Das Kind als Zankapfel

4. Dezember 2009, 19:13
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Rosenkriege, das steht fest, sind das Schlechteste fürs Kind

Jede Trennung ist mit Verletzungen verbunden, kein Gesetz kann alle Wunden heilen. Mit der Einführung der gemeinsamen Obsorge in Österreich 2001 wurde zumindest ein Instrumentarium geschaffen, das den Schaden für die Kinder möglichst gering hält.

Väter haben die Chance und den Anreiz, im Leben ihrer Kinder weiterhin eine Rolle zu spielen. Anders als in Deutschland spielt es bei uns kaum eine Rolle, ob das Paar vorher verheiratet war oder nicht. Weil eine solche Unterscheidung lebensfremd ist, erscheint das Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs als gerechtfertigt.

Aber den Kämpfern für Väterrechte geht es um viel mehr. Sie wollen ein Ende der Praxis, wonach das Sorgerecht im Streitfall fast immer der Mutter zugesprochen wird. Und sie wollen eine bessere Durchsetzung von Besuchsrechten gegenüber Müttern, die das mit Ausreden wie Krankheit zu verhindern wissen.

Das Letztere ist jetzt schon Unrecht und sollte von Richtern geahndet werden. Die Gesetze dafür sind vorhanden.

Der Vorrang der Mutter beim Sorgerecht aber bringt einen prinzipiellen Vorteil, der problematische Einzelfälle mehr als ausgleicht: Das Scheidungskind wird nicht zum Zankapfel. Das mag ein betroffener Vater als Diskriminierung empfinden. Aber es zwingt ihn zur Kooperation mit der Mutter, ohne die gemeinsame Obsorge nicht funktioniert. Und Rosenkriege, das steht fest, sind das Schlechteste fürs Kind. (Eric Frey/DER STANDARD-Printausgabe, 5./6.12.2009)

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