Ausstellung

Welche Kunst verträgt die Erde?

4. Dezember 2009, 17:16

Die Schau zum Klimawandel in der Royal Academy

Materialschlacht in der Londoner Royal Academy of Arts: Tonnen an Wachs, Stahl und Zement hat die Assistentenarmee von Anish Kapoor verarbeitet. Einige der bombastischen Werke waren im Frühjahr im Wiener Mak zu sehen und wurden unter hohem logistischen Aufwand überführt.

Kapoors Werkschau ist nicht der schlechteste Anlass, über den ökologischen Fußabdruck von Kunst nachzudenken. Ein anderer ist jene Ausstellung, die bis 31. Januar 2010 am entgegengesetzten Ende der Royal Academy läuft. In ihrem Titel Earth ist "art" , also Kunst, enthalten. Aber welche Kunst hält die Erde noch aus?

Antony Gormley etwa hat einen Raum mit Figuren gefüllt. Sie haben nur Rümpfe und Köpfe mit klaffenden Augenhöhlen - und bestehen nur aus Erde und Wasser. Cornelia Parker wiederum hat nach einem beim Roden für Biodieselfläche außer Kontrolle geratenen Waldbrand in Florida verkohltes Holz gesammelt und neu zusammengesetzt. Klein und leicht zu übersehen ist eine Kugel von Kris Martin. Eine Aufschrift warnt vor einem Zeitzünder, der im Jahr 2104 losgehen soll.

Dass die Stiftung Cape Farewell öfter aufscheint - sie unterstützt seit 2001 Kunstschaffende, Positionen zum Klimawandel zu entwickeln -, ist kein Zufall. Ihr Gründer, der Videokünstler David Buckwell, ist einer der Earth-Kuratoren. Einige der Künstler haben ihre Eindrücke von Expeditionen in die Arktis oder an den Amazonas verarbeitet, an denen sie auf Einladung von Cape Farewell teilnahmen. Ansonsten achtet man auf klimaverträgliches Reisen von Kunst und Künstlern.

Eine Alternative fürs Publikum ist der energieschonende Onlinebesuch auf www.royalacademy.org.uk/earth. Konsumationen stammen von nahen Erzeugern und werden auf Recyclingmöbeln serviert.

Am schlechtesten sind die eigens für die Schau entstandenen Beiträge. Tracey Emin etwa sinniert über Liebe unter Vögeln und bringt im Wesentlichen ihre Klatschspaltenprominenz ein. Immerhin ein immaterieller Faktor und damit ökologisch astrein. (Stefan Löffler aus London, DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.12.2009)

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