Meina Schellander

"Ich begebe mich auf mehrere Wege gleichzeitig"

4. Dezember 2009, 17:08
  • Artikelbild
    foto: heribert corn

    Verspannungskünstlerin Meina Schellander verknüpft ihre Seelenlandschaften mit der realen Welt.

  • Artikelbild
    bild: meina schallander
  • Artikelbild
    bild: meina schallander
  • Artikelbild
    bild: meina schallander

    "Composite elements", eigens für den STANDARD gestaltet.

Für den STANDARD hat die Künstlerin Meina Schellander "Composite Elements" gestaltet

Neue Kompositionen früherer Arbeiten, in denen sie ihrer Kunst Momentaufnahmen aus der Natur gegenüberstellt.

***

Wien - Natur heilt heißt eine Arbeit aus ihrer Serie Zeit-Land-Anteile: Fotografien vom Himmel, von vertrockneten Sonnenblumen, Baumrinden, Waldstücken, Stoppelfeldern stellt sie Zeichnungen gegenüber; greift die Formenvielfalt der Natur auf, entwickelt sie weiter. Spinnt sie fort.

Oder sie hängt riesige Fotos in die Landschaft, ein über die Straße gespannter, buchstäblich spannender Dialog zwischen realer und Kunstlandschaft. "Mein eigener Innenraum besetzt mich stärker als der, den ich außen sehe. Und wenn ich sage: Ich bin leer, dann bringe ich genau diesen Leerraum in die Kunst. Wir sind alle Teil dieses Kosmos."

Seit den 1970er-Jahren verknüpft Meina Schellander ihre inneren Räume mit der Außenwelt, ihre Seelenlandschaften mit der Natur. Manchmal tut sie das im wahrsten Sinn des Wortes, umnäht und umschlängelt Kirchen und Häuser mit dicken Seilen: "Ich kann das in mich aufwickeln wie auf eine Spule und dann wieder abwickeln."

Composite elements nennt Verspannungskünstlerin Meina Schellander jene Serie, die sie eigens für diese Klima-Schwerpunktausgabe des Standard gestaltet hat: Kompositionen aus verschiedensten Phasen ihres Schaffens, versehen mit Sprache und neuem Sinn. In neuem Licht. "Ich arbeite in großen Bögen. Bei mir ist alles in Schichten aufgebaut: malerisch, zeichnerisch, sprachlich. Ich begebe mich immer auf mehrere Wege gleichzeitig."

Geboren 1946 als Tochter einer Schneiderin in Ludmannsdorf in Kärnten, wurde ihr die Liebe zum Faden, die Faszination der Linie schon in die Wiege gelegt: "Meine Mutter hat Tag und Nacht genäht. Und ich habe ihr geholfen, vor allem in den Ferien habe ich mitgearbeitet, von klein auf eingefädelt." Die Mutter, erinnert sich die Künstlerin, habe ohne exakte Schnitte genäht: "Sie hat auf den Menschen, auf den Körper, hingearbeitet. Bei mir passiert nichts anderes. Ich sehe den Platz und arbeite auf ihn hin. Ich sehe den Raum und weiß, was ich zu tun habe. Wenn es passt, dann bin ich glücklich. Dieses Glückserlebnis lässt sich kaum ersetzen."

Steinschwere Kunst

Ursprünglich wollte das Mädel vom Land ihr Glück als Volkschullehrerin finden. Aber kurz vor der Matura ermunterte sie die Zeichenlehrerin zur Aufnahmsprüfung an der Akademie in Wien. Schellander studierte Grafik bei Maximilian Melcher, machte ihre ersten Bewusstseinsskizzen, las Wittgenstein, schrieb das Manifest Das kranke Haus der kranken Gegenstände und wuchs nach zwei Jahren an der Akademie mit ihren Objekten prakatisch über sich und die Meisterklasse hinaus. In ihrem winzigen Studentenzimmer mussten die Fenster immer offen bleiben, denn "Teile der Objekte haben durch das Fenster ins Freie geragt".

Meina Schellander, alleinerziehende Mutter einer mittlerweile erwachsenen Tochter, ist keine, die sich von der normativen Kraft des Faktischen zu Kompromissen zwingen lässt, nur um eventuell ein bisschen sorgenfreier leben zu können. "Brav Bilder malen, zu einer Galerie gehen und ausstellen: Das war mir suspekt. Mich interessieren so viele Dinge, da kann ich nicht sagen: Danke, das passt nicht in mein Vokabular."

