Rohstoff- und Chemieaktien fester

4. Dezember 2009, 14:57
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Der europäische Markt hat sich diese Woche von der kurzweiligen "Dubai- Krise" erholt. Der Stoxx 600 konnte um 2,70% auf 246 Punkte zulegen. Die Marktbreite dabei war beeindruckend. Alle 19 Sektoren verzeichnet Zugewinne. Dies kann als positives Zeichen für die Stabilität des Marktes interpretiert werden.

Rohstofftitel und Chemieaktien setzten ihre relative Outperformance fort und liegen auf Monatssicht nun je 14% im Plus. Der Markt selbst konnte seit einem Monat 5% zulegen. Der Technologiesektor ist hingegen auf Wochen und Monatssicht weiterhin die von Investoren am meisten gemiedene Branche. Banken und Versicherungen tendieren weiterhin mit dem Markt. Rohstoffe wie Kupfer (+2,4%), Aluminium (+5,19%) und Gold (+2,7%) setzten ihren Aufwärtstrend ungemindert fort. Rohöl blieb stabil bei USD 76. Die implizierte Volatilität des DAX gemessen am VDax sank leicht um 2,4 auf 23,19 Punkte. Am Rentenmarkt kam es ebenfalls zu keinen großen Kursänderungen. Der Bundfuture steht bei 123 Punkten und die 10-jährigen Bunds tendierten beinnahe stabil bei 3,13% (+0,02). Der Euro steht unverändert bei USD 1,50.

Die EZB gab bekannt mit dem Ausstieg aus ihrer krisenbedingt expansiven Geldpolitik zu beginnen. Speziell im mittel- und langfristigen Refinanzierungsgeschäft mit den Banken ergeben sich wichtige Änderungen. So wird der nächste Ein-Jahres-Tender Mitte Dezember nicht nur der letzte seiner Art sein, sondern zudem nicht mehr zum Leitzins durchgeführt werden. Darüber hinaus wird Ende März letztmalig ein Refinanzierungsgeschäft mit sechsmonatiger Laufzeit stattfinden.

EZB BIP-Prognose

Die Aussichten für die Konjunktur im Euro-Raum haben sich laut EZB in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Die Volkswirte der Notenbank erhöhten gestern ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr deutlich. Sie trauen der Eurozone inzwischen einen Anstieg des BIP 2010 um 0,8% zu. Bisher hatten sie nur mit einem BIP-Zuwachs um 0,2% gerechnet. Für 2011 rechnet man mit einer weiteren leichten Wachstumszunahme auf 1,2%. Die Inflationsrate im Euroraum wird nach EZB-Einschätzung ebenfalls nur sehr langsam ansteigen, auf 1,3% im nächsten Jahr und 1,4% im Jahr 2011.

Mit 53.7 Punkten bestätigte der finale EMI der Eurozone die Vorabschätzung und verzeichnete damit die höchste Wachstumsrate in der Eurozone seit zwei Jahren. Die Hauptwachstumsimpulse lieferte im November erneut die Industrie, womit sich der Unterschied zwischen den Steigerungsraten Industrieproduktion und Geschäftstätigkeit im Service-Sektor weiter vergrößerte: Die Produktionsrate erreichte ein 26-Monatshoch, im Service-Sektor kletterte der Index zwar auf den höchsten Wert seit Ende 2007, zum Oktober gab er jedoch leicht nach. Die Entwicklungen auf Länderebene klafften auch im November weit auseinander. Frankreich und Deutschland glänzten, während sich der Abwärtstrend in Spanien beschleunigte.

Siemens stellt sich auf ein schwieriges Geschäftsjahr 2009/10 ein. Man rechnet nun mit einem
operativen Ergebnis der drei Sektoren Industrie, Energie und Healthcare von EUR 6,0 Mrd. bis 6,5 Mrd. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte der DAX-Konzern in den Sektoren noch einen operativen Gewinn von EUR 7,47 (Vorjahr: 6,6) Mrd. Der Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr soll im mittleren einstelligen Prozentbereich liegen. Im vierten Quartal ging der Auftragseingang konzernweit um 16% auf EUR 18,75 Mrd. zurück. Im Industriesegment sank der Auftragseingang um 20%, im Sektor Energy um 10% und in der Medizintechnik um 2%.Das Schlussquartal beendete Siemens allerdings mit einem Verlust von EUR 1,1 Mrd. Den Konzern belasteten vor allem die Verluste seines Gemeinschaftsunternehmens mit Nokia. Als Dividende schlägt Siemens eine unveränderte Zahlung von EUR 1,60 pro Aktie vor. Hochtief wollte mitten in der Dubai-Krise eine Tochter an die Börse bringen: Das ging nicht gut. 

Milliarden-Börsengang von Hochtief-Tochter geplatzt

Hochtief Concessions, unter anderem Betreiber von Flughäfen, ist den Investoren zu teuer, der Gang aufs Parkett wurde abgeblasen. Das Unternehmen begründete seinen Schritt mit den "jüngsten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten" infolge der Dubai-Krise. Schneider Electric peilt bis 2014 Umsatz- und Kostensynergien von EUR 120 Mio. aus der Übernahme der Areva-Tochter T&D (Transmission & Distribution) an. Areva will den Anlagenbauer für EUR 4,09 Mrd. an Alstom und Schneider Electric verkaufen. T&D stellt Schaltfelder, Transformatoren und schlüsselfertige Netzstationen zur Stromübertragung und - verteilung her. Alstom steigt damit in die Weltspitze der Anbieter von Hochspannungstechnik auf; Schneider wird weltweit Nummer zwei in der Kraftübertragung mit mittlerer Spannung.

Alstom und Schneider hatten für Areva T&D zuletzt in offensichtlicher Siegesgewissheit schlechtere Angebote vorgelegt als die mitbietenden Toshiba und General Electric. In Frankreich bestätigte sich damit einmal mehr das Faktum, dass man bei nationalen Interessen die betriebswirtschaftliche Vernunft vernachlässigt.

Nächste Woche stehen die Zahlen von Stagecoach, Texapret, Richardo, Elektra, Nycomed, Green CO2, Hilton Head, Travel24.com an. Auf der Makroseite werden die Industrieproduktion in Deutschland und die Handelsbilanz in Frankreich und Deutschland veröffentlicht.

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