Kopenhagen soll der Wendepunkt sein

4. Dezember 2009, 17:43
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Der Kopenhagener Klimagipfel ist der Augenblick, an dem sich alles entscheidet - ob der internationalen Gemeinschaft eine Trendumkehr gelingt, oder ob sie ihre Kinder mit einem enormen Erbe belastet. Von Connie Hedegaard

Es gibt Momente in der Geschichte, in denen die Welt an einer Weggabelung steht. Die Klimakonferenz in Kopenhagen ist so ein entscheidender Moment: Wir können uns für den Weg in Richtung eines grünen Wohlstands und einer nachhaltigen Zukunft entscheiden. Oder wir können uns für den Weg in den Stillstand entscheiden und nichts gegen den Klimawandel tun und unseren Kindern und Enkeln eine enorme Rechnung hinterlassen. Die Wahl ist nicht schwierig.

Das Ziel der dänischen Regierung ist klar und unzweideutig: Wir arbeiten an einem ehrgeizigen globalen Abkommen, das Treibhausgas-Emissionen reduziert und Ergebnisse in den Bereichen Adaptierung, Technologie und Finanzen bringt. Kopenhagen sollte auch einen Termin setzen, bis zu dem ein rechtlich bindendes Abkommen erzielt werden muss.

Zeit ist von äußerster Wichtigkeit. Jeder Tag, der verstreicht, erhöht den Preis und die potenziell katastrophalen Konsequenzen des Klimawandels. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur kostet jedes Jahr der Untätigkeit 500 Milliarden Dollar. Wir müssen das politische Momentum ausnützen, um die Führer der Welt dazu zu bringen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und rasch zu reagieren.

Der Termin Kopenhagen funktioniert. Eine Regierung nach der anderen liefert ihre Beiträge vor der Klimakonferenz im nächsten Monat. Vor kurzem kamen konkrete Ziele von Brasilien und Südkorea, und Russland verbesserte sein Angebot.
Präsident Obama hat amerikanische Ziele verkündet, nicht nur für 2020, sondern - noch viel bemerkenswerter - für 2025 und 2030. Vier Prozent unter dem Wert von 1990 mag nicht das sein, worauf die Welt gehofft hat. Aber die USA scheinen zu wissen, dass der Preis fürs Zuspätkommen ein hoher ist und der Weg zum Erfolg steil: 18 Prozent unter dem Niveau von 1990 im Jahr 2025 und 32 Prozent im Jahr 2030. Neu und besonders ermutigend ist, dass auch China an die internationale Öffentlichkeit tritt. Wir müssen genauer analysieren, was das chinesische Angebot wirklich beinhaltet, das sich auf Normalausstoß bezieht.

All das sind klare Zeichen dafür, dass die Frist, die Kopenhagen setzt, wirksam ist und die Führer dieser Welt den Erwartungsdruck ihrer Bürger, der Wirtschaft und der ganzen Welt spüren. Jetzt ist es Zeit für diese Politiker, die Versprechen an den Planeten einzulösen und in Kopenhagen Ergebnisse vorzulegen.

Dänemark hat nicht festgelegt, dass die Deadline der Dezember 2009 sein soll. Mit dem Bali-Aktionsplan aus dem Jahr 2007 hat die gesamte Welt entschieden, dass COP15 in Kopenhagen der Wendepunkt in der Kampagne sein soll, der die Welt auf einen nachhaltigeren Weg bringt. 192 Länder haben diesen Auftrag unterzeichnet, und jetzt dürfen wir uns diese Deadline nicht entschlüpfen lassen.

Jetzt ist es Zeit zu handeln, und jetzt müssen wir vom politischen Schwung profitieren. Die Führer dieser Welt haben den Bürgern dieses Planeten eine Lösung versprochen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo sie ihrer Verantwortung nachkommen und mit einem ehrgeizigen, wirklich globalen Klimaabkommen in Kopenhagen aufwarten müssen.
Entwicklung und Hilfe

Das Abkommen muss Lösungen für vier Herausforderungen anbieten. Es soll den entwickelten Staaten bindende mittel- und langfristige Ziele einer Treibhausgas-Reduktion setzen. Und es sollte die Wirtschaften der großen Entwicklungsländer auf einen saubereren und grüneren Weg des Wachstums leiten. Es muss Hilfe für jene Länder geleistet werden, die als erste und am härtesten von der Erderwärmung betroffen sein werden. Es muss neue und wirklich zusätzliche Finanzmittel aufbringen - einiges davon muss in Adaptierungen in Entwicklungsländern fließen.

Es muss ein Übereinkommen erreicht werden darüber, wie man zusammenarbeiten kann, um Technologie und Wissen zu entwickeln und zu verbreiten. Das sind die vier Eckpfeiler, die wir in Kopenhagen zu errichten haben. Eine Lösung muss gefunden werden. Wir haben keine Alternative. Wir müssen den Klimawandel in Angriff nehmen, und wir müssen es jetzt tun. Kopenhagen ist die Deadline. Die Zeit ist abgelaufen. Bringen wir es hinter uns! (Connie Hedegaard, DER STANDARD/ 5. 12. 2009. Übersetzung: Gertraud Schneider)

Connie Hedegaard ist Dänemarks Klima- und Energieministerin, künftige EU-Klimaschutzkommissarin und Gastgeberin des UN-Gipfels.

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    Connie Hedegaard hat keine Zweifel: Jetzt ist die Zeit.

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