Mit Steinen, die schon von der Natur abgerieben und geformt sind, arbeitet sie besonders gern. Ein Stein, siebzehn Tonnen schwer, "ein Trumm, das aussieht wie ein Untier", wartet beispielsweise seit 1976 darauf, von ihr in Kunst umgewandelt zu werden. Immer wieder muss sie größere Projekte unterbrechen, weil das Geld fehlt. "Und irgendwann fragt man sich dann schon: Kann ich das nach 20, 30 Jahren überhaupt noch so machen wie geplant?" Anfangs wurde die Künstlerin von der Mutter unterstützt. "Das Wenige, das sie hatte, hat sie immer mit mir geteilt und ist zu mir gestanden - auch während meiner kritischen Phasen." Kleine Pause: "Und die sind eigentlich eh immer da." Auch wenn sie mittlerweile ganz gut verkauft, vor allem kleinere Arbeiten: "Die liebe ich selber. Aber die wollen andere auch. Von den großen Arbeiten gäbe es jede Menge, von denen ich mich losreißen könnte. Die lagern in Kartonagen, fein säuberlich beschriftet. Keiner kommt und holt das ab."

Ihre erste große Arbeit im öffentlichen Raum realisierte sie1973 mit dem Findling im Kärntner Krastal: ein riesiger, tonnenschwerer Stein, meterhoch über dem Boden schwebend; und ein bisschen schwebte und schwang die Künstlerin mit, bei Wind und Wetter, die Innenwelt in der Außenwelt in der Kunstwelt:

"Ich war scheinbar immer bestrebt, die Schwere aufzulösen. Das Gewicht, das einen belastet, vom Boden aufzuheben, aber trotzdem real im Raum zu bleiben." (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.12.2009)

  • Die grünen Katzen von Peking [10]

    TitelbildChinas boomende Wirtschaft belastet das Klima. Pünktlich zu Beginn des Kopenhagener Gipfels schreibt sich die Regierung in Peking den Schutz der Atmosphäre auf ihre Fahnen und kündigt ein Maßnahmenpaket an

  • "Ein Leck wird uns alle versenken" [3]

    Klima erkennt die nationale Souveränität nicht an: Der effektive Klimaschutz ist zum Scheitern verurteilt, wenn in Kopenhagen nicht die gesamte Staatengemeinschaft eine Einigung erzielt. Von Kofi Annan

  • Unsere kleine Bio-Farm

    TitelbildBiologisch angebautes Obst und Gemüse wird auch in den USA, dem Land der Gentechnik und Großfarmen, zum Trend. Auch wenn es einige Hürden gibt – wie ein Besuch auf der Berry Patch Farm nahe Denver zeigt

  • "Ich begebe mich auf mehrere Wege gleichzeitig" [3]

  • Pilotprojekt in Pink [4]

    TitelbildDie scheinbar harmlose kleine Sanierung einer Bipa-Filiale in der Wiener Kärntner Straße könnte mächtig Vorbildwirkung haben. Denn hier wurde nicht "thermisch saniert", sondern gesamtheitlich energieeffizient optimiert

  • Der Auslauf auf der Kärntner Gracht [1]

    TitelbildDer Klimawandel verantwortet, dass sich die Gegend um den Weißensee alle Jahre im Jänner in eine niederländische Provinz verwandelt. Weil in Friesland die Grachten nicht zufrieren, kommen die Eisschnellläufer.

