Slogans: "Bildung statt Banken", "PKK repräsentiert die KurdInnen" - Geänderte Demo-Route für ungestörtes Weihnachtsshopping
Wien - Mit einer neuerlichen Demonstration hat die studentische
Protestbewegung rund um die Hörsaal-Besetzer am Samstag in Wien auf ihrer
Anliegen aufmerksam gemacht. Unter dem Motto "Education is not for sale"
versammelten sich nach ersten Angaben der Audimax-Besetzer rund 1.500 Personen
auf der Mariahilfer Straße beim Westbahnhof. Nach Angaben der Polizei waren es
rund 1.000 Demonstranten. Unterstützung erhielten sie durch Delegationen aus
Bundesländern und - zumindest bei der Personenzahl - durch mannigfaltige
Schulterschlüsse, von Kurden bis zu Obdachlosen.
Auf Transparenten waren einmal mehr Slogans wie "Bildung statt Banken",
"Widerstand gegen den Bildungsabbau" oder "Bildung = Menschenrecht" zu lesen. Es
hatte sich aber auch eine relative große Gruppe Kurden mit Slogans wie "PKK
repräsentiert die KurdInnen" zu den Studenten gesellt, es waren aber auch
Transparente wie "Klimaerwärmung stoppen" oder "Notbett für alle EU-BürgerInnen"
zu lesen. Auch Flugblätter mit Titel "Schulterschluss von Studis und
'Obdachlosen' für soziale Wärme" wurden verteilt. Sprecher betonten, dass die
Protestbewegung "noch nicht tot" sei. Zudem wurde zu einem internationalen
Gegengipfel zu der für März 2010 in Wien geplanten Bologna-Konferenz aufgerufen:
"Versauen wir den Scheiß-Bolognagipfel".
"Frechheit"
Damit es offensichtlich zu keinen Störungen beim langen Einkaufssamstag auf
der Mariahilfer Straße kommt, wurde die Route der Demonstration noch am Freitag
von der Polizei geändert, was von den Protestierenden als "Frechheit" bezeichnet
wurde. Deshalb ziehen die Studenten nun über Kaiserstraße, Neubaugasse und
ehemalige 2er-Line zum Sigmund-Freud-Park neben der Votivkirche, wo um ca. 18.30
Uhr die Schlusskundgebung stattfinden soll.
Am Sonntag sollen Hörsaal-Besetzer aus ganz Österreich an einem
"Bildungsgipfel" im besetzten Hörsaal C1 am Universitätscampus im Alten AKH
teilnehmen. Dabei soll die Vernetzung der Studenten untereinander und mit
anderen Gruppierungen verbessert und bundesweite Aktionen für die kommenden
Wochen geplant werden.
Dekane der Universität Wien haben am Samstag in einer Aussendung die
andauernde Besetzung des Audimax und anderer Hörsäle als "illegitim" bezeichnet
und die Studenten aufgefordert, diese zu beenden. Gleichzeitig sehen die Dekane
die Ursache der Studentenproteste in "fehlenden oder falschen politischen
Entscheidungen der Vergangenheit". Sie fordern die Regierung und das Parlament
auf, eine konsequente Finanzierung der Studienplätze entsprechend dem
gesellschaftlichen Bedarf sicher zu stellen, heißt es in der von Chemie-Dekan
Bernhard Keppler und dem Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Heinz
Mayer, unterzeichneten Aussendung. (APA)