Reger Handel mit verschmutzter Luft

4. Dezember 2009, 19:48
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An der Leipziger Strombörse EEX werden ab Jänner 2010 auch die Klimazertifikate versteigert

Leipzig/Berlin - Wer Schmutz in die Luft bläst, der muss dafür bezahlen. Diese Idee gibt es schon seit dem 3. Weltklimagipfel, der 1997 in Kioto stattfand. Doch bis sie umgesetzt wurde, dauerte es ein wenig. Erst diesen Sommer hat der deutsche Bundestag jene Verordnung gebilligt, die den Handel mit sogenannten Emissionszertifikaten für das schädliche Treibhausgas Kohlendioxid neu regelt.

Denn nur wer ein solches Zertifikat erwirbt, der darf auch CO2 ausstoßen. Eine Zeitlang war das für die Industrie ein gutes Geschäft: Unternehmen erhielten 90 Prozent der Deutschland zustehenden Zertifikate kostenlos. Doch die letzten zehn Prozent der Papiere - für knapp 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid - werden am freien Markt veräußert.

Bisher kümmerte sich darum die KfW, die Kreditanstalt für den Wiederaufbau. Ab dem neuen Jahr wird die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig der einzige Händler für die vom Bundesumweltministerium ausgegebenen Zertifikate sein.

"Durch die Handelbarkeit von Emissionsrechten erhält die Umweltverschmutzung erstmals einen Preis. Doch wohin die Preise gehen, kann man natürlich noch nicht genau sagen" , sagt Katrin Berken von der Leipziger Strombörse EEX zum Standard. Es sei aber zu erwarten, dass sie ungefähr so liegen "wie im Sekundärmarkt jetzt" . Damit ist der Handel von Unternehmen mit den begehrten Papieren untereinander gemeint, wobei in der vergangenen Woche rund 13 Euro pro Tonne Kohlendioxid zu bezahlen war.

Grundsätzlich gilt die Börsenregel: Je mehr Interessenten, desto höher der Preis. Sorge, dass den Mitarbeitern der EEX in Leipzig die Arbeit ausgehen könnte, hat Hans-Bernd Menzel, Vorstandsvorsitzender der EEX, nicht: "Deutschland ist innerhalb des europäischen Emissionshandels der größte Emittent für Emissionsberechtigungen."

Konkurrenten ausgestochen

In Leipzig war man durchaus stolz, den Zuschlag für diese Versteigerungen bekommen zu haben. Denn außer der Energiebörse der sächsischen Stadt haben sich auch noch die Börsen Nordpool in Oslo, Climate Exchange in London, Bluenext in Paris und Climex in Amsterdam um den Zuschlag beworben.

"Unter Strom" steht man in Leipzig buchstäblich schon seit dem Jahr 2002. Sieben Jahre nach ihrer Gründung gilt die EEX mittlerweile als die wichtigste und größte kontinentaleuropäische Börse für den Handel von Strom, Gas und Kohle. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen einzelne Firmen mit Stromanbietern direkt den Preis aushandelten. Im Jahr 2008 wurden 1300 Terrawattstunden Strom über die EEX abgewickelt. Davon könnten umgerechnet 280 Millionen Haushalte mit vier Personen ein ganzes Jahr lang versorgt werden.

In Leipzig kommt auf seine Kosten, wer sich schnell eindecken will oder muss - aber auch jene, die längerfristig planen: Am Spotmarkt werden Strommengen einen Tag lang im Voraus gehandelt. Am Terminmarkt hingegen werden Geschäfte abgewickelt, die sich über Jahre erstrecken.

188 Teilnehmer aus 19 verschiedenen Ländern handeln an dieser Energiebörse. Dazu gehören Kraftwerksbetreiber, Energieversorger, Händler, Großverbraucher, aber auch Banker und Broker.(Birgit Baumann, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5./6.12.2009)

 

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