Konservative Galionsfigur für den Klimaschutz

4. Dezember 2009, 17:09
posten

Connie Hedegaard ist Gipfel-Gastgeberin in Kopenhagen

Einen Klimagipfel, der ohne einen Vertrag zu Ende geht, würde sie als Scheitern empfinden. Zu sehr hat sich Connie Hedegaard in den letzten Wochen dafür ins Zeug gelegt. Sie hat Staats- und Regierungschefs auf unzähligen Treffen ins Gewissen geredet, um doch auf ein rechtlich verbindliches Abkommen hinzuarbeiten. Und ihre Stimme hat Gewicht, wird sie doch künftig den neugeschaffenen Posten einer EU-Klimakommissarin bekleiden.

Dass eine Konservative so engagiert Klimaschutz macht, ist in Dänemark nicht ganz selbstverständlich. Gegnerische Parteien und Umweltschutzgruppen bezeichnen sie gerne als „grünes Blatt einer ansonsten kohlschwarzen Regierung“. Diese Kritik zielt darauf ab, dass in ihrer Zeit als dänische Umwelt- und später Klimaschutzministerin der Ausbau der Windkraft stagnierte, die auf Kohle basierende Elektrizitätsbereitstellung aber zunahm.

Ihre fachliche Kompetenz ist unbestritten. Dass Klimaschutz und ein konservatives Weltbild nicht zusammengehen sollen, ist für Hedegaard nicht einsichtig. Umwelt und Natur für nächste Generationen bewahren zu wollen sei doch ein typisch konservatives Anliegen, sagte sie in einem Interview der New York Times.

Früh hat sie sich als „Spin-Doctor“ in Umwelt- und Klimaschutzfragen einen Namen gemacht. In ihrem Buch „Als das Klima zur Bedrohung wurde“ thematisierte die studierte Literaturwissenschafterin und Historikerin die persönliche Verantwortung, die jeder in Bezug auf den Klimawandel trage. Die heute 49-Jährige wuchs mit zwei jüngeren Brüdern in Holbaek auf, einer Kleinstadt westlich von Kopenhagen. Ihre Eltern führten dort einen Kiosk. Während des Studiums entdeckte sie ihre politische Ader; sie engagierte sich bei konservativen Studentengruppen und begann gleichzeitig, für die Zeitung Berlingske Tidende zu schreiben. Nach Abschluss des Studiums arbeitete sie beim staatlichen dänischen Rundfunk.

Für die verheiratete Mutter zweier Söhne resultiert aus dieser Zeit, dass sie gut mit Medien umgehen kann. Das US-Magazin Time zählte sie heuer zu den einflussreichsten Persönlichkeiten weltweit. Und im STANDARD-Interview im Sommer sagte sie, dass es nichts bringt, wenn unangenehme Klimaentscheidungen aufgeschoben werden: „Es wird nur teurer.“ (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.12.2009)

Share if you care.