Der Schnee von heute

4. Dezember 2009, 18:42
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Der Klimawandel betrifft nicht nur Küstenregionen anderer Kontinente, sondern auch Skigebiete hierzulande, etwa den Königsberg in Hollenstein an der Ybbs in Niederösterreich. Ein Beispiel

"Frühlingshaft warm ist dieser Mittwoch", sagt der Ö3-Nachrichtensprecher aus dem Autoradio, "neun bis 16 Grad hat es heute in ganz Österreich." Wolkenloser Sonnenschein begleitet die Fahrt auf der Kurvenstrecke rein bis ins hintere Ybbstal, 25 Kilometer sind es noch einmal von Waidhofen bis nach Hollenstein.

Die Wiesen und Wälder ringsherum sind herrlich grün, kein Fleckchen Weiß trübt die Landschaft, außer die Kondensstreifen der zahlreichen Flugzeuge, die den strahlend blauen Himmel kreuzen. Es ist der 25. November 2009, in zehn Tagen, am 5. Dezember, wäre Saisonstart am Königsberg. Daraus wird wohl nichts werden.
Aber das ist nichts wirklich Neues hier in Hollenstein. Schon seit Jahren, eigentlich Jahrzehnten, kämpfen die Hollensteiner mit dem Schnee oder besser gesagt: mit zu wenig Schnee und damit, ob sich ein kleines Familien-Skigebiet in einer, sagen wir, Randregion, heute noch rentiert oder nicht.

Das niederösterreichische Hollenstein liegt auf knapp 500 Metern über dem Meeresspiegel. Die hübsche Kirche liegt auf einer Erhebung in der Mitte des Dorfes, 1800 Menschen leben hier - besser gesagt: noch. Der weitgehend fehlende Tourismus, der sich hauptsächlich auf Tagesausflüge aus der Region beschränkt, hat den Ortskern bis heute architektonisch hübsch unbeschadet belassen: ein Gemeindeamt, drei Gaststätten, zwei Kaufhäuser, zwei Banken, ein Bäcker - und dazwischen ein schmuckes, gelbes, frisch renoviertes Häuschen mit Türläden aus Holz und einem altmodischen Schriftzug darüber: "Tourismusbüro" und darunter: "Königsberg-Lifte".

Gratisbetrieb für alle

"... inmitten der schneereichen Voralpen liegt der Königsberg - Winterparadies für die ganze Familie. Mit seinen 6 Schleppliften und 14 km Abfahrten hat sich der Königsberg in den letzten Jahren zum Geheimtipp aller Schneefanatiker entwickelt." Die frisch gedruckten, kleinen blau-gelben Folder für die Saison 2009/2010 liegen im Tourismusbüro bereit und locken seit heuer mit einem Angebot: "Gratisbetrieb für alle" steht in roten Lettern im Folder: "Wochentags im Jänner und Februar 2010, von 10 Uhr bis 16 Uhr". Das ist etwas Neues, auch für die Hollensteiner. Eine letzte Chance?

Gegenüber im Gemeindeamt mit einem Außenanstrich, der da und dort schon abblättert, sitzt Bürgermeister Franz Gratzer in seinem ebenerdigen Büro, wenn man reingeht, gleich rechts. "Ja", sagt der Mann im karierten Hemd und Pulli, "die Lifte haben eine bewegte Geschichte!" 1971 wurde die "Hollensteiner SchiliftbetriebsgesmbH" gegründet, in der Dorfchronik ist zu lesen: "Die breite Unterstützung durch die Bevölkerung zeigte sich in der Beteiligung von 155 Kommanditisten mit Einlagen zwischen 500 und 10.000 Schilling und heimischen Firmen (Gesamtsumme: 712.000 Schilling). In die GesmbH brachten die Gemeinde, Fam. Erich Gilge (ein Gutsbesitzer, Anm.) und 21 Personen in Summe 118.000 Schilling ein."

Heißt: Die Hollensteiner glaubten an ihren Königsberg, ans Skifahren und an den Schnee. Und investierten eigenes Geld. Und tatsächlich: Es ging zunächst bergauf. Nicht sehr steil, aber doch. Mit den Liften und den Besucherzahlen. Im Jänner 1976 fand das erste FIS-Rennen statt. Der Berg brummte. Ein Problem blieb lange die Zufahrtsstraße auf den Berg (erst 1988 wurde sie ausreichend ausgebaut).

