Griechenland in höchster Alarmbereitschaft

5. Dezember 2009, 12:22
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Jahrestag des Beginns der Unruhen - Straßenschlacht und Festnahmen in Korinth

Athen - Vor dem Jahrestag des Todes eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel sind am Samstag in Griechenland mehr als zehntausend Angehöriger der Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. In der Nacht hatten Unbekannte eine Polizeistation in der Stadt Korinth mit Brandflaschen angegriffen. Zuvor hatten Vermummte im Zentrum Athens zwei Polizisten brutal attackiert und verletzt. An diesem Sonntag jährt sich der Todestag des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos. Studenten und Schüler kündigten Demonstrationen und Schulbesetzungen an.

Studentenverbände befürchten, dass Extremisten die Gelegenheit nutzen könnten, um die griechische Hauptstadt ins Chaos zu stürzen. Staatspräsident Karolos Papoulias rief die Bevölkerung in einer Ansprache am Freitag zur Ruhe auf. Der stellvertretende Ministerpräsident Theodoros Pangalos warnte, die sozialistische Regierung dulde weder Vandalismus noch Gewalt.

Der tragische Tod des 15-Jährigen am 6. Dezember 2008 hatte zu Ausschreitungen geführt, die mehr als zwei Wochen lang anhielten. Der Jugendliche war bei einem Polizeieinsatz in Athen ums Leben gekommen. Zwei Polizisten müssen sich wegen Mordes beziehungsweise versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der Prozess soll am 20. Jänner beginnen. Die Hauptkundgebung zum Gedenken an Grigoropoulos findet am Sonntag statt.

In Korinth setzte die Polizei Tränengas ein und nahm mehrere Menschen fest. In Athen waren am Freitag die Vermummten mit extremer Härte auf die Polizisten losgegangen: Rund 20 Angreifer attackierten die Polizisten mit Beilen, Eisenstangen und Hämmern, berichteten Augenzeugen.

Mehr Anschläge auf Polizei

Es sei beängstigend, dass Untergrundorganisationen immer häufiger Anschläge auf Polizisten und Polizeiwachen verübten, berichteten griechische Medien am Samstag. Dabei würden Maschinengewehre und Handgranaten eingesetzt. Im Juni wurde ein Polizist erschossen, zwei andere Beamte wurden schwer verletzt. Die linksextremen Untergrundorganisationen bezeichnen sich selbst als "Stadtguerilla" und drohen mit weiteren Anschlägen. Der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysohoidis, warnte: "Wir werden Athen nicht den Vandalen überlassen." Der Befehl an die Polizei sei, die Demonstrationen zunächst zu beobachten, aber bei Gewalt "Null Toleranz" zu zeigen.

Nach dem Tod des 15-Jährigen war Griechenland von einer beispiellosen Gewaltwelle überzogen worden. Randalierer zerstörten Geschäfte in Athen und anderen Städten. Es entstanden Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Parallel demonstrierten Zehntausende Jugendliche friedlich bis Anfang Jänner gegen die Staatsmacht unter der damaligen, inzwischen abgewählten konservativen Regierung, Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. (APA/AP)

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    In der Stadt Korinth kam es zu einem Angriff auf zwei Polizei.

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