Ganztagsschule soll zur Standardschule werden

4. Dezember 2009, 14:03
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Wiener Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl: "Keine Neue Mittelschule a la Bundesländer" - Reformpädagogische Einrichtungen für Migranten zielführend

Wien - Die Ganztagsschule soll zur Standardschule in Österreich werden, fordert die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) anlässlich der Veröffentlichung des OECD-Länderberichts für Österreich zu "Migration und Schule". Auch die Selektion der Kinder in Hauptschule und AHS-Unterstufe soll der Vergangenheit angehören - die gemeinsame Schule der Sechs- bis 15-Jährigen müsse zum "Fixmodell" werden. "Wir brauchen keine Neue Mittelschule a la Bundesländer, wo ja nur ein neues Türschild auf die Hauptschulen geklebt wird", so Brandsteidl.

In Österreich sollten "nur mehr Ganztagsschulen ins Land gesetzt werden", meinte Brandsteidl. Derzeit "passiert am Nachmittag zu wenig in der Schule". Die Netto-Unterrichtszeit in Österreich sei auch wesentlich geringer als im OECD-Schnitt.

Waldorfschulen auch für Migranten

Außerdem müssten Maßnahmen gesetzt werden, dass möglichst viele Kinder auch einen Kindergarten bzw. vergleichbare Einrichtung besuchen. So gehen derzeit nur etwas mehr als 40 Prozent der Vierjährigen in eine pädagogische Einrichtung - in Belgien beträgt dieser Prozentsatz 93 Prozent, in Frankreich 96 Prozent, in den Niederlanden 90 und in Schweden 67 Prozent. Die derzeit geplanten Maßnahmen wie Vorschulklassen an den Wiener Volksschulen oder das Gratis-Kindergartenjahr müssten aber durch die bereits geplante Einführung des verpflichtenden letzten Kindergartenjahrs ergänzt werden, so Brandsteidl. Mittelfristig soll dieses zu einer Vorziehung der Schulpflicht und einem "nullten" Schuljahr führen.

Gleichzeitig will Brandsteidl unter dem Motto "Das Beste für die Schwächsten" reformpädagogische Angebote für Migranten attraktiver zu machen. Im Moment sei die Situation paradox: Waldorfschulen und andere reformpädagogische Einrichtungen würden von den Kindern des gehobenen Bürgertums gestürmt, während Migrantenkinder, die von einer individuellen Förderung besonders profitieren würden, fast nur traditionelle Schulen besuchen. Der Umgang mit kulturellen Unterschieden soll nach Ansicht Brandsteidls in der Lehrer-Ausbildung verankert und Fortbildung in diesem Bereich verpflichtend werden. (APA)

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