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Alfred Hrdlicka 1928-2009

6. Dezember 2009, 08:54
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    foto: apa/hochmuth

    Alfred Hrdlicka 1928 - 2009

Bildhauer wurde 81 Jahre alt - Krieg, Gewalt und Faschismus im Mittelpunkt seines Werks

Wien - Alfred Hrdlicka, einer der wichtigsten zeitgenössischen Bildhauer, Zeichner und Maler Österreichs, ist tot. Der Künstler starb am Samstag 81-jährig in Wien. Immer wieder hat sich Hrdlicka in seinem Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken umfassenden Werk mit Themen wie Krieg, Gewalt und Faschismus auseinandergesetzt und sich als streitbarer Realist und Kommunist in politischen Debatten zu Wort gemeldet.

Gegen Faschismus und Antisemitismus

Bereits als Kind habe Hrdlicka die Schrecken des Faschismus erlebt, "was zur Folge hatte, dass er sich Zeit seines Lebens gegen Faschismus und Antisemitismus engagierte". Als Lehrer an der Hochschule für angewandte Kunst habe er zahlreichen jungen Künstlerinnen und Künstlern die Faszination der Bildhauerei vermittelt und auch damit einen wichtigen Beitrag zum zeitgenössischen Kunstschaffen geleistet, betonte der Bundespräsident. In Wien sei mit Hrdlickas Mahnmal auf dem Albertinaplatz ein bleibender Gedenkort gegen Krieg und Gewalt geschaffen worden.

Krieg, Gewalt und Faschismus

Immer wieder hat sich Hrdlicka in seinem Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken umfassenden Werk mit Themen wie Krieg, Gewalt und Faschismus auseinandergesetzt und sich als streitbarer Realist und Kommunist in politischen Debatten zu Wort gemeldet. Er galt als sensibler Berserker, bezeichnete sich selbst als "Fossil", "Steinzeitmensch" und "Untergrundmensch" und unterzeichnete Briefe gerne mit "Ultrastalinist".

Hrdlicka soll zwar "Turteltaube" heißen, doch als zahm und sanft erwies sich der Künstler weder in seinen Themen noch in der Wahl seiner Materialien. In Erinnerung ist auch das im Laufe des Präsidentenwahlkampfes 1986 von Hrdlicka kreierte hölzerne "Pferd für Kurt Waldheim".

"Zu Tode geschunden"

Hrdlicka konnte bereits seit einigen Jahren nicht mehr eigenhändig an Skulpturen arbeiten, er habe sich "zu Tode geschunden". Dennoch plante der kontroversielle Bildhauer neue Projekte, etwa ein neues Werk auf dem Albertinaplatz. Dieser Platz in der Wiener Innenstadt ist wohl untrennbar mit dem Namen Hrdlicka verbunden, seit dieser dort sein umstrittenes Denkmal gegen Krieg und Faschismus verwirklicht hat (1988/91).

Die Aufstellung seiner Skulpturen im öffentlichen Raum war allerdings meist von heißen Diskussionen begleitetet: 1963 erregten sich die Gemüter in Salzburg, nachdem sein "Orpheus" für das Kleine Festspielhaus angekauft worden war. 1967 versammelte sich eine "Liga gegen entartete Kunst" zum Protest gegen das in Wien enthüllte "Renner-Denkmal" Hrdlickas. 1970 entstand für ein Evangelisches Gemeindezentrum in Westberlin der "Plötzenseer Totentanz". In Hamburg sorgte sein monumentales "Gegendenkmal" zum Krieger-Ehrenmal für heiße Diskussionen.

Wie sehr der Künstler polarisierte zeigte erst im Vorjahr wieder die Hrdlicka-Ausstellung "Religion, Fleisch und Macht - das Religiöse im Werk von Alfred Hrdlicka" im Wiener Dommuseum, das sich für die Schau Anfeindungen aus aller Welt gefallen lassen musste. Und Kardinal Christoph Schönborn bezeichnete Hrdlicka zwar als einen der bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs, ließ aber dessen Version des "Letzten Abendmahls" prompt abhängen.

