Zusammenhang zwischen Tierliebe und sozialer Kompetenz

6. Dezember 2009, 16:25
30 Postings

Wiener Forscher untersuchten Tierkontakt und soziale Vernetzung im Kindergarten

Wien - Wird durch Tierkontakt eine geringe soziale Vernetzung mit Menschen kompensiert (soziale Kompensationshypothese), oder suchen - im Gegenteil - gerade sozial gut eingebettete Menschen den intensiven Kontakt mit Tieren (soziale Kompetenzhypothese)? So lautete die Ausgangsfrage der von Manuela Wedl unter der Leitung von Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien durchgeführten Untersuchung in einem Kindergarten in Krems. ProtagonistInnen der Studie waren 28 Mädchen und 22 Buben, im Alter von drei bis sieben Jahren.

Welche Vorteile ein Kindergarten als Studienort hat, erläuterte Kotrschal: "Je jünger die Kinder sind, desto stärker und 'natürlicher' ist auch ihre Begeisterung für Tiere. Man kann sagen, dass uns ein Grundinteresse an Tieren in die Wiege gelegt wird, das sich im Erwachsenenalter dann unterschiedlich ausdifferenziert."

Ergebnisse

Die VerhaltensbiologInnen analysierten, welche individuellen und sozialen Faktoren die Intensität und Qualität des Tierkontakts von den Kindern bestimmen. "Sozial gut vernetzte Kinder suchten häufigeren Kontakt zu den Kaninchen. Unsere Ergebnisse widersprechen daher der 'sozialen Kompensationshypothese', denn die sozial eher 'isolierten' Kinder nahmen teilweise gar keinen Tierkontakt auf", erläuterte Wedl die Studienresultate. 

"Auch wenn unsere Studie die 'soziale Kompetenzhypothese' unterstützt, d.h. sozial gut vernetzte Kinder die meisten und längsten Tierkontakte zeigten, können Ausnahmen nie ausgeschlossen werden. Grundsätzlich sind Tiere wichtige Mittler zur eigenen Psyche und eignen sich deshalb für die institutionelle Pädagogik oder Therapie", so Kotrschal.

Unterschiede

Zwischen den Geschlechtern gab es Unterschiede: "Die Mädchen streichelten die Kaninchen häufiger als die Buben. Bei den Knaben standen eher die 'technischen' Tätigkeiten wie Stall ausmisten und Futter besorgen im Vordergrund. Selbstbewusste und 'sozial angesehene' Buben streichelten die Kaninchen aber auch", so Wedl.

Methoden

Die ForscherInnen setzten auf quantitative ethologische und soziometrische Methoden. Neben der Installation einer Videokamera, die festhielt, wer in welcher Form und wie lange mit den Kaninchen interagierte, füllten PädagogInnen und Eltern einen Fragebogen bezüglich der Persönlichkeitsstruktur der Kinder und deren familiären Hintergrund (Geschwister, Haustiere etc.) aus. Zusätzlich war das Spielverhalten der Kinder beobachtet worden. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.