City Lights

4. Dezember 2009, 18:02
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Wenig glaubwürdig war das Bekenntnis, mit dem "Österreich" Donnerstag seine Leser für moderne Kommunikation zu interessieren versuchte

Wenig glaubwürdig war das Bekenntnis, mit dem "Österreich" Donnerstag seine Leser für moderne Kommunikation zu interessieren versuchte: ,Ich bin der erste Affe auf Facebook.' Die Anführungszeichen konnten nichts anderes andeuten als ein Originalzitat, das ja so manchem Affen auf Facebook zugeschrieben werden könnte. Der Affe, um den es geht, kann aber mit einer Zusatzbegabung aufwarten: Wiener Orang-Utan knipst sich selbst ... seine Fotos sind Kult im Internet. Warum nicht? Ist doch bald etwas Kult im Internet, und es wäre gelacht, könnte es ein Wiener Orang-Utan im Internet nicht zum Kulturträger bringen. Was der - laut "Österreich" - alles kann! Schönbrunns Orang-Utan-Dame Nonja bekam eine Digicam geschenkt - seither postet sie selbst geknipste Fotos auf Facebook. Doch das ist nicht alles: Noch viel cooler allerdings. Nonja stellt die Bilder auch gleich auf ihre Internet-Seite. Und überhaupt eine Weltneuheit. Nonja ist der erste Affe, der eine Fanseite in dem Internet-Netzwerk betreibt.

Keine Überraschung daher: Innerhalb von wenigen Stunden sammelte Nonja 1.386 (Stand Mittwoch 22 Uhr) "friends" auf Facebook ein. Ob die begabungsmäßig an Nonja heranreichen, ist die Frage. Die süße Affendame ist übrigens keine Unbekannte. Sie machte schon als Malerin Weltkarriere, fertigte über 250 Bilder mit Pinsel und Farbe an. Für die Kunstwerke wurden über 2.000 Euro bezahlt. Jetzt, wo sie so viele "friends" hat, werden ihre Preise in die Höhe schießen. Da heißt es, sich zu entscheiden zwischen Malerei und Fotografie. Aber vielleicht macht die süße Affendame doch lieber eine Weltkarriere als Twitterin.

Weniger gut auf dem Laufenden wie beim Wiener Orang-Utan war "Österreich", wo es um den Wiener Dompfarrer ging. Dompfarrer Toni Faber will jetzt leisertreten, denn nicht alle seine Schäfchen zeigten sich über sein öffentliches Geständnis in ÖSTERREICH - Führerscheinentzug wegen Trunkenheit - entzückt. Faber will jetzt sein "ungerechtfertigtes Image" korrigieren. Er möchte jetzt verstärkt als City-Pfarrer wahrgenommen werden, der sich auch "stark um Sandler und Arme kümmert."

Dieser Wahrnehmungsverstärkung sollte eine fünfseitige Foto- und Interviewstrecke in "News" dienen, in der Hochwürden in die Gegenoffensive ging, seine Beichte erneuerte, so manches Missverständnis ausräumte, dabei aber alles andere tat als leisertreten. Plausibel konnte er erklären, wie der Apostel Paulus ihm zu den schmückenden Amtstiteln "Richard Lugner der Kirche" und "Harald Serafin der Kirche" verhalf, nämlich durch sein Wort: "Ich versuche, allen alles zu werden, um einige für Christus zu gewinnen." Das wirkt anregend: Auch ich möchte möglichst viele Menschen erreichen. Und da bietet mir die City natürlich mehr als eine Klein-Pfarre am Land. Was hätte der Mann in den Citys von Sodom und Gomorrha leisten können!

Doch auch in der Wiener City ist er gut drauf. Es belustigt mich einigermaßen, wenn Claudia Stöckl und mir jetzt ein gemeinsames Kind angedichtet wird. Das ist mir in meiner 20-jährigen priesterlichen Tätigkeit aber schon das eine oder das andere Mal passiert. Wann immer ich mit einer Frau öffentlich gesehen werde, heißt es gleich: Die haben etwas miteinander. Auch wenn ich einen lieben Freund treffe, werde ich verdächtigt. So sind sie, die Citoyens.

Schicksal eines City-Seelsorgers. Aber er macht sich nichts daraus. Ich glaube zumindest - bei aller Demut - nicht, dass ich für meine Arbeit Schimpfer oder Nachteile im Himmel zu erwarten hätte. Auf Erden, zumal in der Wiener City, kann es da anders zugehen. Wenn dem Kardinal etwas zu Ohren kommt, was ihm keine Freude macht, dann nennt er mich Antonius. Es gibt dann ernst gemeinte Ratschläge und einen lebendigen Austausch.

So etwa, wenn er einen Ausrutscher produziert, wie damals, als ich nach der Segnung einer Bungee-Jump-Anlage am Donauturm selbst gesprungen bin. Das ist Vertrauen in die eigene Arbeit! Aber als ich dann zum Kardinal sagte. "Ich will dir etwas beichten, das kommt heute abend im Fernsehen", da sagt er zu Recht: "Das kannst du nicht beichten, denn es tut dir zu wenig leid oder gar nicht - und du würdest es ja wieder tun."

Solange es nur im Fernsehen, aber nicht in der "Krone" gebracht wird, begnügt sich der Kardinal mit der mahnenden Anrede Antonius. Das ist nicht weiter schlimm, verfügt der City-Seelsorger, der kein Society-Pfarrer mehr sein will, doch über die sinnliche Gewissheit: Ich bin sicher, dass mich Hunderte Engel behüten. Nur die Polizei zweifelte daran. (Günter Traxler; DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nonja aus Schönbrunn.

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