Nachlese

Wieder schwere Unruhen in Athen

7. Dezember 2009, 08:00

Am Sonntag jährte sich zum ersten Mal jener Tag, an dem ein Jugendlicher in Athen von der Polizei erschossen wurde - Es gab dutzende Festnahmen, Tausende gingen auf die Straßen

Athen - Bei den Ausschreitungen am Sonntag waren mindestens 30 Menschen verletzt worden. Vermummte zerstörten mehrere Autos und beschädigten die Schaufenster von 26 Geschäften. Insgesamt wurden nach offiziellen Angaben mehr als 300 Personen in Polizeigewahrsam genommen.

Für Montagnachmittag wurde in der griechischen Hauptstadt eine neue Demonstration von Schülern, Studenten und Lehrern angekündigt. Über 10 000 Polizisten sind seit Samstag im Einsatz. Die Demonstrationen kommen ein Jahr nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel. Nach dem Tod des Jungen war Griechenland von einer beispiellosen Welle der Gewalt überzogen worden. (APA/dpa)

***

10.000 Polizisten standen in Athen seit Tagen Gewehr bei Fuß, um vor allem am Sonntag Krawalle wie 2008 zu verhindern. Am 6. Dezember 2008 starb der 15-jährige Schüler Alexandros Grigoropoulos durch die Kugel eines Polizeibeamten. Danach hatte sich spontan der Protest von Tausenden von Jugendlichen erhoben. Geschäfte und Banken gingen in Flammen auf, selbst der Weihnachtsbaum auf dem zentralen Syntagma-Platz wurde "Opfer" des massiven und teilweise gewalttätigen Wutausbruchs gegen das Establishment.

Die angesichts dieses Jahrestags geltende Parole des neuen Ministers zum Schutz der Bürger, Michalis Chryssochoidis, lautete: "null Toleranz" für gewaltbereite Gruppen. Bei zwei zentralen Kundgebungen Sonntagnachmittag kam es zu Auseinandersetzungen zwischen einigen hundert Demonstranten und Sondereinheiten der Polizei. Etwa 60 Personen wurden festgenommen. Insgesamt gingen in Athen und in Thessaloniki mehrere tausend Demonstranten auf die Straße. Am späteren Nachmittag drohte die Situation neuerlich zu eskalieren. Demonstranten warfen Steine und Molotowcocktails, es gab mehrere Verletzte.

Die Sicherheitsbehörden hatten bereits im Vorfeld erfahren, dass das autonome Lager in Griechenland angesichts der geplanten Demos aus dem Ausland verstärkt würde. Im Vorfeld kam es bereits zu mehr als 100, teils vorübergehenden Festnahmen. Sowohl im Stadtzentrum (im Stadtteil Exarchia) als auch im Westen der Metropole (Keratsini) stürmte die Polizei Versammlungsorte von Autonomen. Dabei wurden Schlaghämmer, Gasmasken, hunderte Flaschen zum Bau von Molotowcocktails sowie eine Computerfestplatte sichergestellt.

Nach dem Aufschrei der Jugendlichen vor einem Jahr ist die politische Führung des Landes verstärkt bemüht, Verständnis für die Ängste der jungen Generation an den Tag zu legen.

"Die Probleme werden von der Gewalt verursacht. Wir müssen unsere Institutionen schützen und die Erinnerung an einen Jugendlichen mit einer Botschaft gegen die Gewalt ehren" , betonte der sozialistische Premierminister Georgios Papandreou angesichts der Gedenkveranstaltungen für Alexandros Grigoropoulos. Der Regierungschef hat auch zugesagt, das Bildungsbudget auf fünf Prozent des Gesamthaushalts zu erhöhen.

Staatspräsident Karolos Papoulias wandte sich anlässlich des Jahrestages ebenfalls in einer Botschaft an die Öffentlichkeit: "Die Ermordung von Alexis Grigoropoulos war nicht nur eine verabscheuungswürdige Tat" , heißt es darin. Der Vorfall sei für alle eine Lehre gewesen, wohin Willkür führen könne, betonte das Staatsoberhaupt. Und die Bildungsministerin und ehemalige EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou war bei einem Gedenkgottesdienst für "Alexis" präsent, der Sonntagvormittag stattfand.

