht mehr den Lack, wenn die PraktikanntInnen einem in einer Ring-Nebenfahrbahn gegen die Einbahn um die Kurve schießend entgegenkommen.

global_citizen
06
7.12.2009, 11:09
Helmtarnung: Sicherheitsvorteil

Laut einer deutschen Studie überholen Autofahrer
behelmte Radfahrer mit deutlich geringerem
Sicherheitsabstand (nach dem Motto: der hat
ja einen Helm auf ...) daher ergibt die
Tarnung einen Sicherheitsvorteil, außerdem
noch der Hut-Effekt: Mein Fahrschullehrer sagte
immer: Pass auf der hat einen Hut auf (Hinweis
auf besondere Unfähigkeit).

Jene Grüne Straßenkatze
01
7.12.2009, 10:38
...

Wiedermal ein Genuss zu lesen. Insbesondere über die Etablierung von "popsch" habe ich mich gefreut.

Was den Helm betrifft, ist die Frage mit dem Aussehen an sich eher schon gelöst - die Zeiten, wo es Sportbekleidung in Österreich nur in gestörten Mustern aus Neonfarben gab, sind vorbei, auch dezente und stilvolle Helme ohne Riesenlogos gibt es in jedem besseren Radgeschäft (Radhaus Singer, Ciclopia...).

Aber die Hauptprobleme bleiben: Einerseits ist die Frage, wo man das Ding hingibt, wenn man es gerade nicht trägt, aber auch nicht zuhause ist, ungelöst; andererseits ist der reale Sicherheitsgewinn v.a. in der Stadt zweifelhaft - man fällt nun mal fast überall drauf, aber nur selten auf den Kopf.

Naja, die Idee ist trotzdem niedlich.

Der Freund Deiner Frau
00
7.12.2009, 15:08
"Popsch" - Etablierung


Sagt man das jetzt in Wien? Wo? In Hietzing? Im 7.?

Mir graut.

PS. Ich waer ja ein Bobo (wenn diese Kultur nicht SOLCHE Blueten triebe).

rorschach
00
25.1.2010, 16:08
popsch hat man schon immer gesagt?

natürlich kann man auch oasch sagen? popsch und oasch, zwei österreichische wörter für das "Hinterteil" oder anders gesagt popsch ist so bobo wie oasch prolo ist - alles klar?

TheNepomuk
00
7.12.2009, 11:55

Es stimmt schon, dass man eher woandershin fällt als auf den Kopf. Aber wenn man auf den Kopf fällt hat man gleich ein richtiges Problem...

Ein Hand- Bein- oder Rippenbruch ist lächerlich in der Relation zu einem Schädelbasisbruch.

Bin aber auch nach wie vor ohne-helm-fahrer mit schlechtem gewissen.

gxe10sc
10
7.12.2009, 10:24

fahrradhelm ja oder nein - die frage stellt man sich nimmer wenn man mal kopfüber den semmering runtergekugelt ist.

(ok, da nutzen diese lustigen teile auch nimmer viel)

Feldschwirl
00
7.12.2009, 16:14
den ganzen

semmering?

Gluck
00
20.12.2009, 21:44

Wennst über ein Feld schwirrlst, dann reichts schon!

gxe10sc
00
7.12.2009, 21:31

ein paar meter reichen

Beatrix Kiddo
01
7.12.2009, 09:38

ist jetzt die frage, was bescheuerter ausschaut, ein fahrradhelm als solcher bei dem man wenigstens erkennt das es sich um einen helm handelt oder ein völlig überdimensionalisiertes käppi, wo man ausschaut als hätt man keinen spiegel daheim :-)

jeffk
00
7.12.2009, 08:40

das mit dem schwimmreifen am 10er zeigens mir bitte

maxbz
00
6.12.2009, 23:36
Den ersten Abschnitt merke ich mir für die nächste Helmdiskussion!

Klasse ;-)


linx
02
6.12.2009, 22:51
ned ...

... amal gschenckt!
auf mein lockerl kommt kein helmerl!
so schauz aus.

TheNepomuk
03
6.12.2009, 22:36
Prinzipiell interessant, aber...

...ich hab mir die schon vor ein paar Wochen mal angeschaut und hab leider feststellen müssen, dass die Hüte derart riesig sind, dass man erst wieder völlig bescheuert aussieht damit.

Außerdem sind sie schlecht bzw gar nicht belüftet, was im Sommer vermutlich unangenehme Konsequenzen haben könnte.

Lukas Chen
00
7.12.2009, 15:02
Kein Proplem, dass es nicht belueftet

Baumwolle, oder reine Wolle ist gut beluefteter Bezugstoff fuer diese Helmehuete.

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