Sie war steil und eng, und bei dem vielen Schnee blieben Autos und Busse gerne hängen. Bis 1981 war das kein Problem, der Königsberg war neben dem Hochkar, das rund 20 Kilometer weiter in Richtung Südwesten liegt, das einzige attraktive Skigebiet der Gegend. Dann kam die Forsteralm, näher am Einzugsgebiet von Waidhofen - und damit erste Umsatzrückgänge. Viele Hollensteiner verloren Geld - und auch ein bisschen den Glauben an ihren Berg. Der wurde 1988 von der Franz Forster GesmbH übernommen, und die beiden Skigebiete, Königsberg und Forsteralm, wurden von da an gemeinsam geführt. 1996 wiederum übertrug Forster alles an Anton "Jimmy" Steiner, den Bronzemedaillen-Gewinner der Olympiaabfahrt von Sarajewo von 1984. Der managte den Königsberg bis 2003, dann sagte auch er: Jetzt ist Schluss.

Über den Klimawandel und seine Auswirkungen spricht hier in Hollenstein niemand so richtig gerne, schon alleine die Frage danach ist in etwa so, als würde man jemandem das letzte Stückchen Teppich unter den Füßen wegziehen. "Als Buam sind wir um diese Zeit immer mit den Rodln runtergefahren!", sagt Gratzer, Jahrgang 1951, verändert hätte sich vor allem die Schneesicherheit, und schließlich sagt er: "Wir haben schon einen Klimawandel, der nicht zu übersehen ist!", und erzählt, dass er gerade mit einem von der Straßenmeisterei draußen unterwegs war, und auch der meint, dass es vor allem auch im Sommer mit dem Hochwasser immer schlimmer wird.

Dass sich Österreich auf Veränderungen im Bereich des Wintertourismus einstellen muss, ist mittlerweile offensichtlich. Denn die Erwärmung in den Alpenregionen ist wesentlich stärker als im globalen Durchschnitt. Forschungen haben ergeben, dass die Temperatur bis zum Jahr 2100 um weitere zwei bis vier Grad steigen könnte. Durch den Anstieg der Schneefallgrenze und den kürzeren Bestand der Schneedecke werde sich auch die Hochwassersaison verlängern, Niederschläge könnten intensiver ausfallen. Und diese gewitterartigen Regenfälle sind wiederum die Hauptauslöser für Muren. In Österreich sind viele Skigebiete betroffen, am stärksten jene unter 1500 Metern.

Das Skigebiet in Hollenstein liegt zwischen 700 und 1100 Metern. "Die Natur hat uns einen Streich gespielt", formuliert es der Bürgermeister und meint nicht den Schnee, der weniger wird, sondern erzählt von einem heftigen Steinschlag, der im Winter 2002 die Zufahrtsstraße nach Hollenstein für Wochen lahmgelegt und so die Waidhofener zum Skifahren ausschließlich auf die Forsteralm getrieben hat. Seitdem, ist der Bürgermeister überzeugt, führe der Königsberg ein Schattendasein. Doch die Gemeinde wird das Skigebiet weiter unterstützen, sogar mehr als zuvor, weil auf dem Königsberg geht es seit Mitte der 80er-Jahre eher bergab. Lag die Zahl der Betriebstage zwischen 1972 und 1986 noch bei 86 Tagen pro Saison, waren es zwischen 1996 und 2002 nur noch 56 Tage.

Skiliftbesitzer als Nebenjob

"Einen Glücksfall" nennt der Bürgermeister deshalb Klaus Stepan, der die Lifte am Königsberg übernommen hat, zunächst in einem Dreier-Konsortium, seit kurzem alleine. Stepan, dessen Großeltern aus Göstling, einem Nachbarort von Hollenstein, stammen, sitzt an einem Freitagnachmittag sehr entspannt in einem Konferenzraum einer Hietzinger Villa, dem Sitz der Stepan GesmbH. Der sportliche 58-Jährige, der mit seinem grauen Dreitagesbart mehr wie ein Naturparkführer oder Skilehrer aussieht und weniger wie ein Wiener Unternehmer, sagt: "In Sachen Klima sind Sie bei mir richtig!" Sein Geld verdient er hauptsächlich mit Fotovoltaik, sein Unternehmen macht den Service und die Inbetriebnahme von Solarmodulen. Skiliftbesitzer ist er nur im Nebenjob.

Aber das ist anstrengend genug. Ende November sieht es oben auf dem Königsberg so aus, als wäre die Saison gerade vorbei. Das Kassa-Häuschen ist verlassen, die orangen Schleppliftbügel hängen über der grünen Wiese, Skischule und Skiverleih sind geschlossen, auf dem großen Parkplatz vor dem frisch ausgebauten Gasthaus Jagersberger - Mittwoch ist Ruhetag - steht verlassen ein einziges Auto, zwei Wanderer haben sich gerade mit festem Schuhwerk auf den Weg durch das matschige Grün gemacht. Die Sonne scheint warm auf vier blaue Schneekanonen, die dastehen wie künstliche Roboter-Kraken vom Mond, die hier falsch gelandet sind.