  • Ein Land probt den Untergang [24]

    TitelbildDie Malediven gehören zu den ersten Staaten, die das Meer bis zum Ende dieses Jahrhunderts verschluckt. Mit spektakulären Aktionen versucht Präsident Nasheed die internationale Gemeinschaft wachzurütteln

  • "Die Politiker werden den Misserfolg schönreden"

    Der dänische Wirtschaftsexperte Björn Lomborg wirft immer wieder aufsehenerregende Thesen in die Klimadiskussion. Andreas Stangl sprach mit ihm über seine Erwartungen an den Kopenhagener Klimagipfel

  • "Wir sind keine Lemminge" [15]

    TitelbildAchim Steiner ist der Welt oberster Umweltschützer. Über einen möglichen Deal in Kopenhagen, den Umbau der Weltwirtschaft zur "Green Economy" und die Pflicht zum Optimismus sprach er mit Bernhard Pötter

  • Reger Handel mit verschmutzter Luft [24]

    An der Leipziger Strombörse EEX werden ab Jänner 2010 auch die Klimazertifikate versteigert

  • "Wir würden in einer anderen Welt leben" [14]

    Der Mensch stirbt zwar nicht aus, die Folgen der Erderwärmung um mehr als zwei Grad wären aber drastisch: Der Klimaforscher Ulrich Foelsche plädiert im Gespräch mit Thomas Trenkler für sofortige Maßnahmen zur CO2-Reduktion

  • Recycelt und solarbetrieben [1]

    TitelbildSamsungs erstes Touchscreen-Handy mit Ökotouch

  • Ambitionierte Dänen in der Klimazwickmühle [1]

    Das Gastgeberland hat sich Nachhaltigkeit verordnet, wird diesen Ansprüchen aber oft selbst nicht gerecht

  • Ausstellung

    Welche Kunst verträgt die Erde?

    Die Schau zum Klimawandel in der Royal Academy

  • "Man kann ja nie wissen, wann der Putin den Hahn zudreht" [3]

    Energieberatung für das Gewerbe: Check um 100 Euro

  • Die magische Zahl 20 – und wie sie zu erreichen ist [4]

    TitelbildUnabhängig davon, was bei den Verhandlungen in Kopenhagen herauskommt: Die EU will bei den Treibhausgasen bis 2020 minus 20 Prozent erreichen. Das ist ambitioniert und greift in viele Bereiche ein

  • Interview

    "Politiker sind Menschen verpflichtet, nicht Ölfirmen" [73]

    TitelbildRajendra Pachauri, will den Delegierten in Kopenhagen ins Gewissen reden. Ohne verbindliche CO2-Reduktion drohten Not und Elend

  • Brave machen keine Spritz-Touren

    TitelbildEinen klimaneutralen Wein aus Österreich gibt es seit März 2009. Seit wenigen Tagen ist das Stift Klosterneuburg als erstes österreichisches Weingut in seiner Gesamtheit als klimaneutral zertifiziert

  • Der Schnee von heute

    TitelbildDer Klimawandel betrifft nicht nur Küstenregionen anderer Kontinente, sondern auch Skigebiete hierzulande, etwa den Königsberg in Hollenstein an der Ybbs in Niederösterreich. Ein Beispiel

  • Eine Architektur-Insel auf höchstem Standard

    Das "Platin-Haus" ist ein Vorreiter der grünen Bauweise

  • Der Gipfel des Wollens

    In Kopenhagen verhandelt die Weltgemeinschaft über ein neues Klimaabkommen. Trotz vieler politischer Willensbekundungen bleibt die Kluft zwischen den Staatengruppen groß. Ein Erfolg ist ungewiss

  • Regelmäßig stoßlüften statt kippen

    Energieberater kommen ins Haus und inspizieren Fenster, Küchengeräte und Therme

  • "Europas Vorsprung ist geschmolzen"

    TitelbildMiranda Schreurs, international führende Umweltpolitikexpertin, über ihre Kopenhagen-Erwartungen, die Zukunft der Kernkraft und Österreichs Umweltbilanz

  • Dick eingepackt zum Klimagipfel

    Mit Grönlands Eisbergen und schockgefrorenen Autos greift Kopenhagen das Thema Erderwärmung auch künstlerisch auf - mitten im eisigen Winter

  • Wer die Wahl hat, hat die Qual [2]

    TitelbildAl Gores neues Klimabuch erhebt hohe Ansprüche. die es nicht immer einlöst. Die Tiefe und Breite der Analyse machen es dennoch lesenswert

Angus Parvis
00
6.12.2009, 20:08

EIGENS für den STANDARD! Große Kunst!

holly wut
 
00
10.12.2009, 21:54

Ich kenne sie! Von der Wetter-Seite! Stimmt´s?

johann potakowskyj
 
00
9.12.2009, 09:47
ein standardkunstwerk

... eben

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.