Präsident mit 63 Prozent laut Prognosen klar im Amt bestätigt - Endgültiges Ergebnis erst am Dienstag Mit Video
La Paz - In Bolivien ist Amtsinhaber Evo
Morales (50) bei der ersten Präsidentenwahl unter der neuen
Verfassung am Sonntag mit überragender Mehrheit im Amt bestätigt
worden. Für den linksgerichteten Indio- Präsidenten stimmten nach
inoffiziellen Prognosen zwischen 62 und 63 Prozent. Das waren fast
zehn Prozentpunkte mehr als bei seiner ersten Wahl 2005. Sein
schärfster Widersacher, der konservative frühere Militär Manfred
Reyes Villas kam nach Angaben der Umfrageinstitute Ipsos und Equipos
Mori demnach nur auf 23-24 Prozent.
Ob es Morales mit seiner Bewegung zum Sozialismus (MAS) auch
gelang, im Senat eine Zweidrittel-Mehrheit zu erringen und damit die
kommenden fünf Jahre ungehindert von der Opposition zu regieren, war
zunächst nicht klar. Die konservative Opposition hatte ihm gerade im
Senat während der ersten vier Amtsjahre das Leben schwer gemacht.
Offizielle Ergebnisse der Präsidenten- und Parlamentswahl wird es frühestens ab
Dienstag geben, teilte die Nationale Wahlkommission am Montag
unter Hinweis auf technische Probleme mit. Morales erklärte sich schon in der Nacht auf Montag zum Sieger. Er kündigte
eine Beschleunigung und Vertiefung seiner in der ersten Amtsperiode
begonnenen linksgerichteten Reformen an.
Wiederwahl möglich
"Wie jeder Bürger erfülle ich meine Pflicht, an der Wahl
teilzunehmen und so die Revolution in Bolivien zu stärken und zu
vertiefen", hatte er bei der Stimmabgabe in der Provinz Cochabamba
gesagt. Dann überraschte er das Land mit der Ankündigung, er wolle
eventuell 2015 ein drittes Mal antreten. Die jetzige Wahl sei ja die
erste unter der neuen Verfassung, die eine Wiederwahl erlaube.
Morales, der dem Volk der Aymara abgehört und dessen erste
Amtszeit von zahlreichen Konflikten begleitet wurde, hatte kurz vor
der Abstimmung betont, sein Reformprojekt sei noch nicht
abgeschlossen. "Ich will für fünf weitere Jahre Präsident sein, um
die Reformen und die industrielle Nutzung unserer Bodenschätze, die
wir 2006 begonnen haben, zu vollenden", sagte er.
Bei ärmerer Bevölkerung populär
Der Verbündete und enge Vertraute des linksgerichteten
venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez betreibt eine Politik, die
nach seinen Worten der seit Jahrhunderten benachteiligten
Indio-Mehrheit mehr Rechte geben soll. Armen Bauern soll zudem zu
Land verholfen werden. Er ist daher vor allem bei der ärmeren
Bevölkerung des Landes populär.
Die Besitzverhältnisse ließ er im Großen und Ganzen jedoch
unangetastet. Allerdings wurden Öl- und Erdgasunternehmen
verstaatlicht, damit die Gewinne aus der Ausbeutung der Bodenschätze
im Land bleiben. Damit verärgerte er auch internationale Investoren.
Neue Verfassung
Morales stellte zudem Bergbau- und Telefonkonzerne unter
staatliche Aufsicht. In seiner zweiten Amtszeit könnte er sich
Zementfirmen, Molkereien, Pharmahersteller und Papierfabriken
vornehmen und die Investitionen in Gasfelder und Staudämme zur
Stromgewinnung aufstocken. Außerdem setzte Morales unter großem
Widerstand der konservativen Opposition eine neue Verfassung durch.
Die Opposition wirft Morales vor, das Land in die Abhängigkeit von
Venezuela geführt zu haben und eine rassistisch gefärbte
kommunistische Diktatur errichten zu wollen. (APA)