Klaus Stepan ist einer, der nicht lange um den heißen Brei herumredet: Der Königsberg war für einen niedrigen Betrag zu haben, sagt er, aber dennoch: "Wir haben hier in den letzten Jahren 1,2 Millionen Euro investiert!" Für den berührungslosen Zutritt, die Pistenpräparierung und die künstliche Beschneiung von zweien der fünf Lifte. "Wenn man das macht, muss die Infrastruktur stimmen!", sagt er und denkt dabei an die sechs Stück Reihenhäuser, die dort oben gegenüber von Gasthaus von der milden Nachmittagssonne beschienen werden.

Seit nunmehr vier Jahren stehen die Musterhäuser wie eine Verheißung auf eine bessere Zukunft da. "Die sind noch nicht einmal an den Kanal angeschlossen", sagt der Bürgermeister über das 60-Ferienhäuser-Projekt einer holländischen Investmentgruppe. Aber offensichtlich hapert es an der Finanzierung, so Gratzer. Die Gemeinde ist vorsichtig im Hinblick auf eine Beteiligung wegen der negativen Erfahrung in der Skilift-Sache. Niemand weiß Genaues, warum bei den Holländern nichts weitergeht. Klaus Stepan auch nicht.

Ein Skigebiet ohne vollständige Beschneiung geht heute kaum noch. "Man müsste am Königsberg nicht zwei, sondern vier Lifte beschneien!", sagt der Geschäftsmann, aber das koste noch einmal eine Million. Er rechnet vor: ein Sessellift - drei Millionen; Quartiere, damit die Infrastruktur passt - noch einmal fünf Millionen. Heißt alles in allem: zehn Millionen. "So viel in dieser Lage zu investieren, ist nicht mehr sinnvoll!", ist er überzeugt und redet von anderen Skigebieten, die das gemacht haben und auch nicht sicher sein dürfen, ob sich das noch rentiert. "Sogar der Ötscher und das Hochkar kämpfen", sagt er.

Auch wenn Stepans Engagement viel mit Heimatverbundenheit zu tun hat, als reine Liebhaberei kann er sich den Lift nicht leisten. Deshalb sind er und die Gemeinde zu einem Arrangement gekommen: Die Lifte sind ab Jänner unter der Woche gratis. Die Gemeinde übernimmt dafür die Stromkosten, die Pistenpräparierung und einen Mitarbeiter, die Kosten für die Wochenenden und Ferienzeiten trägt Stepan weiter selbst. "Ein Skigebiet ohne Beschneiung ist heute wie ein Auto ohne ABS. Undenkbar", sagt auch der Bürgermeister und weiß, dass vor allem der Kunstschnee viel kostet und sich manchmal in "Geld verwandelt, das durch einen Fön wieder in Form von Wasser den Berg runterrinnt", wie er das treffend formuliert.

Viereinhalb Meter Schnee

Auch Rudolf Jagersberger übernimmt als einzig verbliebener Wirt am Berg (der zweite hat im Herbst gerade zugesperrt) die Kosten für einen Liftbetriebsleiter. Immerhin: Sein Geschäft soll ja auch profitieren. Der Wirt vom "Großbach", wie der Gasthof Jagersberger bei den Einheimischen heißt, hat das Geschäft gerade an seinen Sohn übergeben, dennoch steht er im Blaumann vor dem Stall neben seinem Gasthaus und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Am Gratisbetrieb unter der Woche hat er so seine Zweifel. "Was nichts kostet", sagt er, "ist möglicherweise auch nichts wert." Sein ehemaliger Stall ist gerade in eine Ausspeisung für die Schullandwochen umgebaut worden, überhaupt haben die Jagersbergers in den letzten Jahren vieles neu gemacht und eine Menge investiert. "Wir versuchen, im Sommer den Umsatz raufzuschrauben", sagt der frisch gebackene Senior, "weil die Schneesicherheit nicht mehr da ist!"

