Ein Kind verschwindet

4. Dezember 2009, 17:34
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Friedrich Anis "Totsein verjährt nicht", erschienen im Wiener Zsolnay-Verlag

Drei Jahre, nachdem Kurt Hochfellner, Angestellter eines für die Stadt tätigen Busunternehmens, die Grundschülerin Scarlett Peters zum letzten Mal gesehen hatte, wurde ein vierundzwanzigjähriger geistig zurückgebliebener Mann wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt." Bereits auf der ersten Seite von Friedrich Anis neuem Buch wird der Leser darauf vorbereitet, dass der Fall nicht gelöst ist. Die damalige Soko, die von Polonius Fischer geleitet wurde, hatte keine Spuren gefunden; erst nach der Ablöse des Zweiflers Fischer wurde der aufgebrachten Öffentlichkeit ein Sündenbock präsentiert.

Nun, sechs Jahre nach dem Abschluss des Verfahrens und nachdem die Leiche des Kindes immer noch nicht gefunden wurde, schreibt ein Jugendlicher Polonius Fischer einen Brief. Er habe das verschwundene Mädchen gesehen. Fischer fängt an, alles wieder aufzurollen. Dass ihn die Kollegen für irrsinnig halten, macht ihn nur noch hartnäckiger. Außerdem balanciert er ohnehin am Rande seiner geistigen Gesundheit, denn seine Freundin, eine Taxifahrerin, wurde überfallen und liegt in der Intensivstation. Mit psychischen Ausnahmesituationen hat der ehemalige Benediktinermönch seine Erfahrungen. Ani ist eine Kategorie für sich. Seine aus allen Rahmen fallenden Figuren faszinieren; es ist zudem eine reale Geschichte, die hier erzählt wird, aber was Ani dar-aus macht ist viel mehr als die Aufklärung eines Verbrechens und die Rehabilitierung eines Unschuldigen. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.12.2009)

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www.krimiblog.at

Friedrich Ani, "Totsein verjährt nicht". € 20,50 / 285 Seiten. Zsolnay, Wien 2009

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