Stärkung der Väterrechte

4. Dezember 2009, 18:46
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Für einen Vorrang der Mutter beim Sorgerecht oder handelt es sich dabei um Diskriminierung

PRO: Ein wichtiges Signal

Wer heute sagt, dass Buben bessere Mechaniker werden als Mädchen, wird (verbal) abgewatscht. Zu Recht. Ein Arbeitgeber, der nach Geschlecht statt nach Befähigung (nicht) einstellt, bekommt Zores. Darüber, dass das vom Prinzip her in Ordnung ist, herrscht heute gesellschaftlicher Konsens. Auch darüber, dass es wünschenswert ist, Väter früher und intensiver in die Betreuung, Erziehung und Pflege ihrer Kinder einzubeziehen.

Freilich bedeutet das auch, zu signalisieren, dass die Intention ernst gemeint ist: Wer gleiche Pflichten als Selbstverständlichkeit im Alltag leben soll, der muss das gleichberechtigt tun - in jeder Hinsicht. Schon deshalb ist der Straßburger Spruch über väterliche Sorgerechtsansprüche zu begrüßen - ungeachtet aller juristischen oder nationalen Details und Spitzfindigkeiten.

Denn beim Ansuchen um das Sorgerecht zwischen verheirateten und unverheirateten Paaren zu unterscheiden, ist - gelinde gesagt - unzeitgemäß. Es hat mit dem, worum es in allen Anlassfällen zu allererst zu gehen hat - das Wohl des Kindes über den Streit der Eltern zu stellen nämlich -, nichts zu tun. Im Gegenteil: Es verkompliziert, verzögert oder verhindert das Finden der bestmöglichen Lösung in ohnehin schwierigen Lebensphasen von Kindern nur enorm.

Ebenso wie die Usance, dass Mütter von Familienrichtern meist automatisch für den zur Kinderbetreuung fähigeren Elternteil gehalten werden. Das ist zwar oft, aber eben längst nicht immer richtig. Deshalb passt hier neben "Tradition" auch ein anderes Wort: "Diskriminierung". (Thomas Rottenberg, DER STANDARD/Printausgabe 5.12./6.12.2009)

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KONTRA: Das Kind als Zankapfel

Jede Trennung ist mit Verletzungen verbunden, kein Gesetz kann alle Wunden heilen. Mit der Einführung der gemeinsamen Obsorge in Österreich 2001 wurde zumindest ein Instrumentarium geschaffen, das den Schaden für die Kinder möglichst gering hält.

Väter haben die Chance und den Anreiz, im Leben ihrer Kinder weiterhin eine Rolle zu spielen. Anders als in Deutschland spielt es bei uns kaum eine Rolle, ob das Paar vorher verheiratet war oder nicht. Weil eine solche Unterscheidung lebensfremd ist, erscheint das Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs als gerechtfertigt.

Aber den Kämpfern für Väterrechte geht es um viel mehr. Sie wollen ein Ende der Praxis, wonach das Sorgerecht im Streitfall fast immer der Mutter zugesprochen wird. Und sie wollen eine bessere Durchsetzung von Besuchsrechten gegenüber Müttern, die das mit Ausreden wie Krankheit zu verhindern wissen.

Das Letztere ist jetzt schon Unrecht und sollte von Richtern geahndet werden. Die Gesetze dafür sind vorhanden.

Der Vorrang der Mutter beim Sorgerecht aber bringt einen prinzipiellen Vorteil, der problematische Einzelfälle mehr als ausgleicht: Das Scheidungskind wird nicht zum Zankapfel. Das mag ein betroffener Vater als Diskriminierung empfinden. Aber es zwingt ihn zur Kooperation mit der Mutter, ohne die gemeinsame Obsorge nicht funktioniert. Und Rosenkriege, das steht fest, sind das Schlechteste fürs Kind. (Eric Frey, DER STANDARD/Printausgabe 5.12.2009/6.12.2009)

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