Viel Steuergeld für Wiener SP-Museum

4. Dezember 2009, 17:02
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Glorifizierung des "Roten Wien"

Wien - Demnächst wird im Waschsalon des Karl-Marx-Hofes eine Dauerausstellung eröffnet, die anhand von Devotionalien (Plakate, Fahnen, Büsten, Abzeichen und Medaillen) Das Rote Wien glorifiziert. Betrieben wird das Museum von einem Verein mit dem Namen Sammlung Rotes Wien. Als Obmann fungiert der ehemalige SP-Finanzstadtrat Sepp Rieder, als dessen Stellvertreter der ehemalige SP-Finanzminister Karl Lacina.

Solange die Sozialdemokraten in Wien noch mit absoluter Mehrheit herrschen, haben Rieder und Lacina leichtes Spiel: Sie suchten bei Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny um einen Investitionskostenzuschuss in der Höhe von 120.000 Euro und eine Förderung der Ausstellungsgestaltung um 45.000 Euro an. Die beiden Beträge, insgesamt 165.000 für das Jahr 2009, wurden kürzlich im Kulturausschuss bewilligt - gegen die Stimmen der Opposition.

Marco Schreuder von den Grünen meint: "Die geschichtliche Bedeutung des Roten Wien in den 1930er-Jahren ist sicher groß, aber in einem Wahljahr einseitige SPÖ-Propaganda zu finanzieren, bedeutet, die Bevölkerung und die Opposition für dumm zu verkaufen."

Die Befürchtung, dass die Geschichte des "Roten Wien" tendenziös dargestellt werde, legt die Projektbeschreibung nahe: Zu sehen sein werden vor allem "Leihgaben diverser Bezirksorganisationen (bzw. anderer Organisationen im Umfeld der Wiener SPÖ)" , als Zielpublikum nennt man u. a. "ausländische Gäste der Stadt Wien oder der Partei" - und auch Schüler "im Rahmen des Unterrichts (etwa in politischer Bildung)" , was Schreuder bedenklich erscheint.

Zudem erwartet der Verein, dass der Betrieb des Museums ab 2010 von der Stadt finanziert wird. Im Förderansuchen führt man als "laufende Kosten" an: Betriebskosten Wiener Wohnen 12.000 Euro, Strom und Gas 12.000 Euro, Wartung und Bürokosten 6000 Euro, Miete für die Wohnung des Vereins der Freunde des Karl-Marx-Hofes 3500 Euro, Produktionskosten für eine jährliche Sonderausstellung 25.000 Euro - und ein nicht näher quantifiziertes Budget für Veranstaltungen. Das macht also sicher mehr als 60.000 Euro pro Jahr aus. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.12.2009)

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