Von Hütte zu Hütte, von Warte zu Warte

    4. Dezember 2009, 16:59
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    Hier stand eine Wiege des österreichischen Skilaufs. Befördert wurden die Brettln mit einer Bahn. Eine Streckenwanderung mit herrlichem Rundblick

    Der lange Höhenrücken südlich des Kaltenleutgebener Tales spielte in der Wiener Touristik immer schon eine besondere Rolle. Aussichtswarten ermöglichen einen herrlichen Rundblick, mehrere Hütten sorgen für die gemütliche Rast, dazu kommt die leichte Erreichbarkeit für die Großstädter.

    Man glaubt es kaum, aber dort fanden schon österreichische Skimeisterschaften - sogar samt Abfahrtslauf - mit allen Assen statt. Die Norwegerwiese weist darauf hin, dass es Skandinavier waren, die dort zum ersten Mal ihr Skikünste zeigten. Der Bäckergeselle Wilhelm Bismark Samson beeindruckte in den 1890er-Jahren mit seinen rasanten Abfahrten und weiten Sprüngen.

    Die Chronik berichtet, er sei auf den selbstgebauten Schanzen mindestens 15 Meter weit "geflogen", was für damalige Zeiten rekordverdächtig war. Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Kaltenleutgeben einen Skiverleih, 30 Paar Brettln standen den Anhängern des weißen Sports zur Verfügung.

    Die von Liesing ausgehende Stichbahn, auf der heute nur mehr Güterzüge verkehren, beförderte als erste Linie Skier; wofür man allerdings eine Hundekarte zu lösen hatte. Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain („Die Abenteuer Tom Sawyers") wohnte von 1897 bis 1899 in Kaltenleutgeben und fuhr öfters mit dem Zug nach Wien. Er bezeichnete die Bahn als die langsamste auf der Welt.

    Zahlreiche kleinere Felstürme und -wände dienen immer noch als Kletterschulen.

    Gute Busverbindungen

    Gute Verbindungen mit der Buslinie Liesing-Kaltenleutgeben - auch an Wochenenden und Feiertagen - ermöglichen Streckenwanderungen, was in anderen Regionen leider nicht mehr der Fall ist.

    Das vor zwei Jahren abgebrannte Höllensteinhaus wurde erst vor wenigen Wochen wiedereröffnet, selbst der neben dem Haus stehende Julienthurm - ja: "Thurm" - ist zugänglich, sodass man vom höchsten Punkt der Tour den Blick zum Anninger, zu den Voralpen an Piesting und Triesting und natürlich zum Schneeberg genießen kann. Nur die Sicht nach Wien ist durch Bäume verstellt. Aber den Wien-Blick konnte man schon vorher von der Terrasse des Franz-Ferdinand-Hauses und von der Kammersteinwarte auskosten.

    Die erste Schutzhütte auf dem Höllenstein entstand schon 1907 neben der Aussichtswarte, die man schon im Jahre 1880 errichtet hatte. Der Höllenstein müsste eigentlich Höhlenstein heißen, denn er ist nach der Geoleshöhle benannt, in der bei Ausgrabungen Funde aus der Jungsteinzeit, der Römerzeit und dem Mittelalter zutage kamen.

    Besonders an Wochenenden lässt es sich mit leichtem Gepäck wandern, denn da haben alle auf der Route liegenden Schutzhäuser geöffnet, und für die Verpflegung ist gesorgt. Nur mit der Einsamkeit ist es dann nicht weit her, denn das zum Naturpark Föhrenberge gehörende Gebiet lockt natürlich stets viele Wanderer an, die auch bei Schneelage eine gute Spur vorfinden.

    Mit Ausnahme des Anstiegs vom Tal zum Parapluieberg gibt es keine steilen Abschnitte und daher auch keine Schwierigkeiten.

    Die Route: Von der Bushaltestelle Wohnheim knapp unterhalb des großen Kalkwerks geht es auf der blauen Markierung über die Bahngleise und dann steil zur Ruine Kammerstein. Bald darauf erreicht man die rote Markierung - teilweise auch grün - und gelangt über das Franz-Ferdinand-Haus auf dem Parapluieberg zum Kammerstein und zur Kugelwiese. Gehzeit: eineinviertel Stunden. Rot markiert ist auch der weitere Weg zum Großen Sattel, zum Gasthaus Seewiese und zum Höllenstein mit dem neuen Schutzhaus. Gehzeit ab Kugelwiese: eineinviertel Stunden.

    Nun ein kurzes Stück zurück, dann geradeaus weiter auf der gelben Markierung zum Kreuzsattel, wo man sich nach rechts wendet und auf der Norwegerwiese neben dem Skilift absteigt. Direkt neben der Talstation des Lifts trifft man auf die rote Markierung, die zwischen Vorderem und Hinterem Langenberg in die Sohle des Kaltenleutgebener Tales führt, die man bei der Bushaltestelle Forsthaus erreicht. Gehzeit ab Höllenstein: eineinhalb Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/5.12.2009)

    Gesamtgehzeit: dreieinhalb Stunden, Höhendifferenz rund 400 Meter. Öffnungszeiten der auf der Route befindlichen Einkehrmöglichkeiten: Das Franz-Ferdinand-Schutzhaus ist Donnerstag und Freitag geschlossen, die Kammersteinerhütte ist am Montag und Dienstag geschlossen, das Wirtshaus Kugelwiese ist am Donnerstag und Freitag geschlossen, das Wirtshaus Seewiese hat am Montag und Dienstag Ruhetage, nur das Höllensteinhaus ist durchgehend die ganze Woche über offen.

    ÖK25V Blatt 5325-Ost (Baden), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Wienerwald-Atlas, Maßstab 1:50.000.

    • Wer hat's erfunden? Die Skandinavier. Und etwas später haben sie das Skifahren auch auf die Norwegerwiese gebracht.


Samische Skifahrer; Gemälde von Knut Leem, norwegischer Missionar und Sprachwissenschaftleraus dem 18. Jahrhundert.
      foto: wikipedia.org

      Wer hat's erfunden? Die Skandinavier. Und etwas später haben sie das Skifahren auch auf die Norwegerwiese gebracht.

      Samische Skifahrer; Gemälde von Knut Leem, norwegischer Missionar und Sprachwissenschaftleraus dem 18. Jahrhundert.

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