Multitasking für Dummies

4. Dezember 2009, 15:30
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Gleichzeitig-Tun will gelernt sein

In Krisenzeiten ist Muße ein Luxus, den sich nur noch Multimillionäre leisten können. Der gemeine Werktätige hingegen muss multitasken. Multitasken ist die konsequente Anwendung des maximalen Effizienzprinzips im Alltag. Keine Minute vergeuden. Hechelnde Leistungsbereitschaft rund um die Uhr. Sich gebärden wie der vielarmige indische Gott Shiva. Gleichzeitig Straßenbahn fahren und Pizza essen usf.

So weit, so effizient. Leider ist beim Thema Multitasking das Stilempfinden weiter Bevölkerungskreise weniger ausgeprägt, als man sich dies wünschen würde. Daher ein Warnhinweis auf die Top drei der Multitasking-Tätigkeiten, die sich nur schlecht kombinieren lassen:

  • Kopulieren und Zeitunglesen: Zeitunglesen beim Geschlechtsverkehr hat unbestreitbare Vorteile: Man hält sich auf dem Laufenden, bildet und amüsiert sich ("Nicht so schnell, Schatz, ich will noch diese Kolumne fertiglesen" ). Allerdings ist mit der Möglichkeit zu rechnen, dass der Kopulationspartner die Zeitungslektüre als Ausdruck mangelnder Leidenschaftlichkeit interpretieren könnte. Unauffälligere Multitasking-Alternative für alle, die auf ihren sexuellen Ruf Wert legen: Kopulieren und Radiohören.
  • Kaugummikauen und Gehen: Kein Einwand dagegen, sofern man die simultane Ausführung beider Tätigkeiten beherrscht. Wer Probleme hat, setzt sich der Gefahr der üblen Nachrede aus. Lyndon B. Johnson charakterisierte seinen Nachnachfolger Gerald Ford mit den Worten: "Ford ist so dumm, dass er nicht gleichzeitig gehen und Kaugummi kauen kann" . Also Vorsicht.
  • Zugfahren und Urinieren: Auch das ist nicht jedermanns Sache. Indiz für die Unvereinbarkeit beider Aktivitäten: Beim Aufsuchen der Zugtoilette wird der ÖBB-Fahrgast ab und zu (ich kürzlich auf einem Kurztrip nach Graz) mit dem Phänomen munterer Urinbächlein konfrontiert, welche ihm beim Öffnen der Tür aus dem Inneren des Klos entgegenrinnen. Als Verursacher solch feuchtfröhlicher Szenen vermute ich sorglose Stehpinkler, die, warum auch immer, nicht willens oder in der Lage waren, die Fahrtbewegungen auf kurvenreichen Strecken oder scharfe Bremsmanöver mit einem präzisen Schwenk des Harnstrahls auszugleichen.

Vorteil dieser Multitasking-Variante: Macht verspielten Amateurludlern mächtig Spaß. Nachteil: Ein nur beschränktes Erheiterungspotenzial für ÖBB-Reinigungspersonal und Mitreisende. (Christoph Winder, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.12.2009)

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