Der 30-Milliarden-Dollar-Mediendeal

4. Dezember 2009, 17:41
2 Postings

Der französische Medienkonzern Vivendi gibt seine Anteile an NBC Universal ab - Der Weg für eine amerikanische Mega-Medienfusion ist frei - Unter Experten und US-Politikern ist der Deal nicht unumstritten

Nach monatelangen Verhandlungen über die Zukunft von NBC Universal ist der Weg für das größte Mediengeschäft des Jahres im Volumen von 30 Milliarden Dollar frei: In einem ersten Schritt übernimmt der US-Mischkonzern General Electric (GE) den noch verbleibenden NBC-Anteil von 20 Prozent vom französischen Medienkonzern Vivendi. Kaufpreis: 5,8 Mrd. Dollar. NBC wird danach in ein Gemeinschaftsunternehmen unter Führung des US-Kabelnetzbetreibers Comcast eingebracht. „Es hat oberste Priorität, NBC wieder zur Nummer eins der Kabelnetze zu machen", sagte GE-Chef Geoffrey Immelt nach der Einigung. 

NBC soll Herzstück eines Joint Venture von General Electric und Comcast werden. Der Kabelnetzbetreiber steuert 6,5 Mrd. Dollar bei und bringt weitere Unternehmensteile im Wert von 7,25 Mrd. Dollar ein. NBC Universal besorgt sich seinerseits rund 9,1 Mrd. Dollar von Kreditgebern und reicht das Geld an GE weiter. An der Gemeinschaftsfirma soll Comcast einen Anteil von 51 Prozent halten, die übrigen 49 Prozent liegen bei GE. Geführt werden soll es von NBC-Chef Jeff Zucker. 

Comcast will seit langem sein Mediengeschäft ausbauen. Zu NBC Universal gehören Kabelnetze wie MSNBC und USA, ein Filmstudio, Themen-Parks und lokale Fernsehsender. 

Umstrittenes Geschäft

Comcast will seinen Kunden mithilfe von NBC Programminhalte über alle möglichen Verbreitungswege anbieten - sei es über das Fernsehgerät, Computer oder Handys. Comcast ist nicht nur der größte Kabelnetzbetreiber der USA, sondern auch der führende Internet-Provider des Landes. General Electric wiederum bereinigt über das Geschäft seinen Mischkonzern, unter dessen Dach außer NBC vor allem Industrie versammelt ist. 

Vivendi will mit der Trennung von NBC seine Struktur vereinfachen. "Vivendi ist zu Beginn des neuen Jahrzehnts entschlossen, seine profitable Wachstumsstrategie voranzutreiben", sagte Vivendi-Chef Jean-Bernard Levy. Sollte die Einigung mit GE doch noch scheitern, will Vivendi seinen NBC-Anteil schnell an die Börse bringen. 

Unter Experten ist das Geschäft umstritten. Während einige Comcast-Chef Brian Roberts als Visionär bezeichnen, halten es andere für den größten Unsinn seit der Fusion von AOL und Time Warner. Es gebe zu wenige Überschneidungen und damit zu geringes Sparpotenzial. Zudem sind große Fusionen häufig zum Scheitern verurteilt, wie das Beispiel Time Warner zeige: Der ehemals weltgrößte Medienkonzern hat sich inzwischen von der Kabelsparte getrennt und wird bald auch AOL abgeben. 

Aus der Politik wurden Wettbewerbsbedenken laut. So forderte der Vorsitzende des Energie- und Handelsausschusses im Repräsentantenhaus, Henry Waxman, die Behörden zu einer strengen Prüfung des Geschäfts auf. (Reuters)
Der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast wird 51 Prozent am neuen Mediengiganten halten. NBC Universal wird in dem gemeinsam mit General Electric betriebenen Joint Venture aufgehen. (Reuters, DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast wird 51 Prozent am neuen Mediengiganten halten. NBC Universal wird in dem gemeinsam mit General Electric betriebenen Joint Venture aufgehen.

Share if you care.