"Man kann ja nie wissen, wann der Putin den Hahn zudreht"

4. Dezember 2009, 19:24
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Energieberatung für das Gewerbe: Check um 100 Euro

Dornbirn - Christian Köb und Gino Felder sind Profis in Sachen Solar-, Heiz- und Klimatechnik. Sie leiten einen Installationsbetrieb, die Firma Berchtold in Dornbirn. Aber auch Profis schätzen professionellen Rat und so haben sie sich beim Energieinstitut Vorarlberg zum Energiecheck angemeldet.

An einem föhnigen Novembertag sitzen sie mit Energieberater Andreas Ellensohn erstmals über den Plänen: Aus dem 40 Jahre alten Gebäude möchten sie ein modernes Geschäfts- und Wohnhaus machen. Eines, das Energiekosten spart, ideales Mikroklima für Mitarbeiter und künftige Bewohner bietet. "Als Installationsbetrieb wollen wir Vorbild sein" , sagt Christian Köb. Zudem möchten sie die Ökoprofit-Kriterien erfüllen, ergänzt Gino Felder. 220 Vorarlberger Betriebe sind bereits zertifiziert.

Das Image ist die eine Sache, die Kosten sind die andere. "Bei den ständig steigenden Energiepreisen muss man schauen, wie man Betriebskosten einsparen kann" , sagt Köb. Beratung brauchen die Installateure vor allem über die Fördermodalitäten. "Das ist ja ein Dschungel" , sagte Gino Felder, "da kommt man allein nicht durch." Besonders kompliziert macht die Angelegenheit die Mischnutzung des Hauses. "Wir werden drei Energieausweise brauchen" , erklärt Andreas Ellensohn. Für Büroteil, Wohnteil und Lager.

Der Ingenieur nimmt Daten auf. Der Heizwärmebedarf von jährlich 158 Kilowattstunden/m² entspreche dem Alter des Hauses, sagt der Energiechecker. Ein Drittel bis 50 Prozent könne man durch die geplanten Maßnahmen einsparen.

70.000 bis 80.000 Euro werde man investieren müssen, meint Christian Köb. "Die Kosten kennt man erst, wenn man genau weiß, was man will" , gibt der Berater zu bedenken. Und: "Nicht jede Maßnahme wird gefördert." Die Kommunalkreditförderung etwa, das sei eine "sehr scharfe" Förderung, da geht es um "ganz ambitionierte Richtwerte" . Zum Beispiel bei der Fassadensanierung: "Gefördert werden nur umweltrelevante Maßnahmen. Da kann die neue Fassade toll hinterlüftet, optisch ansprechend sein - aber umweltrelevant ist nur der Dämmstoff. Und der ist nicht der Kostentreiber."

Aufpassen müsse man bei der Dämmung auch, dass man den Wärmeeffekt nicht noch verstärke. Sprich: Wärmestau im Büro. "Bloß nicht" , sind sich da Felder und Köb einig. Die sommerliche Hitze durch die großzügigen Fenster aus den 1970ern möchte man ja weghaben. Beschattung und kontrollierte Be- und Entlüftung sollen künftig angenehmes Arbeitsklima schaffen. Ellensohn verweist auf unerwünschte Nebeneffekte: "Viele Häuser werden leider so gebaut, dass man sie im Sommer kühlen muss."

Nach dem Energiecheck, der sechs Stunden dauert und Gewerbetreibende dank Förderung schlichte 100 Euro an Selbstbehalt kostet, werden Varianten gerechnet. Dann wird es an die Maßnahmen gehen, "Sinnvoll, effizient mit optimalem Kosten-Nutzen-Effekt" , sollten die sein, ist man sich einig.

Einen Schritt in die Zukunft haben die Installateure bereits gemacht. Die alte Ölheizung wurde gegen einen Anschluss an die Biowärme Hatlerdorf getauscht. Ellensohn: "Verheizt wird das Holz aus dem Dornbirner Wald. Das ist nicht billiger, bietet aber hohe Versorgungssicherheit." Um die Unabhängigkeit von den fossilen Energieträgern und ihren Lieferanten gehe es schließlich. "Man kann ja nie wissen, wann der Putin den Hahn zudreht."(Jutta Berger, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5./6.12.2009)

 

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