Wurde von knapp einem Drittel der Vorarlberger Mittelschullehrer unterzeichnet
Bregenz - Knapp ein Drittel der Lehrer an den Vorarlberger
Mittelschulen hat eine Protestnote an Schullandesrat Siegi Stemer (ÖVP)
unterzeichnet. In ihrem Schreiben bezeichneten die Pädagogen den
Entwicklungsprozess der Vorarlberger Mittelschule als "nicht
zielführend in Richtung einer gemeinsamen Schule". Stemer erklärte, dass mit der Lehrerschaft ein konstruktives
Gespräch stattgefunden habe. Der Forderung, die gemeinsame Schule an
das Ende des Entwicklungsprozesses zu stellen, könne er aber nicht
nachkommen. "Davor gilt es vier grundlegende Fragen zu klären",
betonte der Landesrat.
496 von 1.648 Lehrern der Vorarlberger Mittelschulen brachten in
der Protestnote an Stemer ihren Unmut zum Ausdruck. Unter anderem
heißt es darin: "Wir empfinden uns zunehmend als Marionetten, die in
unregelmäßigen Abständen Vorgaben und Verordnungen umzusetzen haben,
die für uns mit einer nachhaltigen Schulentwicklung wenig zu tun
haben". Insbesondere wurde die Frage gestellt: "Ist das Ziel der
Vorarlberger Mittelschule die gemeinsame Schule aller 10- bis
14-Jährigen?".
Ergebnis der Entwicklung "offen"
Stemer seinerseits erklärte das Ergebnis des Entwicklungsprozesses
zum wiederholten Male als "offen". Am Ende könne durchaus eine neue
Schulform stehen, zuvor aber gebe es vier Grundsatzfragen zu klären.
Zum einen sei die Zusammenlegung von zwei Schultypen mit massiven
gesetzlichen, organisatorischen und finanziellen Folgen verbunden,
sagte der Landesrat. Weiters verwies er auf die derzeit
unterschiedliche Ausbildung von AHS- und Mittelschullehrern sowie auf
den bis 2013 fixierten Finanzausgleich, "den man nicht einfach vom
Tisch wischen kann". Die vierte Schlüsselfrage betreffe die völlig
unterschiedlichen Dienstrechte der Pädagogen. "Wenn man die
gemeinsame Schule will, müssen diese vier Kardinalfragen gründlich
durchdacht und diskutiert werden. Ansonsten ist sie nicht möglich",
stellte Stemer fest. Ihm sei bei der Mittelschule in erster Linie die
Weiterentwicklung in Richtung schülerzentrierter Pädagogik wichtig,
betonte Stemer.
"Zeit des Schönredens vorbei"
Als berechtige Kritikpunkte der Lehrerschaft akzeptierte der
Landesrat etwa, dass die Verschränkung der Mittelschulen mit den
Gymnasien noch nicht in ausreichendem Maße gegeben sei. "Derzeit
haben wir etwa 20 AHS-Professoren, die an der Mittelschule
unterrichten", sagte Stemer. Es sei ein klares Ziel, die
Verschränkung bis zum kommenden Schuljahr deutlich auszubauen. Zudem
stehe er im Entwicklungsprozess der Mittelschule für eine "gewisse
Entschleunigung" ein. "Die Schulentwicklung bedeutet einen massiven
Mehraufwand, wir muten den Schulteams unheimlich viel zu", befand der
Landesrat.
Solidarität mit den Lehrern gab es seitens der Grünen. "Die Zeit
des Schönredens der Neuen Mittelschule ist vorbei", stellte der
Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, in einer Aussendung fest
und forderte zum wiederholten Mal eine gemeinsame Schule für die 10-
bis 15-Jährigen.(APA)