Vorarlberg

Testamentsfälschungen: Wenn sich die Justiz selbst kontrolliert

04. Dezember 2009 18:18
  • Artikelbild
    Foto: christian fischer

    Korruption im fernen Westen. Für die Korruptionsbekämpfer in Wien ist Vorarlberg weit weg, der Betrug am Bezirksgericht Dornbirn wird von den Vorarlbergern selbst untersucht.

In Dornbirn arbeiten sich Mitarbeiter der Justizverwaltung durch die Akten. Ein Rechtsanwalt schlägt eine Kommission vor, das Justizministerium wiegelt ab

Feldkirch/Wien - Sittenbild aus Vorarlberg: Gerichtsmitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft, sie sollen seit mindestens zehn Jahren durch Testamentsfälschungen Geld und Grundstücke in Millionenwert ergaunert haben. Den periodischen Revisionen entgingen die Malversationen ebenso wie den vorgesetzten Richtern. 2002 wurde die Anzeige eines Notars fallengelassen. Die Staatsanwaltschaft fand keine Verdachtsmomente. Auch ein zweiter Hinweis durch einen Richter blieb ohne Konsequenzen.

Erst als ein Notar erneut Zweifel an einem Testament äußert, beginnt sich der Apparat zu bewegen. Die zuständige Richterin löst interne Ermittlungen aus. Ein paar Monate kann der Skandal verheimlicht werden. Als er durch die Verhaftung der Gerichtsmitarbeiter öffentlich wird, setzt das Oberlandesgericht Innsbruck eine Sonderrevision ein. Sieben Tiroler Mitarbeiter der Justizverwaltung, darunter auch solche, die für die periodischen Revisionen zuständig waren, prüfen Dornbirner Aktenberge. Man spricht von 20.000.

Fehlende Kontrolle

"Es gefällt mir nicht, dass die Justiz sich selbst kontrolliert" , verweist Rechtsanwalt Ekkehard Bechtold, der Geschädigte vertritt, auf fehlende Kontrollinstanzen. Man hätte eine Kommission aus Rechtsanwalts-, Notariatskammer und einer Interessenvertretung bilden sollen, sagt der Anwalt. Schließlich gehe es um berechtigtes Interesse, nicht nur der Geschädigten, an lückenloser Aufklärung.

"Absolut und rigoros" würde von der Sonderrevision und der Staatsanwaltschaft geprüft, entgegnet Katharina Swoboda, Sprecherin des Justizministeriums. Andere Untersuchungsorgane seien nicht vorgesehen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass auch Staatsanwälte oder Richter in die Malversationen involviert sind, würde umgehend die Korruptionsstaatsanwaltschaft mit der Untersuchung betraut.

Noch lässt die Korruptionsstaatsanwaltschaft die Feldkircher Staatsanwälte arbeiten. "Wir haben den Vorarlbergern das Verfahren übertragen, weil sie ja schon länger mit der Causa befasst sind" , sagt Sprecher Friedrich Koenig. Den Fall von Wien aus zu betreuen wäre umständlich. Man hätte die in Feldkirch Inhaftierten nach Wien überstellen müssen, die Akten befänden sich alle in Vorarlberg, die Überprüfung der Akten sei an Ort und Stelle einfacher.

Zu weit weg

Mit einem Satz: Vorarlberg ist zu weit weg. Es sei aber dennoch nicht auszuschließen, dass der Fall wieder bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft lande. Darüber habe die Generalprokuratur zu entscheiden. Wie viele Menschen durch die Fälschungen geschädigt wurden, steht noch nicht fest. Ebenso wenig die Schadenshöhe. Was jedoch, so Rechtsanwalt Bechtold sicher ist: "Die Republik wird mit Amtshaftungsklagen rechnen müssen."

Von den drei Tatverdächtigen, die seit zwei Wochen in Untersuchungshaft sind, wurde am Freitag einer entlassen. Gegen den Gerichtsmitarbeiter bestünde kein dringender Tatverdacht, entschied die Haftrichterin. Man ermittle aber weiter gegen ihn.

Wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr vorläufig einen Monat in Untersuchungshaft bleiben die beiden anderen Beschuldigten, ein Rechtspfleger der Grundbuch-Abteilung und ein Immobilienhändler. (Jutta Berger/DER STANDARD-Printausgabe, 5./6.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
Toni Gruber
06.12.2009 11:15
ungeeignet

Der Absahnerberufsstand Rechtsanwalt kann da nicht weiterhelfen ist selbst ein Sanierungsfall. Der dumme Klient würde ja dafür zahlen, dass ihm geholfen wird, und nicht dafür dass er noch ein weiters Mal abgesahnt wird,

Kelborn
06.12.2009 11:08
Italien?

Eigentlich ein Skandal von riesigem Ausmaß! Füe einen Rechtsstaat ist solches Verhalten von Organen der Rechtspflege untragbar, denn dies kann einen ganzen Staat ins Wanken bringen (siehe Verhältnisse in Italien).

Die Straafen können gar nicht hart genug sein! Leider hackt hier eine Krähe der anderen sicher wieder mal kein Auge aus und der Gesetzgeber verkennt die Brisanz!

Solche Leute im Rechtswesen sind ein unermesslicher Schaden für den Staat und stehen Hochverätern in nichts nach, schaden sie doch genauso der demokratischen Rechtsordnung!

Einsperren und persönlich haften bis zum letzten Tag!

monetor
05.12.2009 17:48
man stelle sich vor...

...Rechtsanwalt und Notar sind sich einig und spielen mit: Das ganze nennt sich dann Bezirksgericht Villach.

a b1
06.12.2009 11:45
Korruptionssumpf Villach

Villach ist ohnehin ein Korruptionssumpf. Da geht ein Finanzbeamter teure Kleidung kaufen und beim Zahlen meint er dann "Für's Finanzamt wird das ja wohl nichts kosten *zwinker*", mit Wink auf die nächste Betriebsprüfung.

Zig andere machen Schwarzbuchhaltungen (inkl. "Schubhilfe" durch Betriebsprüfungen), helfen Bekannten selbstbewusst bei der Steuerhinterziehung (gegen ein kleines "Dankeschön"), während Störenfriede schon bei geringfügigen Vergehen ein Finanzstrafverfahren aufgehalst bekommen.

Ein anderer Kerl fühlt sich wie der Verwaltungs-Gott und erwartet "Normalbürger" mit offenem Hemd und Füssen auf den Tisch.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
05.12.2009 17:45
Nur noch 26 Tage

Dann können wir den 365. Superskandal des Jahres feiern und uns auf weitere 365 Superskandale im Superskandaljahr 2010 freuen, welches das Superskandaljahr 2009 bei weitem übertreffen wird.

(Übrigens, da Fischer nochmal antritt: freiwillig auf einer stinkenden Abfallhalde zu thronen, wo alles unter einem verfault, kann doch nicht ernsthaft sein Anliegen für den Ausklang seines Lebensabends sein... - aber vielleicht ist ihm der Zustand der Republik mittlerweile nicht mehr zu vermitteln...das Alter...die Aufnahmefähigkeit läßt nach..., all das...)

onlooker
06.12.2009 23:39
hätten wir nur mehr fischers als politiker,

manche politiker haben es uns schon vorgeführt wie der hase läuft,
fischer wegens seines alters anzugreifen,
finde ich eher schäbig.
braucht nur bestimmte wuzzerln an korrupten managern die von politikern eingesetzt,
wäre nicht die aua ein solcher fall?
oder die öbb?
ein immobilienmakler wird der chef der öbb?
auch ein liebkind von schüssel,
dort müsste man den hebel ansetzen, und nicht
bei einem alten erfahrenen Fuchs wie fischer einer ist,
fischer wusste wie dramatisch in den 30iger jahren die politik versagte,
er glaubt aber an eine GroKo, weil ohne in Ö. nur noch mehr hass geschürt würde,
und nur randgruppen davon zumindest eine zeitlang davon profitieren würden,
ich bin auch kein freund der GroKo, aber immer noch besser als die FPÖ

€girl
05.12.2009 17:32
Selbstkontrolle ist in der Verwaltung wichtig - wegen der Korruption!

