Niemand ist davor gefeit

4. Dezember 2009, 17:33
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Fälschungen gehören zum Alltag des Kunstmarktes. In Österreich betrifft es aktuell Arbeiten von Max Weiler und Alfons Walde.

Hätte Yvonne Weiler die Wahl, dann würde sie sich derzeit lieber ausschließlich den Vorbereitung zur Weiler-Ausstellung Die Natur der Malerei (Essl Museum, März 2010) widmen. Vor kurzem platzte der unbeliebteste aller Zeitdiebe in ihr Tagesgeschäft, eine Fälschung, wieder einmal: Vor einigen Jahren sah sie sich bereits mit einem dreisten Fall konfrontiert. Die von ihrem verstorbenen Mann stets so genannten "Probierblätter" , auf denen er Pinsel abtupfte oder Farbmischungen testete, kursierten, um Signaturen wie Datierungen ergänzt, als Kunstwerke im Wiener Handel. Die Quelle war ein ehemaliger Ateliergehilfe, die gerichtlichen Erhebungen wurden jedoch eingestellt. Begründung: Der Beschuldigte sei altersbedingt nicht vernehmungsfähig. Solche Blätter dürften bis heute im Umlauf sein.

Das aktuelle Ärgernis ist von anderer Beschaffenheit: Ein Antiquitätenhändler (Name der Redaktion bekannt) hatte dem Dorotheum eine 80 mal 60 cm große Arbeit, signiert und datiert mit "Weiler 53" zur Begutachtung vorgelegt. Elke Königseder konnte nur mit der Hiobsbotschaft dienen, zur zusätzlichen Absicherung warf auch Yvonne Weiler einen Blick darauf und bestätigte die Fälschung.

Auf ihre Frage, woher er das Bild habe, erklärte dieser, dass er es bei Herrn Pik (Name von der Redaktion geändert) erworben habe. Für 35.000 Euro, einen Freundschaftspreis, denn im Falle der Echtheit läge der Marktwert bei etwa 120.000 Euro. Die verheißungsvolle Trouvaille entpuppte sich wie so oft als absoluter Reinfall.

Gegenüber Weiler gab Herr P. an, er selbst habe es wiederum von einem Privatbesitzer, sei also nur die Zwischenstation gewesen.

Nicht das erste Mal, betonte Weiler in einem Gespräch mit dem Standard. Im März 2008 war in einer renommierten Kunsthandlung (Name der Redaktion bekannt) eine andere Weiler-Fälschung aufgetaucht, die zuvor ebenfalls bei Herrn P. stationiert gewesen sein soll. Das Ergebnis: Das Geschäft wurde rückabgewickelt, der Fälscher wurde nie entlarvt, der Verbleib des Falsifikats ist derzeit unbekannt.

Exakt diese Situation wollte Yvonne Weiler jetzt verhindern und erstattete im Namen der MaxWeiler-Privatstiftung gegen Herrn P. und unbekannte Täter Anzeige wegen versuchten Betrugs. Für den verdächtigten Herrn P. gilt die Unschuldsvermutung. Gleichzeitig beantragte ihr Rechtsvertreter Nikolaus Lehner bei der Staatsanwaltschaft die Sicherstellung der Fälschung, bis Redaktionsschluss stand diese noch aus.


Heikles Thema in der Branche


Dem Standard erklärt Herr P., diese befände sich mittlerweile wieder bei ihrem ursprünglichen Besitzer. Er selbst fühle sich ungerecht behandelt. Derlei passiere trotz aller Erfahrung doch jedem Kunsthändler. Ihm sei das Werk zufällig in die Hände gefallen, und der Betrag, um den es gehe, sei ja geradezu lächerlich.

So beredsam die Vertreter der Branche sonst sein können, beim Thema Fälschung macht man die Schotten dicht. Zu groß ist die Angst, den Markt zu verunsichern und potenzielle Interessenten zu verscheuchen. Dabei gehört es zum Alltag, bestätigt auch Otto Hans Ressler. Die letzte Fälschung habe er erst vor wenigen Stunden in Händen gehalten. Das beste Rezept zur Vermeidung von Fehlkäufen: Wissen, eigenes oder jenes von Spezialisten, nebst gesundem Misstrauen bei zu günstigen Angeboten. Verfälschungen - also der Wandel von der Kopie zum Original oder das um eine neue Signatur aufgepäppelte Werk - hätten gegenüber Komplettfälschungen die Oberhand, betont Ressler.

Niemand sei davor gefeit, selbst "im Kinsky" nicht: 2005 wechselte hier ein mit der Echtheitsbestätigung Guta Bergers (Tochter des Künstlers, Anm.) ausgestatteter Alfons Walde (Begegnung, 1913) für netto 28.000 Euro den Besitzer. 2007 stand der damalige Käufer mit einer Expertise in der Tür, wonach es sich bei dem kleinen Ölbild um eine Fälschung handle. Das Geschäft wurde sofort rückabgewickelt. Den Einbringer traf man vor Gericht, da er den Kaufpreis nicht zu retournieren gedachte. Schließlich hätte sich das Auktionshaus doch um ein weiteres Gutachten bemühen können, wenn jenes von Guta Berger - die als Beteiligte des Prozesses lange Zeit bei ihrer Einschätzung blieb - nicht ausreichend glaubwürdig schien. In letzter Instanz wurde der Einbringer erst kürzlich auf Rückzahlung verurteilt. Noch lagert das Corpus Delicti im Auktionshaus, könnte aber schon in den nächsten Tagen abgeholt werden.

Eine Vernichtung der Fälschung könnte nur über eine Klage erwirkt werden, die wiederum nur vom Künstler selbst bzw. von den Erben seines Nachlasses eingebracht werden muss. Würde dieses Bild, betont Ernst Ploil, Rechtsanwalt und "im Kinsky" -Teilhaber, irgendwann später dennoch verkauft, fiele das in die Kategorie gewerbsmäßigen Betrugs. Strafmaß: Freiheitsentzug bis zu fünf Jahren. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auch dieses Werk kam 2008 als Max Weiler in den Wiener Kunsthandel. Laut Yvonne Weiler ist das Gemälde eine plumpe Fälschung. Der Verbleib des Bildes ist allerdings unbekannt.

  • 2005 als Alfons Walde verkauft. Laut Expertise ist "Begegnung"  (1913) aber eine Fälschung.
    foto: im kinsky

    2005 als Alfons Walde verkauft. Laut Expertise ist "Begegnung" (1913) aber eine Fälschung.

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