ISM Indizes schwächer

4. Dezember 2009, 14:55
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group

Der Rückgang des ISM Manufacturing Index von 55,7 auf 53,6 im November zeigt, dass das verarbeitende Gewerbe in den USA weiterhin expandiert, die Dynamik vorläufig aber nachgelassen hat. Als positiver Aspekt verbleibt das Faktum, dass die Auftragseingänge zugenommen haben. Deutlich weniger optimistisch ist die Situation im Dienstleistungssektor einzuschätzen, wo der maßgebliche ISM Service Index auf den niedrigsten Stand seit Juli zurückgefallen ist. Das ist eine grundsätzlich schlechte Nachricht, weil der Servicebereich in den USA den größten Teil der Volkswirtschaft darstellt. Hinter diesen nüchternen Zahlen stecken dramatisch viele Einzelschicksale von Personen, die derzeit entweder arbeitslos sind bzw. auf Lebensmittelkarten angewiesen sind. So bekommt derzeit jeder achte Amerikaner bzw. jedes vierte (!) Kind mittels dieser Karten die notwendigen Lebensmittel. Die Tendenz ist hier steigend. In stagnierenden Wirtschaften profitieren hauptsächlich defensive Sektoren, wie eben beispielsweise der Lebensmittelbereich. Dies war schon im Fall des jahrelangen Abstiegs in Japan so und kann heute konkret auch wieder in den USA beobachtet werden. Der Bedarf an Nahrungsmitteln hängt nämlich weniger von der wirtschaftlichen Situation ab, als vielmehr von der Bevölkerungsanzahl und ein paar wenigen anderen spezifischen Umständen. Exportorientierte Lebensmittelkonzerne, die vom schwächeren Dollar profitieren können, sind in einem solchen Umfeld besonders gut positioniert.

So überrascht es nicht, dass Del Monte Foods eine weiterhin sehr positive Geschäftsentwicklung erwartet und auch in der Lage war, Preiserhöhungen am Markt durchzusetzen. Das neulich berichtete Quartalsergebnis (Nettogewinn USD 62,6 Mio.) war entsprechend positiv, diese Tendenz sollte sich zumindest in den nächsten beiden Jahren weiter fortsetzen. Wir sehen also die Entwicklung von Del Monte Foods durchaus optimistisch, weshalb wir diese Aktie bereits vor einiger Zeit in unsere Empfehlungsliste aufgenommen haben.

US-Immobilensektor langfristig unattraktiv

Dringend meiden sollten Anleger weiterhin den Immobilienbereich, weil eine Erholung hier erst in einigen Jahren realistisch ist. Die Situation ist in diesem Sektor schlichtweg negativ und dies ohne Zeichen der Besserung. Im Gegenteil, viele Gründe, insbesondere auch die später einmal anstehenden Steuererhöhungen in den USA, werden den Immobilienbesitz für viele Jahre nicht nur unattraktiv machen, sondern gar zu einer besonderen Belastung für die meisten Eigentümer werden lassen. Langfristig meiden sollte man daher auch die Aktien der Fertighaushersteller, wie beispielsweise jene von Toll Brothers. Das Unternehmen meldete zuletzt einen stärker als erwarteten Verlust, der insbesondere auch durch Abschreibungen auf den Grundbesitz des Unternehmens zurückzuführen ist. Der Quartalsverlust betrug USD 111,4 Mio. Die Umsätze gingen um 30% gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres zurück. Das Segment der Luxushäuser ist demnach ebenso wenig attraktiv wie alle anderen Häusersegmente in den USA auch, weil es einfach nicht nur mehr als genug davon gibt, sondern auch weil über den verbleibenden solventen Eigentümern das Damoklesschwert drastischer Steueranhebungen schwebt.

Deutlich positiver sind die Aussichten in einigen versorgernahen Marktsegmenten, wie beispielsweise im Bereich der Stromumwandlung und -verteilung. Emerson Electric ist in diesem Sektor mit 129.000 Mitarbeitern ein wichtiges, profitables Unternehmen, welches auch über stabile Cash Flows verfügt. Als großes Unternehmen ist Emerson Electric auch auf Zukäufe angewiesen, um weiteres Wachstum zu generieren. So wird aktuell die Übernahme der wesentlich kleineren Avocent Corp. zu USD 25 angestrebt und die Angebotsfrist bis 7.12. verlängert. Die hektischen Kursbewegungen einiger Aktien dieses Sektors, wie z.B. das zuletzt stark gestiegene Interesse an Aktien der Firma A-Power Energy Generation Systems, eines ebenfalls kleineren Mitbewerbers, deutet darauf hin, dass in diesem Bereich vermutlich eine Konsolidierungsphase bevorsteht. Investoren sollten daher diesem Sektor verstärkt ihre Aufmerksamkeit zuwenden und im Gegenzug die meisten US-Finanzaktien schlichtweg für einige Jahre ignorieren.

Konzentration auf die wirklichen Chancen ist allemal weitaus sinnvoller als regelmäßige Beachtung der Verliereraktien. Zu letzteren gehören wohl noch einige Jahre lang viele US-Finanztitel, die zwar gelegentlich heftig schwanken, sich den starken Abwärtskräften aber keinesfalls entziehen können, wie die Jahresperformance des KBW Bankenindex mit einem Minus von 3% klar zeigt. Der europäische Bankenindex hingegen liegt mit einem Plus von 47,5% seit Jahresbeginn deutlich vorne. Das ist ein klares Zeichen relativer Stärke.

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