Jan Sommer
05.12.2009 18:27
Ja genau - weil ein Fremder tät vielleicht den Mund nicht halten!

js

...nini...
05.12.2009 11:53
"Vorarlberg ist zu weit weg..."

dann muss man halt einige Zuständige von Wien nach Vorarlberg schaffen! Auch wenn sich Vorarlberg gerne als "eigenes Land" sieht, so gehören sie doch noch zu Österreich, nicht zur Schweiz und somit kann es wohl nicht sein, dass man sie quasi ohne höhrere Instanz "herum wurschteln" lässt...man sieht ja, was dabei raus kommt!

another_stranger_me
05.12.2009 17:52
"Vorarlberg ist zu weit weg..."


wenn der "höheren instanz" der weg zu weit ist, ist dies nicht die schuld von vorarlberg

in so einem fall liegt der handlungsbedarf nicht in bregenz, sondern in wien

fizzzzzz
 
06.12.2009 02:00
aussedem is se world in se voralberg tuh smoll!

Toni Gruber
05.12.2009 09:10
wie immer

die Korruptionsstaatsanwaltschaft müsste her, ... zumal schon zahlreiche Vertuschungen stattgefunden haben, das Ganze wird dann wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt, und es bleibt alles wie gehabt.

mitrovic dejan
05.12.2009 03:50
Skurriles verhalten auch in Wien bei Gerichten

http://wien.orf.at/stories/407616/

a b1
06.12.2009 11:48
Gebühren bei Nichtvollziehung

Weiss jemand, ob das Bezirksgericht bei einer verweigerten Pfändung ("da bereits eine kürzlich erfolgte Pfändung erfolglos blieb") die Exekutionsgebühren einbehalten darf?

LCD
05.12.2009 13:37

Apfel und Birnen.
In Wien haben sich die Gerichtsvollzieher in diesen Fällen nicht selbst bereichert, also Peanuts die man mit einem Augenzwinkern hinnehmem kann.

Gregor JOHN
05.12.2009 02:24
Also gut: Vorarlberg ist zu weit weg und too small

friedrich wilhelm voigt
05.12.2009 08:11

das hatte ich ja immer schon irgendwie geahnt :)

haudi
04.12.2009 22:08
passt perfekt

zu einem övp-bundesland ;)

Kelborn
06.12.2009 11:09

Wer ist noch gleich Justitzminister?

another_stranger_me
05.12.2009 17:55

vorsicht, leise

sonst stellt noch jemand die frage, was man am beispiel von wien auf die spö rückschließen könnte

friedrich wilhelm voigt
04.12.2009 22:32

ja das sind halt leistungsträger! die engagieren sich dafür, daß sie genug geld haben - während die anderen faul irgendwelche mindestlohnjobs machen, weil sie sich nicht um aufstiegschancen kümmern. oder als alleinerziehende in der sozialen hängematte liegen.

mattk
04.12.2009 21:13
Sterben ein guter Weg, sein Vermögen zu verlieren.

Nach dem Tod meiner Schwiegermutter wurde dem Schwiegervater nicht einmal der Kontostand auf dem Girokonto "verraten". Der verlassenschafts-Notar hat dann bei der Bank nachgefragt, und da vergass man, den Bausparvertrag "zu erwähnen".

In mir keimt der Verdacht, dass beim Ableben eines Menschen eher öfter das Vermögen in falsche Hände gerät.

Jan Sommer
05.12.2009 18:30
Ein jahrzehntealtes Problem auf das sich schon


diverse Generationen von Filialleitern und Direktoren spezialisiert hatten und haben.

Wie hiess doch gleich die berüchtigte Bankfiliale in Kittsee ?
js

friedrich wilhelm voigt
04.12.2009 19:43

asylwerber karrt man ja auch gewohnheitsmäßig durchs ganze land... wo ist also das problem?

locke15
04.12.2009 19:07
Beamte kontrollieren sich selbst eine Frechheit sondergleichen,gibt es nur in ÖSTERR.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.