Hydraulisch zur Weltherrschaft

6. Dezember 2009, 13:52
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Forscher widmeten sich der Evolution der Blütenpflanzen, um deren Erfolgsgeheimnis zu lüften

Launceston - Bedecktsamer (Angiospermae; im allgemeinen Sprachgebrauch oft auch einfach mit Blütenpflanzen gleichgesetzt) sind heute diejenige Gruppe aus dem Pflanzenreich mit der größten Artenvielfalt. Noch wichtiger ist ihre biologische Dominanz aus menschlicher Perspektive: Nahezu alle unsere Nahrungspflanzen gehören zu den Bedecktsamern.

Über 400 Millionen Jahre liegt es zurück, dass die ersten Pflanzen die Landmassen der Erde besiedelten - Blütenpflanzen sind im Vergleich dazu eine relativ junge Errungenschaft der Evolution: Im Zeitraum zwischen 140 und 100 Millionen Jahren vor unserer Zeit traten die Bedecktsamer ihren globalen Siegeszug an und konnten sich durch ihre neuartige Fortpflanzungsweise an die unterschiedlichsten Nischen anpassen - bis hin zu den Arten, die mit Insekten oder anderen Bestäubern Symbiosen eingingen, die den Fortpflanzungserfolg weiter optimierten. US-amerikanische und australische Forscher widmeten sich der Bedecktsamer-Evolution und fanden dabei einen weiteren und vielleicht sogar den entscheideden Vorteil dieser Pflanzen gegenüber den älteren Nacktsamigen Pflanzen (Gymnospermae). Und dieser Grund liegt in der Hydraulik, wie in der Zeitschrift "Ecology Letters" berichtet wird.

Der entscheidende Schritt

Tim Brodribb von Universität Tasmanien und seine Kollegen sehen das Erfolgsgeheimnis in den Blattadern der Bedecktsamer. Der Wassertransport der Pflanzenblätter ist eng mit deren Fähigkeit zur Photosynthese verbunden - besonders bei relativ niedrigem CO2-Gehalt der Atmosphäre. Wird diese Hydraulik optimiert, wie es das dichte Blattadern-Netz der Bedecktsamer tut, stärkt das die Photosynthese, was im Wettkampf der Evolution ein entscheidender Vorteil ist. "Ohne ihr verbessertes hydraulisches System würde die Blattphotosynthese zweimal niedriger sein", so die Forscher.

Der Evolutionsschritt der dichten Blattadern gelang den Blütenpflanzen in dem Zeitraum, als sie ihre erste große Diversifikation erlebten. Er bedeutete einen wichtigen Stimulus der Produktivität in der Kreidezeit und half den Pflanzen dabei, ihre wichtige Rolle für Biologie und Atmosphäre einzunehmen, erklären die Forscher. "Erst durch ihre Hydraulik wurden die Blütenpflanzen derart produktiv und ermöglichten in Folge die heutige Biologie wie auch die menschliche Zivilisation." (red/pte)

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