Im vergangenen Jahr gab es in Hollenstein viereinhalb Meter Schnee, davon drei Meter im März. Da hilft er keinem mehr. Mit dem Skifahren sei Österreich an der Spitze angekommen, sagt er und denkt schon länger über Alternativen nach: Über Schullandwochen auch im Sommer (gerade hat er neue Mehrbett-Zimmer ausgebaut), übers Wandern, Nachtwandern und Schneeschuhwandern im 13 Kilometer nahen Naturpark Eisenwurzen, über den Ausbau seines Reitbetriebs oder auch gastronomisch: Als einer der wenigen Wirte, die es im Ort noch gibt, will er die Hollensteiner mit Knödel- oder Wildessen zu sich herauf_locken, auch wenn sie keine Skier auf dem Autodach haben. "Ich bin da so ein Optimist", sagt er, gerade als ihn die Schwiegertochter vom Kaffee wegholt. Er müsse jetzt leider seine Rösser einfangen, sagt er und lacht, weil die seien ihm gerade aus der Koppel ausgekommen.

Es zieht sich schon 30 Jahre

In Hollenstein, Optimist zu bleiben, ist nicht ganz einfach. Das hat viel mit dem zu tun, was unter Globalisierung verstanden wird. Und diese Globalisierung bläst auch durch das kleine Ybbstal wie ein rauer Wind. Wenn man etwa bei Rudolf Huber zu Kaffee und Kuchen eingeladen ist, beginnt man, solche globalen Zusammenhänge besser zu verstehen. Huber, 57, ist seit 1992 Sektionsleiter der "Sektion Skilauf" im Sportverein Hollenstein. Er selbst arbeitet in einem Forstbetrieb, der früher einmal zugleich auch ein Sägewerk war, in dessen Glanzzeiten waren dort etwa hundert Leute angestellt. Heute sind sie zu zweit.

Für den Sportverein ist er seit geraumer Zeit auf der Suche nach jemandem, der "das alles" weiterführt. Aber das gestaltet sich problematisch. "Das alles", das war früher eine ganze Menge - und seine Frau Ingrid, die den Kaffee serviert und gerade als letzte Postangestellte in Hollenstein frisch pensioniert wurde, kann ein Lied davon singen: Als ihre Kinder noch Kinder waren, war die Familie an den Wochenenden nie zu Hause - wegen der vielen Skirennen. Huber blättert in einem alten Heft und sagt: "Eigentlich zieht sich das schon 30 Jahre. Es ist immer weniger geworden!"

Seine Kinder haben, wenn sie von der Schule nach Hause gekommen sind, die Taschen in die Ecke geschmissen und sind mit dem Bus auf den Berg. Und davor, erinnert er sich an die Zeiten vor dem Skilift, sind viele der Jungen zu Fuß auf den Berg, um dann mit den Brettern wieder runterzufahren. Seine eigenen Eltern, erzählt er, die erinnerten sich wirklich noch an Tonnen von Schnee.
Mit seinem Finger fährt er alte Aufzeichnungen ab und liest vor, wie viele Rennen er über die Jahre absagen musste: "1993, 8. Jänner: abgesagt, 8 Grad plus, 1994, 8. Jänner: abgesagt, 14 Grad plus. 95 und 96 waren okay, 97 und 98 musste ich absagen, 99 steht nicht da, 2000 war okay, 2001 und 2002 abgesagt, usw."

Die Skirennen finden heute in vorläufig schneesicheren Gebieten statt, sagt er und wirkt darüber recht betrübt, "aber wenn man keine Starter hat, hat man keine Einnahmen!" Aber nicht nur der Schnee hat sich verändert über die Jahrzehnte, auch alles rundherum: Viele Kinder hätten heute gar nicht mehr die Kondition, einen ganzen Tag nur Schlepplift zu fahren, sagen beide, überhaupt: Die Ausrüstungsfrage sei wichtiger geworden, das Material aber viel teurer.

Heute überwiegen die Sonntagsfahrer, jene, die nur an den Wochenenden und bei strahlendem Schönwetter fahren. An starken Wochenenden tummeln sich manchmal 2000 Menschen auf dem Königsberg, sagt der Hollensteiner und kramt in alten Fotografien. Eine der Fotografien zeigt seinen Schwager Ernst Auer in schneidiger Abfahrtspose, darunter steht: "Auch die jungen Wilden werden älter". Der für die Gegend legendäre Ernst Auer ist heute 60 Jahre alt, und das Skifahren war in seinem Leben zentral. Zuerst 19 Jahre als ÖSV-Trainer und später dann als Skischulbesitzer mit Skiverleih auf dem Königsberg. Alle im Dorf haben bei ihm das Skifahren gelernt, viele der Jugendlichen den Skilehrer bei ihm gemacht und dann auch an den Wochenenden und in den Ferien in der Skischule gejobt.