Das Misstrauen der jungen Generation gegenüber dem Establishment sitzt jedoch tief. Das bekam Bildungsministerin Anna Diamantopoulou wenige Tage zuvor zu spüren. Im Rahmen einer Web-Debatte lautete die Message der Jugendlichen: "Wir trauen keinem. Die Polizei hat die Aufgabe, uns zu schützen. Letztes Jahr haben wir unser Vertrauen verloren." (Robert Stadler aus Athen/DER STANDARD, Printausgabe, 7.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 317
1 2 3 4 5 6 7
rggre rewqfew
21
7.12.2009, 13:09

man darf also mit gewalt gegen eine gewählte regierung vorgehen, wenn einem die politik nicht gefällt?

gilt das auch für rechte oder nur für linke? dürfen republikaner in den usa auch ganze städte verwüsten, weil sie gegen obamas klimapolitik sind?darf die fpö ein paar tausend pkw in wien abfackeln, weil sie häupl nicht mögen? dürfen konservative in spanien polizisten erschlagen, weil sie gegen die abtreibungspolitik der regierung sind? oder erwarten wir von den rechten respekt, für die demokratischen entscheidungen der wähler?

erschreckend, wie wenig achtung vor andersdenkenden es gibt und wie oberflächlich die grundsetze ser demokratie verankert sind. sobald mir etwas nicht passt, schlag ich los. spitzen-tzpen seid ihr. respekt!

Herr und Frau Österreicher
 
21
7.12.2009, 13:39

Schönes Gebet... Bloß haben sie vergessen zu erwähnen, dass die Gewalt von der Polizei ausging!

rggre rewqfew
11
7.12.2009, 14:36

keine ahnung von wem die gewalt ausging, bin kein experte für griechische innepolitik. ist mir auch egal. mich wundert nur, wie viele menschen in österreich grundsätzlich gewalt gegen demokratische regierungen rechtfertigen und wie gering das demokratische bewusstsein bei vielen menschen ist. das ist alles. finde ich einfach traurig, wie wenig wir hier gelernt haben. wenn mich was stärt, dann hau ich einfach mit gewalt drauf - traurig ist das...

Entropix
00
7.12.2009, 14:09
ah,

sie waren offenbar dabei! Ja, ich erinnere mich, den Sherriff's war halt grad fad, da haben sie dann ihre Köpf' hin gehalten.

egal9
10
7.12.2009, 14:33
Es berichten selbst hiesige Medien...

dass die Eskalation am Freitag Abend mit Razzien begann. Daraufhin gab es dann Auseinandersetzungen.
Ebenso entstehen viele der Festnahmen durch präventive Festnahmen. Also einfach mal die Leute auf dem Weg zur Demo von der Straße fischen... wie es halt in Demokratien und im Iran so üblich ist...

DerGermane
114
7.12.2009, 11:27

Ein Polizist der in Flammen steht und es gibt immer noch Poster, die bei diesen Szenen am liebsten noch heute als morgen diesen Chaoten helfen würden oder ähnliches in Österreich veranstallten...
Geht mal aus euren Kinderzimmern raus und ein bisschen trainieren. Dieser Typ Mensch der vegan lebt uns kaum 60 kg hat, gegen Atomkraft und Massentierhaltung ist, würde weder bei der griechischen noch bei der österreichischen Exekutive weit kommen. Aber sich dann aufregen, wenn man auch selbst mal einen Schlagstock zu spüren bekommt. Heuchlerische Feiglinge sind das. Selbst zu gewalttätigen Mitteln greifen, aber von der Polizei mit Samthandschuhen angefasst werden geht eben nicht

Herr und Frau Österreicher
 
20
7.12.2009, 12:10
sehr geehrter Herr Germane,

Als solcher 80 kg wiegend und 1,80m groß, sich von rohem Fleisch ernährend und hart wie Kruppstahl und gescheit wie Windhund begehen sie doch einen entscheidenden Fehler: Einerseits machen sie die "schwachen Chaoten" verächtlich, andererseits sollen die aber extrem gefährlich. Also was nun?
Das brutale, antidemokratische, feige Vorgehen der griech. Polizei - ob privat Bussibären oder ebenso brutal, sei dahingestellt - ist sattsam bekannt! Wenn da mal einer was abkriegt, darf man sich zumindest nicht wundern. Mit "slawischen" Grüßen...

donaldinho
00
8.12.2009, 17:18
antidemokratisch = autos und anderes fremdes eigentum anzünden,

städte verwüsten, polizisten attackieren, weil einem irgendwas an der politik und der gesellschaft (auf deren kosten man aber doch leben will) nicht passt.

demokratisch wäre es, seinen protest zivilisiert zu formulieren, eine partei zu gründen und zu wahlen anzutreten.