Lehre und Studium

Alfred Hrdlicka wurde am 27. Februar 1928 in Wien geboren. Nach Absolvierung einer Zahntechnikerlehre begann er an der Akademie der bildenden Künste zunächst Malerei bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky zu studieren, ehe er mit Diplom als akademischer Maler in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat, um 1957 auch als Bildhauer akademische Ehren zu erwerben. Seiner ersten Skulpturenschau 1960 (gemeinsam mit Fritz Martinz) in der mittlerweile abgerissenen Zedlitzhalle in Wien folgten Ausstellungen im Wiener Künstlerhaus und in der Galerie Welz in Salzburg.

1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig. Professuren führten ihn an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart , die Hochschule für bildende Künste Hamburg, die Hochschule der Künste Berlin und schließlich 1989 an die Universität für angewandte Kunst Wien.

Als Bühnenbildner arbeitete er u.a. in Bonn ("Faust I und II", 1982) und Stuttgart ("Intolleranza", 1992). Im Jahr 2001 stattete er Christine Mielitz' Inszenierung des "Ring des Nibelungen" in Meiningen aus. Weiters zeichnete er für die Ausstattung der Salzburger Festspielproduktion von Zemlinskys "Der König Kandaules" derselben Regisseurin verantwortlich.

2006 wurde in Bonn eine von Hrdlicka gestaltete Plastik des Komponisten Robert Schumann enthüllt, im Mai dieses Jahres wurde eine von Hrdlicka geschaffene Skulptur der 1998 seliggesprochenen Ordensfrau Schwester Restituta Kafka in der Barbarakapelle im Wiener Stephansdom aufgestellt. Ehrungen nahm Hrdlicka prinzipiell nicht an. (APA)

Kommentar posten
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Heinz Anderle
 
65
6.12.2009, 20:58
Er war wie der Stein, den er bezwang, hart, fest und durch Humanismus beseelt.

Ich erinnere mich noch an seine launige Präsentation dreier Torten zum Waldheim-Wahlkampf 1986, einer Linzertorte mit Hakenkreuz, einer Sachertorte mit Kruckenkreuz und einer Mitreitertorte mit kleinen braunen Reiterfiguren.

Was Anton Hanak für die Erste Republik war, ist Alfred Hrdlicka für die Zweite Republik. Möge ihr in Stein verewigtes Menschenbild kommende Stürme überdauern und noch in ferner Zukunft Zeugnis geben!

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Der Waehlerwille
 
00
19.12.2009, 23:48
geh bitte ...

ira2
 
03
8.12.2009, 11:09

Heinz Anderle: Ihre pathetisch-peinliche Hrdlicka-Verehrung steht in diametralem Gegensatz zu Hrdlickas authentischer Gesinnung und seinem großem Werk.
Tun Sie ihm das bitte nicht an.

Prof. Alois
 
02
7.12.2009, 20:55
Hrdlicka war k ein Politiker. Er war einer der authentischten Menschen, die unser Land je kannte

Deshalb sehe ich ihm diesen Hype mit dem Waldheim-Pferd nach. Die Waldheim-Affäre war die große Ablenkung vom antifaschistischen Generalversagen der SP. Man hat der ÖVP etwas umgehängt, was man selbst verbockt hatte. Kreisky hätte nicht mit einer Partei paktieren dürfen, deren Chef einmal SS-Offizier (!) war. Selbst dann nicht, wenn es gestimmt hätte, dass der immer in Urlaub gewesen wäre, wenn die ihre Gräueltaten begangen haben (Dem seine Einheit war für ihre Grausamkeit ganz besonders berüchtigt).

Hrdlicka ist Künstler und kein Politiker. Er hat unter dem Regime gelitten und er darf empfindlich sein. Er wird es sogar sein müssen. Sonst ist er kein Mensch.

Aber dürfen sich dann die hiesigen Sozis seiner bemächtigen?

Heiner Bussy
10
7.12.2009, 12:11

Seit wann sind Steine "mit Humanismus beseelt"? Oder wollen sie sagen, dass H. genauso WENIG von Humanismus beseelt war wie die Steine, die er beklopfte?

