Regelmäßig stoßlüften statt kippen

4. Dezember 2009, 19:31

Energieberater kommen ins Haus und inspizieren Fenster, Küchengeräte und Therme

„Halten Sie die Jahresabrechnungen für Strom, Gas, Fernwärme bereit“, sagt die Energieberaterin am Telefon. „Zuerst werden wir uns nämlich die Verbrauchskennzahlen ansehen und dann ausloten, wo es Sparpotenziale gibt.“

Pünktlich um neun stehen die beiden Experten dann vor der Haustür: Katharina Kiener-Manu und Heinz Tschürtz – beide von der Arge Energieberatung Wien. Sie ist eine Kunsthistorikerin, er Elektrotechniker. Beide haben sie die Ausbildung zum Energieberater, etwa beim Umweltbundesamt, gemacht und sich dann mit Elisabeth Cobbina, die bei der Umweltberatung Wien ökologische Beratung durchführt, zur Arge Energieberatung Wien zusammengeschlossen. „Die Arge ist in Wien wahrscheinlich einzigartig“, sagt Tschürtz stolz. Auf dem Land ist Energieberatung bereits institutionalisiert. Dort wird den Hausbesitzern geholfen, die vielen Stolpersteine vor, nach und während einer Bauphase zu vermeiden. Auch in der Stadt nehmen Energieberatungen zu, vor allem weil ein Energieausweis vorgelegt werden muss, wenn der Verkauf oder eine Vermietung eines bestehenden Objektes ansteht. 200 bis 300 Euro kostet die Erstellung eines solchen Ausweises, erklären die Berater. Dieser zeigt in einprägsamer Farbskalierung, ob die Verbrauchskennzahlen niedrig, mittel oder hoch sind. Inzwischen hat Kiener-Manu unseren Stromverbrauch auf ein Kalenderjahr umgerechnet. Wow! Trotz zugiger Fenster, die dringend einer Erneuerung bedürfen, sind wir im grünen Bereich. Dies hängt mit der südlichen Fenster-Ausrichtung zusammen, weshalb die Heizung häufig nicht aufgedreht werden muss. Und es hängt mit einem strengen Regime der Hausfrau zusammen, die im Winter für dicke Pullover auch zu Hause plädiert.

Wilde Dinge sind den Energieberatern bereits untergekommen. Während ein Passivhaus maximal zehn kWh (Kilowattstunden) Energie pro Quadratmeter benötigt, hatten sie schon einen Fall von mehr als 300 kWh. „Das sind dann auch Bedienungsfehler“, weiß Kiener-Manu. Etwa dass auch im Sommer Heizung und Thermostat hochgedreht verbleiben: „Man muss sich halt damit befassen.“ Oder die Komfortstellung. Manche Thermen halten mit dieser Schaltung das Warmwasser auf einer gewissen Temperatur. Eine Energieverschwendung, wenn im Haushalt nur zweimal am Tag, in der Früh und am Abend, etwas Wasser gezapft wird. „Da ist es besser, wenn das Wasser dann hochgeheizt wird, wenn es auch gebraucht wird“, sagt Tschürtz.

Es geht keine Lebensqualität verloren, wenn man Kleinigkeiten ändert, betonen die zwei und zeigen auf das gekippte Fenster in der Küche. Stoßlüften statt kippen lautet ihr Credo. Zehn Minuten, zweimal am Tag, genügen, um im Haus die gewünschte Frischluft zu haben. Wohingegen: „Beim ständigen Kippen heizt man für draußen.“ Dieses Stoßlüften ist besonders dann wichtig, wenn man sich erst kürzlich neue, gut isolierte Fenster zugelegt hat. Wenn da nicht ordentlich gelüftet wird, kann es zu Schimmelbildung kommen.

Weil das den stolzen Besitzern neuer, dichter Fenster häufig niemand sagt, werden die Energieberater neben Kostenberatung und Einsparbegleitung in ihr Beratungsportfolio auch „Schimmelvermeidung“ aufnehmen.

Denn das ist einer der größten Fehler, die derzeit beim Sanieren passieren, sei es, wenn „gut isolierende Plastikfenster“ eingesetzt werden, das Haus aber nicht gedämmt ist. Kondenswasser kann die Folge sein.

Was sich die beiden Experten, die pro Beratungsstunde 50 Euro (exkl. USt) verrechnen, wünschen: dass auch im Vorfeld einer thermischen Gebäudesanierung eine Energieberatung obligat wird. So, wie es beim Erstellen eines Energieausweises bereits vorgeschrieben ist. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD/Printausgabe, 5./6.12.2009)

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