In der örtlichen Bäckerei Schwarzlmüller wird Ernst Auer später auf die Frage, ob er sich angesichts des warmen Wetters Sorgen macht, betont gelassen reagieren und sagen, "der Winter ist noch jedes Jahr gekommen", und in seinen Tee lächeln. Aber auch er kann nicht leugnen, dass sich alles mehr und mehr in Richtung Frühling verlagert, die Winter insgesamt unberechenbarer geworden sind. Aber es gibt auch zahlreiche Vorteile, die der Königsberg hat: Die Unfallstatistik ist tadellos im Gegensatz zu anderen Skigebieten, die Liftkarten-Preise sind wirklich günstig und oft, wenn es am Hochkar stürmt und die Lifte geschlossen werden müssen, ist es am Königsberg angenehm.

Auer, der Bergfex mit dem gegerbten Gesicht, war an den Liften beteiligt, gemeinsam mit seinem Freund Klaus Stepan: "Das geplante Feriendorf für 300 Leute war der Hauptgrund, dass wir eingestiegen sind", sagt er. Doch die Häuschen gegenüber seiner Skischule bleiben dunkel. Fehlende Unterkünfte bleiben der wunde Punkt im Ort. Mittlerweile hat Klaus Stepan seine Anteile übernommen.
Hochwasser und Muren

So ohne Kinder, sagen Ingrid und Rudi, kommen sie selten rauf auf den Berg - und kommen ins Sinnieren. Der Wohlstand, sagt Rudolf, hätte viel zum Niedergang der Region beigetragen. Alle wollen, dass die Kinder es besser haben und lernen, aber damit sind die automatisch zur Landflucht verurteilt. Wie seine eigenen, die beide mittlerweile in Wien leben. "Der Staat fährt auch mit der ganzen Infrastruktur ab", sagt Ingrid gleichermaßen resolut wie ratlos und schaut raus aus ihrer Terrassen_türe, die Ende November weit offensteht, auf die prachtvollen Berge der Umgebung, auf denen noch kein Schnee liegt.

Spätestens, wenn sie erzählen, dass im Moment auch kein Zug nach Hollenstein fährt, wird augenscheinlich, dass Globalisierung und Klimawandel irgendwie miteinander verbunden sind: Die Ybbstalbahn, die seit 1896 in Betrieb ist, steht im Moment still. Genauer gesagt, seit dem letzten Hochwasser und einem dadurch ausgelösten Murenabgang. Dass sie jemals wieder in Betrieb genommen wird, daran zweifeln viele Hollensteiner, die jetzt noch mehr mit dem Auto fahren müssen. Das wiederum ist gar nicht gut für CO2-Bilanz und Klimawandel - und auch nicht für den Königsberg, der für das kleine Hollenstein immer noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor wäre.

"Nächste Woche wird es sicher noch warm sein", sagt Ernst Auer zum Abschied. Er weiß das, die Austro Control in Linz versorgt ihn ständig mit einer Dreitagesvorhersage. Er behält recht. Der Skiliftbetreiber Klaus Stepan rechnet unterdessen weiter vor: Ein Drittel Umsatz braucht er in den Weihnachtsferien, ein Drittel in der Energiewoche, und ein Drittel macht der Rest aus. Eine Katastrophe für ihn wäre es erst, wenn am 20. Dezember noch kein Schnee läge.

"Ich würde in nichts mehr investieren, wo ich vom Klima abhängig bin!", sagt Klaus Stepan am Ende der Unterhaltung. Mittlerweile ist der geplante Saisonstart am 5. 12. zum Greifen nah. Die Wetterprognose für das Wochenende vom 5. Dezember in Niederösterreich lautet: "Zunehmend unbeständig. Am Nachmittag ziehen Wolken auf, und es kann ein wenig regnen, oberhalb von 600 Metern Höhe schneien. Höchsttemperaturen: 1 bis 6 Grad, in 1500 Metern Höhe minus 1 Grad - auf den Bergen kühlt es also deutlich ab. Am Samstag oft bewölkt, anfangs in den Voralpen noch unbeständig, nur zwischendurch etwas Sonne. Mäßiger Nordwestwind und 2 bis 7 Grad." Der Saisonstart ist erst einmal verschoben, aber nicht aufgehoben. (Mia Eidlhuber, DER STANDARD/ 5. 12. 2009)

ZUR PERSON: Mia Eidlhuber, geb. 1971, studierte Publizistik und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie arbeitete zunächst für Profil und Die Zeit, seit 2004 für den Standard. Seit Anfang des Jahres ist sie Redakteurin im ALBUM.

Adressen:

http//www.koenigsberlifte.at
http//www.hollenstein.at

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    Der Klimawandel bekommt schon heute ganz sicher einen Stockerlplatz im österreichischen Wintertourismus.

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