Bulkhead
00
7.12.2009, 08:46
Gewalt nein Danke

Die Gewaltaktionen sind klar zu verurteilen. Zu bedenken ist allerdings, dass die Leute (es waren ja angeblich mehrere tausend) nicht einfach so randalieren. Man sollte die Ursachen ebenso klar bekämpfen wie die Gewaltaktionen.

Jürgen Rembremerding
20
7.12.2009, 08:31
Das alles erinnert mich an große hellenische Kultur:

http://www.youtube.com/watch?v=29OrOMW5wzo

Mr.Portokalos
00
14.12.2009, 19:30
Griechischer Bud Spencer

Ja und, ein gute Kollege von mir re...

Malkaye
47
7.12.2009, 08:28
wenn unrecht zu recht wird, wird widerstand zur pflicht.

donaldinho
40
8.12.2009, 17:20
stellen sie bitte diese

verwirrten jungen leutchen nicht in eine reihe mit unseren ahnen, die es uns erst ermöglicht haben, auf die starße gehen und demonstrieren zu dürfen.

was diese d**backen da machen ist das allerletzte

Entropix
02
7.12.2009, 13:23
und wenn man

Recht nicht von Unrecht unterscheiden kann, wird Dummheit zur Gefahr.

Jürgen Rembremerding
46
7.12.2009, 08:37
Ein Schlag ins Gesicht all derer, die nicht aus pubertärer

Attititüde und wohlstandsgesättigter Langeweile gegen eine parlamentarische Demokratie, sondern unter Einsatz ihres Lebens gegen Diktaturen gekämpft haben!

Malkaye
23
7.12.2009, 08:59
ein geschichtsbuch kann auch ihnen helfen!

viele polizisten sind nach fall der militärdiktatur der tradition halber in faschistischen bünden organisiert.-so auch der todesschütze des 15 jährigen alexandros!

gegen die diktatur unter einsatz ihres lebens haben schon immer - und zwar einzig und allein - die steinewerfer und ihre genossen gekämpft!
würden sie 17. november googlen, hätten wir einen streitpunkt weniger...

Black Adder
24
7.12.2009, 10:39

Und wenn sie einem x-beliebigen Athener das Auto anzünden und die Scheiben eines Geschäftes einschlagen, kämpfen sie gegen das Unrecht ?

Werd erwachsen, google das mal nach.

Der Heimlichgriff
05
7.12.2009, 08:51
Wenn parlamentarische "Demokratien"...

... zu wirtschaftsgesteuerten, korrupten Oligarchien werden, dann fehlt es nicht wenigen am nötigen Verständnis, um das einzusehen.

Black Adder
14
7.12.2009, 10:46

Und wenn mir die Politik der derzeitigen Koalition nicht passt, habe ich die Erlaubnis als Prostest ihr Auto anzuzünden ? Genial !

donaldinho
10
8.12.2009, 17:21
na. der hat ja keines.

deshalb kann er auch so lässig daherreden

Thara
48
7.12.2009, 07:17
Benzinbomben

Jeder der mit Benzinbomben auf Familienväter und -mütter wirft, die als Exekutivbeamten ihren Job machen, muss ernsthaft damit rechnen den Abend gar nicht mehr oder nur schwer verletzt zu erleben.

Das muss man wohl als gewöhnliches "Risiko" von gewalttätigen DemonstrantInnen ansehen.

Für so etwas kann und darf es einfach kein Verständnis geben!

Malkaye
21
7.12.2009, 08:24
sie wissen schon, wessen ermordung dies alles auslöste?

nicht die eines familienvaters, sondern dessen sohns!

AlBundyFan
 
21
7.12.2009, 10:01
ach ja?

und deshalb ist das verletzen udn töten von anderen menschen okay nur weil sie dieselbe uniform anhaben, die der täter damals an hatte?

Malkaye
00
7.12.2009, 17:00
wer wurde seitdem getötet?

das morden durch polizisten hat - nicht nur - in griechenland tradition.

Bernd Senf for Wirtschaftsminister
04
7.12.2009, 02:39

Bei dieser inflationären Verweundung des Begriffs Terrorist wird mir ganz mulmig in der Magengegend. Reiht sich nahtlos in die Schlange anderer Totschlagargumente bei (denn wer will schon auf der Seite von Terroristen sein, das sind doch so Flugzeugattentäter und so was).

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 317
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.