Und also sprach der letzte Mann auf dem Mond

4. Dezember 2009, 18:46
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Harrison Schmitt, Astronaut der Apollo 17, besuchte Wien und sprach über den Erdtrabanten und den Klimawandel

Wien - Wenn der ehemalige Astronaut und Mondfahrer Harrison Schmitt (74) vom "Klimawandel" spricht, wird seine Stimme recht sorgenvoll - allerdings nicht, weil er die Menschheit dazu ermahnen möchte, die Emission von Schadstoffen dringend einzudämmen, um die Natur und die eigene Gesundheit zu schützen. Schmitt befürchtet eine Gängelung der Menschen durch das "politische Werkzeug Klimawandel", denn mehr sei die globale Erwärmung nicht. Sie sei jedenfalls nicht auf die Verwendung fossiler Brennstoffe zurückzuführen, natürliche Ursachen wie etwa die Sonnenaktivität hätten deutlich mehr Einfluss.

Der Geologe Harrison Schmitt war nach Wien gekommen, um in der Reihe der "Eduard Suess Lectures" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften einen Vortrag über Herkunft und Geschichte des Mondes zu halten. Das Wissen darüber hat er sich wohl nicht ausschließlich durch seinen rekordreichen Aufenthalt auf dem Mond im Dezember 1972 erworben. 22 Stunden war er auf dem Erdtrabanten unterwegs, so lange wie kein Astronaut davor. Schmitt war auch der Letzte, der den Mond betrat. Und er war der einzige Wissenschafter, der als Astronaut am Apollo-Programm der USA teilnahm.

Die Zeit nach der Mondfahrt war für ihn keine psychische Herausforderung, so Schmitt. Die meisten seiner Kollegen hätten das ganz gut gemeistert. Er kenne nur einen Fall von schweren Depressionen (Buzz Aldrin, der zweite Mann auf dem Mond). Harrison Schmitts zweite Karriere: Er wurde Politiker, kandidierte erfolgreich für die republikanische Partei und erhielt danach einen Senatssitz. Bis heute ist er dem politisch rechten Lager treu geblieben und hofft, dass George W. Bushs Plan, wieder zum Mond zu fliegen, bald Realität wird, und zwar vor allem deswegen, weil der schnellste Weg zum Mars nur über den Mond als Zwischenstation führen könne.

Die jüngsten Wasserfunde auf dem Mond bezeichnet Schmitt als interessant, sie werden seiner Ansicht nach die Pläne für eine Mondstation allerdings nicht beschleunigen. "Der Mond wird ein Trainingslager - für Generationen von Menschen". (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6. 12. 2009)

  • 22 Stunden Außeneinsatz auf dem Mond: Während der Apollo-17-Mission wurden einige Rekorde gebrochen.
 
    foto: nasa

    22 Stunden Außeneinsatz auf dem Mond: Während der Apollo-17-Mission wurden einige Rekorde gebrochen.

     

  • Harrison Schmitt war der bisher einzige Wissenschafter auf dem Mond.
    foto: newald

    Harrison Schmitt war der bisher einzige Wissenschafter auf dem Mond.

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