Prof. Alois
 
00
11.12.2009, 20:45
Man nimmt halt gerne Stein für Denkmäler. Es steht mitten in Kitschwien an einem der sensibelsten Plätze

gleich neben der Oper etwas Verstörendes herum. Ich hatte einmal Gelegenheit ein paar jungen Amerikanern aus Colorado die Dinge zu zeigen. Die haben schonungslos - aber nicht die Spur aggressiv - die richtigen Fragen gestellt: Warum die Leichen, die unter dem Denkmal liegen nie geborgen wurden. Die Bombenopfer aus dem Weltkrieg liegen ja wirklich noch da unten. Da erst bin ich draufgekommen, dass das ein Friedhof ist auf dem heute viele Menschen sorglos rumspazieren. Die Opfer des bombardierten Heinrichshof wurden ja nie geborgen. Dieses Denkmal ist der Stachel im Fleisch des Österreichers, das ihn sehr unangenehm an etwas erinnert.
Ich sagte ihnen: It's some sort of cemetary. Und ich bekreuzige mich.

imanitram
 
03
6.12.2009, 22:22

Sie sind zu pathetisch. Das war Hrdlicka nicht. Sie haben da was missverstanden.

Gerhard Schwarz
 
04
7.12.2009, 20:58

Der "Freigeist" Dr. Anderle ist halt gar keiner...

Prof. Alois
 
00
12.12.2009, 13:00
War schon Zeit, dass das einmal wer sagt. Danke!

Covermodel - 30er Jahre Schnitt
00
11.12.2009, 19:48
Hört sich gern reden, der Heinzi - Plaudertasche, gross.

Preger
02
7.12.2009, 00:54
Sie haben recht.

..."in Stein verewigt" und so, das ist doch Quatsch zum Quadrat...

Hat sich der alte Meister nicht verdient.

Preger, Teilzeitkuenstler/In

rosenthal
24
6.12.2009, 19:52
Hrdlicka

ist 1956 aus der kommunistischen partei ausgetreten.
im stalinismus vorzuwerfen ist dumm. sein werk beweist das gegenteil.
meiner meinung nach hat er sich selbst als stalinist bezeichnet um die braunen österreicher zu ärgern.
RIP

Wieviel Demokratie ist es bitte?
28
6.12.2009, 18:06
Er hat eine Menge

Arbeit übrig gelassen. Die Jobbeschreibung für die geistesgegenwärtige Nachwelt kann ja nur lauten: die groben Klötze im Lande mit angemessen groben Keilen zu bearbeiten. Sanftes schmirgeln gilt nicht.

Immer drauf auf die Betonköpfe und immer drüber über die weichen Birnen.

War ein guter Typ, in diesem Sinne.

Salamander1
23
6.12.2009, 17:45
alfred hrdlicka ein aufregender künstler

vom "renner kopf" bis zum albertinaplatz. die kunst hat einen großen verloren. soll er im frieden ruhen. den frieden den er zu lebzeiten nicht bekommen hat und auch nicht gewollt hat.

zippy
13
6.12.2009, 17:41
Und weg ist er

Und dann seh ich die Leute, und höre sie, die wir uns ausgesucht haben, uns zu vertreten, und bin traurig.

Es ist ja wirklich traurig.

Preger
00
7.12.2009, 00:56
Was ist traurig?

Dass die Welt so ist wie sie ist?

Wundert sich
Ihr Preger, Teilzeitkuenstler/In

renato illuminato
813
6.12.2009, 16:54
große geister gehen leise dahin

kleine prellen mit 180 und 1,8 promille in den trafo und was die pietät des standards angeht zeigt sich wieder die kleingeistigkeit der redaktion. JH hätte viel schimpf und schmach verdient, stattdessen wurde das forum vorzensuriert. am albertinaplatz steht das beste und größte kunstwerk österreichs. in lambichl ein mahnmal gegen alkohol am steuer,und für die die es noch nicht wissen er war kein stalinist im gegensatz zu ihm der ein faschist war und um den es wahrlich nicht schad ist!!!!

Isogseich Eini
20
6.12.2009, 21:25
am albertinaplatz steht das beste und größte kunstwerk österreichs

Wenn schon Superlativ, dann hätte ich einen anderen anzubieten: Für mich ist das Denkmal am Albertinaplatz die großartigste Themenverfehlung, die ich kenne. Das Tor der Gewalt - beeindruckend. Der strassenwaschende Jude - zweischneidig, wenn man die Reaktionen von jüdischer Seite bedenkt. Aber was genau der Hintern des Orpheus und die österreichische Bundesverfassung mit den Menschen zu tun haben, die unter der pauschalen Formel "Opfer des Faschismus" zusammengefaßr werden, ist mir bis heute nicht klar.

Kontrahent1
00
7.12.2009, 10:39
Ausserdem ist der Materialmix

etwas sehr eigenartig und erinnert eher an Werkstattentrümpelung. Der straßenwaschende Jude war so 'erschütternd und beeindruckend' bevor er mit Stacheldraht geschützt wurde, daß die Touristen darauf sitzend ihren Hamburger genossen. Nicht gerade das, was man von einem Denkmal dieser Art erwartet, welches noch dazu auf einem Grund errichtet wurde, der ein deklarierter Friedhof ist. Wenn ich da an Konzept und Ausführung des Engels-Denkmals in Wuppertal denke, was das für eine Qualität darstellt....

Prof. Alois
 
00
7.12.2009, 21:05
Der wurde mit Stacheldraht geschützt?

Das wäre eine Frechheit.
Denkmäler mit Botschaft senden eben eine solche aus. Die müssen dann aber auch damit rechnen, dass wer eine Gegenbotschaft anbringt. Oder auch nur seinen Hintern dort ausruht. Dann sieht man gesellschaftliche Gegensätze endlich ganz konkret. Ein Rechter, der einen jüdischen Grabstein beschmiert, der soll für hundert Jahre eingesperrt werden. Einer, der das Denkmal des straßewaschenden Juden missbraucht, der ist der lebende Beweis, wo unsere Gesellschaft steht. Wenn Denkmäler Kommunikation werden, dann muss diese auch möglich sein.

Gerhard Schwarz
 
04
6.12.2009, 22:20

Der bei der Toröffnung eingemeisselte Text ist nicht der der Bundesverfassung, sondern der der Unabhängigkeitserklärung vom 27.April 1945 und symbolisiert den Ausgang aus der Erniedrigung.

Prof. Alois
 
01
7.12.2009, 21:16
Ich habe einmal amerikanischen Freunden eine Wien-Führung angeboten

In der kurzen Zeit, wo die eine Nacht in Wien verbringen mussten, weil es der Reiseplan der Gruppe eben so erforderte. Ich habe denen den Albertinaplatz nicht erspart. Es waren eher junge Menschen dabei - aus Colorado. Die verstanden erstens nicht, warum man die Toten nach der Bombardierdung niemals ausgegraben hat. Und wie es sein kann, aus diesem Umstand einen frei begehbaren Friedhof zu machen. Wo sich doch kein Mensch dort so andächtig benimmt.

Ich hab mich dann hingestellt und ein Kreuz geschlagen. Glaubwürdig war das nicht.

Hrdlicka ist das nicht vorzuwerfen. Ganz im Gegenteil. Ihm wurde Gelegenheit gegeben Künstler zu sein, also sein Innerstes zu offenbaren.

Isogseich Eini
00
6.12.2009, 23:46

Danke.

alecs garwin
11
6.12.2009, 17:41
ich glaube, das mit der sperre

der postingmöglichkeit beim artikel zu jh tod hatte keinen wie immergearteten pietätsrelevanten hintergrund. die wollten einfach verhindern, dass aufgrund der zu erwartenden massen an postings der server in die knie geht....also ein ganz weltlicher grund

zippy
00
6.12.2009, 18:47
Der Server?

Der hält das aus. Wenn schon, ging es um die Überlastung der Handvoll 10.- Studentenjobs, die aussortieren müssen, was im Netz des Automaten hängen geblieben ist.

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